20.01.2009 · Obwohl das allgemeine Zinsniveau immer weiter zurückgeht, locken Aktienanleihen mit Kupons von mehr als 10 Prozent. Doch diese Wertpapiere bergen Risiken: Viele von ihnen werden derzeit mit im Kurs stark gefallenen Aktien zurückgezahlt.
Von Kerstin PaponAktienanleihen locken mit hohen Zinsen. Kupons von mehr als 10 Prozent sind hier auch in diesen Tagen keine Seltenheit, obwohl das allgemeine Zinsniveau immer weiter zurückgeht. Dies klingt verlockend. Doch die Sache hat einen Haken: Mit dem Kauf dieser Anleihen bekommen Anleger zwar eine feste Kuponzahlung. Sie gehen allerdings - anders als es der Name vielleicht vermuten lässt - nicht nur ein Anleihe-, sondern eben auch ein Aktienrisiko ein.
Denn die Wertpapiere beziehen sich auf Aktien (Basiswert) und werden am Ende der Laufzeit entweder in bar oder aber in Aktien zurückgezahlt. Zudem sind sie Schuldverschreibungen der Bank wie andere Derivate auch. Deren gute Bonität ist daher wichtig, sonst riskieren Anleger, im Falle einer Insolvenz, leer auszugehen.
Spätere Kursgewinne sind nutzlos
Aktienanleihen für das breite Publikum gibt es seit dem Ende der neunziger Jahre. Im Aktienboom rund um die Jahrtausendwende lockten sie mit Zinsen von 30, 40 Prozent oder mehr. Doch mit der an den Börsen folgenden Baisse wurde zahlreichen Anlegern eine Eigenheit der Aktienanleihen zum Verhängnis: Im Jahr 2002 wurden plötzlich 90 Prozent der Anleihen mit zum Teil stark im Wert verfallenen Aktien getilgt, da die Rückzahlung dieser derivativen Wertpapiere vom Kurs der zugrundeliegende Aktien abhängt.
Ähnliches droht angesichts der Kurseinbußen an den Börsen nun wieder (siehe Infografik). Denn nur wenn der Aktienkurs zum Laufzeitende mindestens den bei der Emission vereinbarten Basispreis erreicht, bekommt der Anleger die Anleihe zum Nennwert - also zu 100 Prozent - zurückgezahlt. Liegt der Kurs jedoch darunter, erhält der Anleihebesitzer in der Regel eine bestimmte Anzahl von Aktien in sein Depot eingebucht. Teilweise werden solche Aktienanleihen auch in bar zurückgezahlt. Die Verluste werden realisiert. Spätere Kursgewinne nützen dann nichts mehr.
Ebenfalls schlecht: Haussierende Märkte
Kursverluste werden nur bis zur Höhe des Zinskupons abgefedert. Aktienanleihen sind insofern vor allem für seitwärts tendierende und allenfalls leicht fallende Kurse geeignet. Schlecht für ihre Besitzer sind auch haussierende Märkte. Denn steigen die Notierungen, nimmt der Anleger an diesen Kursgewinnen überhaupt nicht teil. Er bekommt maximal das eingesetzte Kapital zuzüglich der Zinsen.
Im vergangenen Jahr - Indizes wie der Dax haben gut 40 Prozent an Wert verloren, Einzelaktien noch deutlicher - wurden beim Marktführer Sal. Oppenheim bereits etwa drei Viertel der klassischen Aktienanleihen in Aktien getilgt. Im Jahr davor war es gerade mal ein Fünftel. Christopher Maaß von Sal. Oppenheim rechnet in diesem Jahr mit einem noch höheren Anteil der Aktientilgungen, da sich der Effekt gefallener Kurse wegen der Laufzeit der Anleihen verzögert auswirke. Der Grund: Durch die Einführung der Abgeltungssteuer hatte man viele Papiere über den Jahreswechsel hinaus laufen lassen.
Auch hier gilt die Abgeltungsteuer
Alle Derivate unterliegen nun gleichermaßen der Abgeltungsteuer von 25 Prozent, zuzüglich des Solidaritätszuschlags und der Kirchensteuer. Bislang waren Aktienanleihen als „Finanzinnovationen“ steuerlich schlechter gestellt als die meisten anderen Zertifikate. Sie standen daher im Schatten der beliebten Discount-Zertifikate, die in ihrer Wirkungsweise ähnlich sind. Mit ihnen erwerben Anleger einen Basiswert mit einem Abschlag (Discount) und sind insofern gegen leichte Kursverluste geschützt. Auch hier kommt es gegebenenfalls zu Aktienlieferungen.
„Die Deutschen sind Zinssammler, daher sind Aktienanleihen nach dem Wegfall des Steuernachteils wieder interessanter geworden“, sagt Maaß. Die Anleger hätten allerdings aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt. Sie setzten nun auf mehr Sicherheit und damit größere Polster gegen Verluste. Wirklich hohe Kupons mit den entsprechenden Risiken seien kaum noch gefragt, bestätigt auch Michael Lindner von der BHF Bank.
Je stärker die Kurse schwanken, desto höher ist der Zinsertrag
Dabei sollte der Basispreis nicht zu nah am aktuellen Kurs der Aktie liegen, sonst ist zwar der Kupon höher, aber das Risiko der Aktientilgung groß. Dieser Abstand bildet den Risikopuffer. Ein Beispiel: Eine Allianz-Aktienanleihe (Isin DE000SL11DP3) von Sal. Oppenheim hat einen Kupon von 18,25 Prozent, die Laufzeit endet im August. Der Basispreis beträgt 48,27 Euro. Am Montag notierten Allianz mit etwa 64 Euro. Daraus errechnet sich ein Sicherheitspolster von 25 Prozent. Grundsätzlich gilt: Je größer der Puffer ist, desto niedriger der Kupon.
Die Zinskupons der Aktienanleihen speisen sich vor allem aus zwei Faktoren: den Kursschwankungen (Volatilitäten) der zugrundeliegenden Aktien und den Dividendenzahlungen der Gesellschaften. Je stärker die Aktienkurse schwanken, desto höher ist der mögliche Zinsertrag oder aber der Sicherheitspuffer. Ähnlich sieht es mit den Dividenden aus. Derzeit sind die Volatilitäten am Markt überdurchschnittlich hoch, daher sind auch die Kupons höher. Der V-Dax New, der die von den Marktteilnehmern für die kommenden 30 Tage erwartete Schwankungsbreite des Dax angibt, lag am Montag auf rund 45 Prozent. Im Hoch hatte er im Oktober 2008 zwar kurzzeitig 85 Prozent erreicht, doch zuvor waren lange Zeit Werte um die 20 Prozent üblich. Noch sind auch die Dividendenschätzungen attraktiv, die in den Anleihen eingepreist sind, sagt Lindner. Das könnte sich bei den Neuemissionen im Jahresverlauf ändern.
Häufigste Basiswerte: Allianz, Deutsche Bank, Daimler und Siemens
Wie überall, heißt es auch hier: Je höher der Kupon, desto höher ist auch das Risiko. Daher bieten Aktienanleihen die sich auf zwei oder sogar drei Aktien beziehen, Multiaktienanleihen, in der Regel höhere Zinsen als einfache Varianten. Sie wurden aber von Sal. Oppenheim zum Beispiel schon im Jahr 2008 fast ausschließlich in Aktien getilgt, denn hier zählt die schlechteste Aktie.
Im gesamten Zertifikatemarkt nehmen Aktienanleihen nur einen kleinen Teil ein. Nach Schätzungen des Deutschen Derivate Verbandes ist hierzulande nur ein Prozent des in Zertifikaten angelegten Geldes in Aktienanleihen investiert. Mehr als 400.000 verschiedene Derivate gibt es inzwischen - darunter etwa 14.000 Aktienanleihen.
Am beliebtesten unter Anlegern sind klassische Aktienanleihen auf Dax-Werte. Besonders viele Produkte gibt es auf Allianz, Deutsche Bank, Daimler und Siemens. Auch Aktienanleihen mit zusätzlichen Schutzmechanismen sind gefragt. Berührt hier der Basiswert niemals während der Laufzeit eine bestimmte Kursschwelle (Barriere), dann bekommt der Anleihenbesitzer den Nennwert - unabhängig davon, wie das Kursniveau zuletzt aussieht. Ein solcher Schutz geht freilich zu Lasten der Kuponhöhe.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |