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Aktienmarkt Amerika Steht eine Gegenbewegung bevor?

15.11.2007 ·  Nach der jüngsten Talfahrt scheint eine kurzfristige Trendumkehr nicht unwahrscheinlich. S&P nennt die Branchen - und Aktien - mit dem größten Aufwärtspotential.

Von Sam Stovall
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In der vergangenen Woche musste der amerikanische Aktienmarkt einiges einstecken. Der S&P-500 fiel um 3,7 Prozent, der Nasdaq um 6,5 Prozent, der S&P-MidCap-400 um 2,8 Prozent und der S&P-SmallCap-600 um 3,4 Prozent. Hinzu kam, dass 110 (85 Prozent) der 129 im S&P-500 abgebildeten Branchen Kursrückgänge hinnehmen mussten.

Schlimmer kann es kaum noch kommen. Seit Einführung der Sektorklassifizierung Global Industry Classification Standard (GICS) durch S&P im Jahr 1995 traten eine volle Woche anhaltende Rückgänge bei mehr als 85 Prozent aller Branchen in lediglich sechs Fällen auf. Der höchste Wert wurde am 27. Juli dieses Jahres mit 98 Prozent erreicht; anschließend legte der S&P-500 wieder 7,3 Prozent zu, ehe sich der Trend erneut gegen uns richtete.

Aufwärtsbewegung möglich

Doch wie gravierend ist ein Wert von 85 Prozent? Seit 1995 verzeichneten im Schnitt nur 37 Prozent aller Branchen Wochenrückgänge. Werte über 78 Prozent befinden sich außerhalb zweier Standardabweichungen vom Mittelwert und markieren nach meiner Ansicht ein extremes Niveau an Pessimismus (definitionsgemäß befinden sich 96 Prozent aller beobachteten Werte innerhalb der zwei Standardabweichungen).

Werfen Sie einen Blick auf die Infografik. Zur besseren Anschaulichkeit ist ein rollierender 13-Wochen-Durchschnitt gewählt, der die wöchentlichen Schwankungen glättet. In seinem Verlauf sehen Sie, dass sich gegenwärtig 55 Prozent der S&P-500-Branchen rückläufig entwickeln. Damit liegt er über der ersten Standardabweichung (die 67 Prozent aller seit 1995 beobachteten Werte umfasst) oberhalb des zwölfjährigen Mittels von 31 Prozent und zeigt dabei einen steilen Anstieg in Richtung der zweiten Standardabweichung.

Sollte die laufende Woche für Anleger ähnlich düster enden wie die vergangene - möglicherweise aufgrund höher als erwartet ausfallender Erzeuger- und Verbraucherpreisdaten, die am 14. und 15. November veröffentlicht werden - dann könnte der Prozentwert der S&P-500-Branchenindizes erneut in den überverkauften Bereich vorstoßen, und damit einen übermäßigen Rückgang der Kurse aufzeigen.

Sollte dieser Fall eintreten, würde dies nach meiner Ansicht darauf hindeuten, dass die gegenwärtige mittelfristige Aktienmarktkorrektur (mit allen maßgeblichen Aktienindizes weit von ihren Höchstständen entfernt) zwar anhalten könnte, kurzfristig jedoch mit einer Aufwärtsbewegung der Kurse zu rechnen wäre.

Die Robusten werden die Ersten sein

Gesetzt den Fall, diese Aufwärtsbewegung tritt tatsächlich ein: Welche Branchen dürften dann ganz vorn dabei sein? Charttechnikern zufolge sind jene Branchengruppen, die sich in Abwärtsphasen am besten behaupten, in der Regel diejenigen, die bei Markterholungen am schnellsten anziehen. Doch wie immer sind Wertentwicklungen in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Ein kurzer Blick auf die Ränge der Abgeschlagenen: Zum 9. November befanden sich 43 Prozent der 129 im S&P-500 vertretenen Branchen in einer Baisse und hatten seit ihren in den vergangenen zwei Jahren erklommenen Wochenschlusshochs mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Die fünf Branchen mit den größten Verlusten: Wohnungsbau (mit einem Rückgang von 71 Prozent), IT-Beratung und andere Dienstleistungen (minus 46 Prozent), Immobilienverwaltung und -entwicklung (ebenfalls minus 46 Prozent), Hypothekenfinanzierer (mit einem Rückgang von 40 Prozent) und Elektronik-Auftragsfertiger (minus 39 Prozent). Und obwohl alle zehn Sektoren des S&P-500 unter ihren Wochenhochs der vergangenen zwei Jahren liegen, befindet sich nur ein einziger Sektor im Baissemodus: Finanzdienstleistungen.

Sieben Branchen behaupten sich

Es kommt daher überraschend, dass trotz des Rückgangs des Gesamtmarktes in den zurückliegenden Wochen sieben Branchen auf den Niveaus ihrer in den vergangenen zwei Jahren erreichten Wochenschlusshochs gehandelt werden: Kasinos und Glücksspiele, Kohle und Brennstoffe, elektrische Komponenten und Ausrüstung, Gesundheitsdienstleistungen, Haushaltswaren, unabhängige Energieerzeuger und Energiehändler sowie Öl- und Gasförderung.

Die sich seit dem Markthoch im Oktober am besten behaupteten zehn Branchen (unter denen sich auch Unternehmen befinden, die von S&P-Aktienanalysten mit vier Sternen (Kaufempfehlung) oder fünf Sternen (unbedingte Kaufempfehlung) bewertet wurden) finden sich auf der Infografik. Ihre Stärke während dieser allgemeinen Marktschwäche könnte darauf hindeuten, dass sie bei einer möglichen Erholung ganz vorn mitmischen könnten.

Mark Arbeter, technischer Chefstratege von S&P, geht davon aus, dass der S&P-500 ausgehend von seinem jüngsten Hoch letztlich um acht bis zwölf Prozent an Wert einbüßen wird. Bis dahin besteht jedoch die Chance, dass der Index infolge seines überverkauften Zustands ab und an zur Gegentrend-Rally ansetzen könnte. Angesichts der hohen Prozentzahl von Branchen mit rückläufiger Entwicklung in der vergangenen Woche und innerhalb des zurückliegenden 13-Wochen-Zeitraums ist ein solche Umkehrbewegung in meinen Augen nicht unrealistisch. Die Branchen, die sich in der Schwächephase am besten behauptet haben, dürften dann auch bei einer Erholung die Liste der Gewinner anführen.

Sam Stovall ist Chefstratege von Standard & Poor's Equity Research Services.

Quelle: Business Week Online
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