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Aktienfonds Höhenflieger aus Edinburgh hängt Konkurrenz ab

29.01.2006 ·  Mit seinem Global Opportunities Fund eilt Andrew Dalrymple der Konkurrenz seit Monaten weit voraus. Der Fondsmanager von First State setzt nicht auf große Titel, sondern auf relativ unbekannte Namen. Die Benchmark ist ihm egal.

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Wer in den vergangenen Jahren nach einem herausragend laufenden, weltweit investierenden Aktienfonds gesucht hat, ist am First State Global Opportunities Fund nicht vorbeigekommen. Das von Andrew Dalrymple betreute Produkt eilt der Konkurrenz seit vielen Monaten weit voraus. Seit seiner Markteinführung im August 1999 hat der Fonds einen Wertzuwachs von mehr als 125 Prozent erwirtschaftet. Allein im vergangenen Jahr verbuchte er einen Kursgewinn von gut 61 Prozent - der nächst beste Wettbewerber brachte es auf 55 Prozent.

Der Fondsmanager des australisch-britischen Finanzdienstleisters First State setzt nicht auf große Titel. Vielmehr setzt er auf relativ unbekannte Namen. Die Kandidaten für seinen rund 50 Titel umfassenden Fonds sucht er von seinem Büro im schönen schottischen Edinburgh aus. Und seine Benchmark, der MSCI World, ist ihm egal. „Ich halte nicht viel von relativer Performance zu einem Index, sondern will absolute Performance erreichen, also positive Erträge“, sagt er im folgenden FAZ.NET-Interview, in dem er seinen Investmentstil ebenso erläutert wie seine Zuversicht, auch weiterhin herausragende Anlageergebnisse zu liefern. Nicht zuletzt nennt er bevorzugte Einzelaktien.

Der First State Global Opportunities ist zu etwas mehr als 40 Prozent in Nordamerika investiert, knapp 30 Prozent entfielen Ende Dezember auf Aktien aus dem asiatisch-pazifischen Raum, der Indien und Korea einschließt, gut 22 Prozent auf japanische Papiere. 3,5 Prozent des Fondsvolumen waren auf Kontinentaleuropa verteilt und jeweils 2 Prozent auf britische Aktien sowie Barmittel. Bei den Branchen machen Finanz- und Industrietitel mit jeweils rund 20 Prozent die größten Anteile aus, Telekom-Dienstleister sind mit zwei Prozent die kleinste Sparte. Die größten Einzelwerte sind Korea Investment mit 3,5 Prozent, Ultra Petroleum mit 2,4 Prozent sowie Build-a-Bear, Asahi Glass, Aeon Credit Service und Evergreen Solar mit jeweils 2,2 Prozent.

Ihr Fonds läuft der Konkurrenz deutlich voraus...

...im Moment - vielleicht.

Sie sind bescheiden: Dieser „Moment“ dauert nun schon Monate an.

Ok, das stimmt (lacht).

Aber sind Sie vielleicht so zurückhaltend, weil Sie eine schlechtere Performance bei ihrem Fonds voraussehen?

Nein, das nicht. Aber es gibt auch im Fondgeschäft mal Schönwetterperioden, wenn alles wie gewünscht läuft, und mal Schlechtwetterperioden. Wenn man Geld weltweit anlegt, kann nicht dauernd alles wie geplant funktionieren. Aber ich mag es sehr, diesen Fonds zu betreuen. Er ist wirklich global ausgerichtet. Regionen und Branchen, von denen wir besonders viel halten, haben ein entsprechend großes Gewicht im Portfolio.

Und welche Regionen und Branchen sind das?

Der Fonds ist weiterhin fokussiert auf Asien, Japan und Nordamerika. Da hat sich seit dem jüngsten Bericht zur Dezember-Bilanz nichts wesentliches geändert.

Gemäß ihres Dezember-Berichts entfallen mehr als 40 Prozent des Fondsvolumens auf Nordamerika. Sind damit die Vereinigten Staaten und Kanada gemeint oder nur die Vereinigten Staaten?

Beide Staaten. Ich habe derzeit zwei kanadische Aktien im Portfolio. Eine davon ist Western Oil Sands, Calvalley Petroleum die andere. Bei diesen Titeln handelt es sich jeweils um Ölwerte. Diese Unternehmen kümmern sich um die Suche nach Öl und die Förderung desselben. Sie machen etwa vier Prozent des Fonds aus. Derzeit macht Nordamerika etwa 44 Prozent des Portfolios aus.

Also haben Sie seit Ende Dezember Geld nach Nordamerika umgeschichtet. Dabei ist zumindest der Markt in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Monaten gar nicht gut gelaufen...

Genau aus diesem Grund: Der Dow Jones und der S&P 500 haben im vergangenen Jahr keine großen Erträge geliefert. Diese Märkte sind aus meiner Sicht nicht teuer, und es gibt eine Fülle interessanter Unternehmen, die mich als Investor ansprechen.

Können Sie Namen nennen?

Von den großen Namen habe ich Apple Computer gekauft. Gerade der I-Pod hat sich besser entwickelt als viele Marktbeoachter erwartet haben. Und die Aktie ist in den jüngsten vier Monaten gut gelaufen, auch wenn sie zuletzt einen Rücksetzer hat hinnehmen müssen. Andererseits setze ich auch auf Nischenspieler, hochspezialisierte Firmen wie die LKQ Corporation.

LKQ Corporation? Nie gehört. Was macht diese Firma denn?

Wundert mich nicht, daß Sie das Unternehmen nicht kennen. Das geht vielen so. Also, die Firma kauft bei Auto-Auktionen alte Fahrzeuge, zerlegen diese und verkaufen die Einzelteile weiter an Firmen, die Autos mit technischen Defekten oder Unfallfahrzeuge reparieren. In den Vereinigten Staaten sparen Kraftfahrer einen Teil ihrer Versicherungsprämie, wenn sie gebrauchte Teile einbauen lassen. Das kommt auch für die Versicherungen günstiger. LKQ Corporation verdient damit gutes Geld und wächst zudem durch Akquisitionen.

Wie haben Sie diesen unbekannten Titel gefunden?

Ich tendiere grundsätzlich zum nordamerikanischen Markt und „jage“ gerne unter den kleinen und mittelgroßen Aktiengesellschaften mit einer Marktkapitalisierung zwischen einer Milliarde und zehn Milliarden Dollar. Dabei arbeite ich mit zwei Börsenmaklern zusammen, die auf wachstumsstarke mittelgroße Firmen spezialisiert sind. Auf die LKQ Corporation bin ich 2004 gestoßen, seit Mitte vergangenen Jahres ist der Titel im Fonds. Seitdem ist die Aktie um rund 54 Prozent gestiegen.

Angesichts der Fonds-Performance muß eine ganze Reihe von Aktien solche Wertzuwächse aufweisen, oder?

Um ein Beispiel zu nennen, das deutschen Anlegern näher liegt. Ich hatte Solarworld im Portfolio. Die Aktie hatte ich zu 15 Euro je Anteilsschein gekauft und habe die Position im November bei 117 Euro abgestoßen. Leider, muß ich aus heutiger Sicht sagen. Denn die Aktie ist derzeit mehr als 160 Euro wert. Aber das konnte ich nicht vorausahnen. Ein wenig bekannter, aber sehr gut laufender kanadischer Titel ist Ritchie Bros Auctioneers. Dieses Unternehmen befaßt sich mit Auktionen von Großgeräten wie Bulldozern, Kränen und anderen Baufahrzeugen. Wenn ein Minenkonzern ein Projekt angeht, kann es bei Ritchie Bros die benötigten Maschinen kaufen, und wenn es fertig ist, die Geräte wieder durch das Unternehmen versteigern lassen. Das ist ein riesiger Markt mit einem weltweiten Volumen von 100 Milliarden Dollar. Richtie Bros machen einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Dollar. Das Unternehmen fängt gerade an, sich Asien, Europa und den Nahen Osten zu erschließen.

Wie Sie selbst gesagt haben, mögen Sie Asien und Japan. Dabei setzen Sie nicht wie viele andere Fonds auf große Namen, sondern vor allem auf unbekannte Aktien. Ist das ein Teil des Erfolgsgeheimnisses?

Ich führe schon große Namen im Portfolio, außer Apple auch Goldman Sachs und Samsung Eelectronics. Ich gehe überall hin, wo es Geld zu verdienen gibt. Allerdings glaube ich auch, daß ich sehr lohnende Investments finde, wenn ich unterhalb der Ebene der Schwergewichte suche. Das hat einen ganz einfachen Grund: Die großen Unternehmen werden von Analysten sehr genau untersucht. Da ist die Chance geringer, auf eine positive Überraschung zu stoßen, als wenn ich unter mittleren und kleineren Firmen nach hochwertigen Wachstumsgeschichten suche.

Welche Rolle spielt Ihre Benchmark, der MSCI World, für Sie?

Wir verfolgen einen Stockpicking-Ansatz, sehen uns also Unternehmen an. Die Benchmark interessiert mich nicht so sehr. Denn ich halte nicht viel davon, eine relativ bessere Performance als der Index zu erzielen. Ein Anleger hat nämlich nichts davon, wenn der Index deutlich fällt und der Fonds nur weniger deutlich. Mich interessiert absolute Performance. Ich möchte mithin einen positiven Ertrag erzielen.

Nun beschwören Strategen das Ende der Nebenwerte-Rally und meinen, nun seien die Großen dran. In der amerikanischen Biotech-Branche war das 2005 schon der Fall. Folgt daraus nicht ein erhebliches Risiko, das Sie eingehen, oder sagen Sie: „Ich ein so guter Stockpicker solche Bedenken interessieren mich nicht.“

Ich achte immer sehr darauf, solch arrogante Sachen nicht zu sagen. Im übrigen stecken nur 20 Prozent des Fondsvolumens in Titeln mit einem Börsenwert unter einer Milliarde Dollar. Aber wenn der Markt bei mittleren und kleineren Unternehmen deutlich unter Druck geraten oder schlechter abschneiden würde als die Riege der großen Namen, dann würde ich einen Teil des Fondsvolumens umschichten oder vielleicht defensivere Titel etwa aus dem Konsumgütersektor hereinnehmen. Wir haben Analysten, die eine Liste mit Konsumgütertiteln in der Schublade haben, die sie mögen und die ich aus ihrer Sicht in den Fonds aufnehmen sollte. Ich werde sicher nicht stur an Aktien festhalten, die sich für den Fonds nicht mehr auszahlen. Ich sehe aber noch keinen Anlaß, entsprechend zu handeln.

Lassen Sie uns einen Blick in den Fernen Osten werfen. Nach der jüngsten Fondsmanager-Umfrage von Merrill Lynch und dem Investor Confidence Index von State Street sind Anleger in der Breite sehr „bullish“ für Japan gestimmt. Verbindet sich damit nicht ein erhebliches Risiko, daß die Kurse wieder fallen oder zumindest nicht mehr deutlich steigen könnten?

Das ist ein wichtiger Punkt. Wenn es so wäre, daß alle wesentlichen Investoren schon in Japan engagiert sind, dann hätte ich große Bedenken. Ich glaube aber nicht, daß schon jeder Geld nach Japan getragen hat. Gleichwohl mag das leichte Geld schon verdient sein. Aber: Nach jüngsten, mir bekannten Erhebungen haben 30 Prozent der amerikanischen Fondsmanager den japanischen Aktienmarkt übergewichtet. Anders gesagt: Bei 70 Prozent ist das bisher nicht der Fall. Daraus folgt Potential. Was aber noch wichtiger ist: Die Summe der Sparvermögen in Japan ist riesig - aber die Zinsen sind nahe Null. Da ist im Nikkei erheblich mehr zu holen.

Sie glauben also, daß Japaner selbst verstärkt in japanische Aktien investieren werden?

Die ersten Anzeichen sprechen dafür. Unter Japanern nimmt die Bereitschaft zu, wieder mehr Risiko ins Portfolio aufzunehmen.

War der mutmaßliche Bilanzskandal um die Internetfirma Livedoor nur ein kurzes Störfeuer?

Ja, ganz sicher. Denn nach aller Erfahrung haben solche Vorfälle keine nachhaltig negativen Folgen und stellen Kaufgelegenheiten dar. Das zeigt sich in Japan auch: Der Nikkei ist ja wieder nach oben gelaufen und hat ein Fünfjahreshoch erreicht.

Der beste Markt des vergangenen Jahres war Korea, zumindest gemessen am durchschnittlichen Anlageerfolg von Aktienfonds. Wird der Kospi-Index weiter nach oben laufen?

Ich denke schon, und zwar nicht nur wegen Samsung, das mehr als internationaler Wert als ein Korea-Spiel im eigentlichen Sinne ist. Ähnlich wie in Japan investieren Einheimische verstärkt in koreanische Aktien. Und der Markt ist nicht teuer. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für dieses Jahr liegt in etwa bei neun. Für Korea ist das zwar nicht billig, aber im internationalen Vergleich schon.

Korea Investment ist der Top-Wert in ihrem Fonds. Wie stark ist der Global Opportunities Fund insgesamt in Korea engagiert?

Ich habe einige Aktien im Portfolio gehabt, die sehr gut gelaufen sind. Aber um ehrlich zu sein: Insgesamt habe ich nicht sehr stark auf Korea gesetzt. Ich habe dort zwar schöne Anlageerfolge erzielt, aber nicht soviel Geld verdient, wie ich hätte verdienen sollen. Maximal waren acht bis neun Prozent des Fondsvolumen in diesem Markt.

Steigen Sie nun stärker ein?

Nein, ich denke nicht. So gut wie 2005 wird Korea nicht mehr laufen. Und wenn man einen weltweit anlegenden Fonds managt, muß man es akzeptieren, nicht überall gleichzeitig sein und nicht alle attraktiven Spiele mitmachen zu können. Ich versuche, die meisten davon abzudecken. Für unseren Fonds suche ich stets nach rund 50 Unternehmen, die attraktiv erscheinen, profitabel sind und am besten in einer Nische auf längere Sicht stark wachsen dürften.

Warum haben so wenig Geld in Europa und Großbritannien investiert - mögen Sie diese Regionen nicht?

Doch, schon. Aber mag ich Deutschlands Aktienmarkt lieber als den koreanischen oder den indischen? Das ist nicht der Fall, wie sich am Portfolio ablesen läßt. Zudem gilt hier das gleiche für für Korea: Ich kann nicht alles abdecken. Dessenungeachtet hatte ich außer Solarworld auch Continental im Portfolio. Und Puma ist weiter im Fonds. Von diesem Titel verspreche ich mir noch einiges.

In der Vergangenheit haben Sie mit ihrem Fonds sowohl die Konkurrenz als auch den MSCI World deutlich abgehängt. Glauben Sie, diesen Trend fortschreiben zu können?

Nun, ich bin nicht die Vorsehung - aber ich denke schon. Eines ist mir wichtig: Wie gesagt verfolge ich den Absatz, absolute Erträge zu erzielen. Wer dagegen einen Fonds erwartet, der sich am Index orientiert, der sollte ihn nicht kaufen. Damit ist aber das Risiko verbunden, daß ich auch einmal Pech haben kann - so wie vergangenes Jahr in Indien, als der Markt innerhalb kürzester Zeit um ein Fünftel fiel. Andererseits sehe ich nicht, warum unser Ansatz auf längere Sicht nicht weiter zu deutlichen Mehrerträgen führen sollte.

Halten Sie selbst Anteile am First State Global Opportunities Fund?

Ja natürlich, und zwar eine Menge. Zum einen glaube ich an den Fonds und an mich. Zum zweiten erachte ich es als grundsätzlich notwendig, daß Fondsmanager ihren Fonds im eigenen Portfolio haben. Das eigene Geld sollte auch dort sein, wo sich der eigene Verstand drinsteckt.

Die Fragen stellte Thorsten Winter

Quelle: @thwi
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