23.05.2008 · Sollten Anleger in Panik geraten, wenn die Fed keine weitere Zinssenkung vornimmt? Nicht unbedingt, meint S&P. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Aktienkurse nach dem Ende des Zinssenkungszyklus' üblicherweise ansteigen.
Von Sam StovallWie wir alle wissen, nehmen Anleger zukünftige Entwicklungen vorweg. Es dürfte daher kaum überraschen, dass der Aktienindex S&P-500 in den bisherigen zwölf Zinssenkungszyklen der amerikanischen Notenbank (Fed) seit dem Zweiten Weltkrieg im Schnitt um 19 Prozent zulegte. In elf von zwölf Fällen befand sich der S&P-500 ein Jahr nach dem jeweiligen Zyklusauftakt auf einem höheren Niveau; lediglich 2001 war der Aktienindex zwölf Monate nach der ersten Zinssenkung nicht gestiegen.
Am 16. Mai befindet sich der S&P-500 ausgehend von seinem Niveau zu Beginn des aktuellen Zinssenkungszyklus' am 18. September 2007 zwar noch immer mit 6,2 Prozent im Minus, doch da der Markt in vier von bislang zwölf Fällen auch sechs Monate nach der ersten Zinssenkung noch in negativem Terrain lag, ist nach wie vor die Möglichkeit gegeben, dass der S&P-500 in den kommenden viereinhalb Monaten aufwärts klettert.
Aus historischer Sicht kein Grund zur Panik
S&P geht wie viele andere Analysten an der Wall Street derzeit davon aus, dass Fed-Präsident Bernanke und seine Kollegen den Leitzins in der April-Sitzung des Offenmarktausschusses vielleicht zum letzten Mal innerhalb des laufenden Zinssenkungszyklus' gekappt haben. Wir denken, dass sich die Fed nun zurücklehnen und drei Dinge im Auge behalten wird. Erstens, ob sich die früheren Lockerungen der Zinsschraube stimulierend auf die Wirtschaft auszuwirken beginnen, da sich erste Effekte für gewöhnlich frühestens nach sechs bis zwölf Monaten bemerkbar machen. Zweitens, ob das angelaufene Konjunkturprogramm der lahmenden Wirtschaft auf die Sprünge hilft. Und drittens, ob die Zinssenkungen und das Konjunkturprogramm einen stärken Anstieg der Inflationsindikatoren nach sich ziehen werden, was die Fed dazu zwingen könnte, die Zinsen früher anzuheben, als in der Vergangenheit üblich (im statistischen Mittel kam es 13 Monate nach der letzten Zinssenkung wieder zu Zinserhöhungen).
Sollten Anleger in Panik geraten, wenn die Fed keine neuerliche Zinssenkung vornimmt und der Wirtschaft damit keine weiteren Impulse liefert? Jedenfalls nicht aus historischer Sicht. Entwicklungen in der Vergangenheit sind zwar keine Garantie für zukünftige Ergebnisse, doch nach dem Ende der zwölf Zinssenkungszyklen der Fed seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Dynamik der durch die aufeinanderfolgenden Zinssenkungen herbeigeführten wirtschaftlichen Stimulierung traditionell die Erwartungen der Anleger hinsichtlich eines Wirtschaftsaufschwungs beflügelt und sie zum Aktienkauf ermutigt.
Kleine Aktienwerte stellen alle in den Schatten
Seit 1945 hat der S&P-500 im Sechs- und Zwölfmonatszeitraum nach der letzten Zinssenkung des Zyklus' im Schnitt (und ohne Dividenden) um 9,4 bzw. 18,9 Prozent zugelegt. Darüber hinaus war in elf von zwölf Fällen in beiden Zeiträumen ein Anstieg des Gesamtmarktes zu beobachten. Die im Sechsmonatszeitraum erzielten Kurssteigerungen reichten von 0,6 Prozent im Jahr 1996 bis 23,6 Prozent 1982, während nach zwölf Monaten ein Anstieg zwischen 6,3 Prozent 1980 und 35,9 Prozent 1954 verzeichnet wurde. Nur im Jahr 1976 war der S&P-500 rückläufig - nach sechs Monaten war er um 3,1 Prozent, nach zwölf Monaten um 6,3 Prozent gesunken.
Zusätzlich zu der allgemein positiven Entwicklung amerikanischer Aktien nach der letzten Zinssenkung standen Wachstumstitel in der Anlegergunst höher als Substanzwerte, ablesbar an dem während der ersten sechs Monate nach der letzten Zinssenkung um durchschnittlich 10,2 Prozent gestiegenen S&P 500 Growth Index gegenüber einem Zuwachs des S&P 500 Value Index' um 8,6 Prozent. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich nach Ablauf von zwölf Monaten: Wachstumstitel rangieren mit 17,4 Prozent vor Substanzwerten mit 15,4 Prozent. Nach sechs Monaten lag der Index der Wachstumstitel in sechs von acht Fällen vor jenem der Substanzwerte, nach zwölf Monaten lagen beide Indizes mit vier zu vier jedoch gleichauf. Analog zum Gesamtmarkt konnten im Zeitraum 1976-77 auch diese Indizes keinen Anstieg nach der letzten Zinssenkung aufweisen.
Der die Entwicklung kleiner Aktienwerte abbildende Nebenwerteindex Russell 2000 konnte sechs Monate nach der letzten Zinssenkung im Schnitt um fast 15 Prozent, nach zwölf Monaten sogar um mehr als 25 Prozent zulegen, wobei in allen beobachteten Fällen Zuwächse erzielten wurden.
Ein Blick auf die Wertentwicklungen seit 1980 (dem frühesten Zeitpunkt, für den Ergebnisse sämtlicher Indizes auf vergleichbarer Basis vorliegen) zeigt, dass sich Aktien nach der letzten Zinssenkung allgemein positiv entwickelten, dass Wachstumswerte besser abschnitten als Substanztitel und dass kleine Nebenwerte alle anderen in den Schatten stellten.
Die Sektoren mit der besten Entwicklung
Ermutigt durch die Marktentwicklungen nach der letzten Zinssenkung gruben wir etwas tiefer, um herauszufinden, welche Sektoren nach der letzten Zinssenkung die beste Performance aufwiesen. Die stärksten Kursentwicklungen zeigten sich dabei sowohl nach sechs als auch nach zwölf Monaten bei den zyklischen Sektoren dauerhafte Konsumgüter, Industrie und Informationstechnologie, die mit überdurchschnittlichen Kurszuwächsen und einer überdurchschnittlichen Häufigkeit der Outperformance des Marktes aufwarten konnten.
Traditionell defensive Sektoren wie Verbrauchsgüter, Gesundheitswesen und Versorger, die sich in stürmischen Zeiten in der Regel gut behaupten, blieben in beiden Zeiträumen hinter der Marktentwicklung zurück, vermutlich infolge des anhaltenden Interesses der Anleger an zyklischeren Sektoren. Interessant ist, dass die heute führenden Sektoren Energie und Grundstoffe auch historisch ihre Führungspositionen in den ersten sechs Monaten nach der letzten Fed-Zinssenkung innehatten, sich dann jedoch abschwächten und nach zwölf Monaten schließlich auf Augenhöhe mit dem Marktwachstum lagen. Es sei natürlich daran erinnert, dass Wertentwicklungen in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse darstellen.
Die S&P Equity Strategy Group hat den empfohlenen Anteil zyklischer Sektoren im Benchmark-Portfolio angehoben und den empfohlenen Anteil defensiver Sektoren verringert. Seit Jahresanfang erhöhten wir unseren Ausblick für die Sektoren dauerhafte Konsumgüter, Finanzdienstleistungen, Industrie und Informationstechnologie, während wir Verbrauchsgüter, Gesundheitswesen und Versorger herabstuften. Aktuell empfehlen wir eine Übergewichtung der Sektoren Informationstechnologie und Grundstoffe sowie eine Untergewichtung der Sektoren Gesundheitswesen und Versorger.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |