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Aktienfonds Nah-Ost-Fonds: Das Risiko steigt

24.02.2006 ·  Mit einem Fonds von JP Morgan können Anleger am Boom der Börsen im Nahen Osten teilhaben. Doch die Renditechance wird mit dem entsprechenden Risiko erkauft. Inzwischen sollten die arabischen Börsen nüchterner betrachtet werden.

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Die arabischen Börsen waren die Gewinner des vergangenen Jahres: Ölpreis und Wirtschaftsreformen ließen die Märkte im Nahen Osten boomen, acht der zehn Aktienindizes mit der besten Wertentwicklung 2005 stammen aus dem arabischen Raum.

Die Börsen laufen nach wie vor gut. Das zeigt sich etwa an der Entwicklung eines der wenigen Fonds, die in der Region investieren. Der „JP Morgan Middle East Equity Fund“ (Isin LU0083573666) erreichte Anfang Februar ein neues Rekordhoch von 24,77 Dollar, am Freitag kostete ein Anteil 24,19 Dollar. Der im Mai 1998 aufgelegte Fonds verwaltet inzwischen knapp 450 Millionen Dollar.

250 Prozent in drei Jahren

In Euro gerechnet hat der Fonds in einem Jahr mehr als 70 Prozent zugelegt. Auf Sicht von drei Jahren beträgt das Plus über 250 Prozent, in fünf Jahren hat sich der Wert der Fondsanteile immerhin fast verdoppelt. In der Fondswährung Dollar beträgt das Plus auf Sicht von fünf Jahren sogar 158 Prozent. Der vor drei Jahren etablierte Aufwärtstrend ist intakt, auch wenn der Chart in den vergangenen Wochen eher seitwärts gelaufen ist.

Ziel der Gesellschaft ist laut Fondswerbung die „Erzielung eines langfristigen Kapitalwachstums durch die Anlage vorwiegend in Werte von Unternehmen des Nahen Ostens. Der Fonds kann zusätzlich in beschränktem Umfang in Marokko und Tunesien investieren.“ Die Fondsmanager lassen sich ihre Arbeit gut bezahlen: Neben einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent fallen 0,5 Prozent Rücknahmegebühren an, außerdem 0,45 Prozent Verwaltungsaufwendungen und jährlich1,5 Prozent für die Managementvergütung.

Viel Türkei und Ägypten

Fast 30 Prozent des Volumens sind in der Türkei investiert, es folgen Ägypten (23 Prozent) und Israel (22 Prozent). „Der Fonds bleibt in der Türkei und Ägypten übergewichtet und sucht weiterhin nach Chancen in weniger etablierten Märkten wie zum Beispiel dem Libanon“, heißt es im jüngsten Datenblatt des Fonds. Derzeit machen Werte aus dem Libanon - ein im Vergleich eher kleiner Markt - immerhin fast fünf Prozent des Fondsvolumens aus.

Auch bei der Branchenverteilung setzt der Fonds eindeutige Schwerpunkte: Ein Drittel ist in Finanztitel investiert, gefolgt von den Sektoren Telekom (24 Prozent), Gesundheit, Industrie (beide 11 Prozent) und Rohstoffe (8,2 Prozent).

Einzelwerte laufen gut

Die gute Performance stützt sich natürlich auf die gute Entwicklung der Einzelaktien im Portfolio: Größter Wert war Ende Dezember mit einem Gewicht von 9,4 Prozent Orascom Telecom. Die Aktie dieses ägyptischen Kommunikationsdienstleisters hat sich in den vergangenen zwölf Monaten in Euro gerechnet fast verdoppelt, seit Börsengang hat sich das Papier vervielfacht (siehe auch: Orascom: Aktie arbeitet nach Hutchison-Einstieg am Ausbruch).

Der mit neun Prozent zweitgrößte Wert im Portfolio, der weltgrößte Generika-Hersteller Teva aus Israel, entwickelte sich in jüngster Vergangenheit ähnlich erfreulich. Auch die anderen Bank- und Telekomtitel aus der Türkei, Israel, Ägypten und Marokko, die unter den zehn größten Werten zu finden sind, legten entsprechend zu.

Golf-Börsen hoch bewertet

Gute Performance, Trend intakt - das klingt alles sehr vielversprechend. Doch blindlings sollte kein Anleger sein Geld im Nahen Osten investieren: die Renditechance wird mit dem entsprechenden Risiko erkauft.

In jüngster Zeit mehren sich die kritischen Stimmen. Analysten von Credit Suisse haben zum Beispiel die Golfstaaten unter die Lupe genommen und sind zu interessanten Ergebnissen gekommen: Die Märkte sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 43,9 ambitioniert bewertet, das KGV des Index MSCI Emerging Markets dagegen beträgt 15,9. Die Dividendenrendite beträgt spärliche 1,2 Prozent.

Telekomwerte noch relativ günstig

Vergleichsweise günstig bewertet seien noch Telekomunternehmen, die hohe Eigenkapitalrenditen aufwiesen und die höchsten Dividenden zahlten. Unter den besten Werten findet sich etwa Orascom Telecom, der oben genannte größte Wert im JP-Morgan-Fonds.

Dagegen ist Credit Suisse vor allem bei den Banken skeptisch, weil die Institute immer mehr ungesicherte Kredite vergeben. Wenn die Börsen nicht mehr so gut laufen oder ein sinkender Ölpreis die Gewinne der Unternehmen verschlechtert, rechnen die Analysten mit höheren Kreditausfällen.

Fonds gut aufgestellt - doch der Markt wird schwieriger

Nun muß die Credit-Suisse-Studie nicht zu dem Schluß führen, daß der genannte JP-Morgan-Fonds kein Potential mehr hat, zumal der Fonds viel Geld in der Türkei und relativ wenig in den Golfstaaten angelegt hat. Außerdem ist zu erwähnen, daß Credit Suisse von den untersuchten Märkten gerade Ägypten noch übergewichten würde - genau das tut das Fondsmanagement. Doch die Studie führt vor Augen, daß die Börsen im Nahen Osten nüchterner betrachtet werden sollten als in der Vergangenheit.

Der „JP Morgan Middle East Equity Fund“ scheint in einem Marktumfeld, das große Herausforderungen vor sich hat, gut aufgestellt zu sein. Dem türkischen Markt wird immer noch Wachstum zugetraut (siehe auch: IS Investment traut der türkischen Börse ein Plus von 20 Prozent zu), die Telekomwerte versprechen weitere Gewinne. Doch der Anleger darf nicht darauf vertrauen, daß sich der Wert seiner Anteile auch in Zukunft wie selbstverständlich vervielfacht. Diese Zeiten dürften wohl vorbei sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @bemi
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