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Aktien Volatilität über dem langjährigen Durchschnitt

30.07.2007 ·  Der Dax konsolidiert und hat sich knapp neun Prozent vom Allzeithoch entfernt. Optisch scheint vieles für eine Kurserholung an den Börsen zu sprechen. Allerdings ist einiges anders, als in den Korrekturen der vergangenen Monate.

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Blicken Anleger nach den deutlichen Kursverlusten der vergangenen Tage an den internationalen Börsen auf die vergangenen Jahre zurück, so könnten sie rasch geneigt sein, einen Vergleich mit ähnlichen Kursrückschlägen zu ziehen und zum Kauf zu blasen.

In der Vergangenheit hat sich das gelohnt, stellten Kursrückschläge doch günstige Kaufgelegenheiten dar. Allerdings gibt es gewisse Zweifel, ob das auch diesmal so sein wird. Auf der einen Seite sehen zwar die Charts bisher vergleichbar aus. Auf der anderen Seite gibt es jedoch einige Dinge, die sich inzwischen verändert haben oder die sich in den vergangenen Monaten unterschiedlich entwickelten als in den Korrekturen zuvor.

VDax - dynamische Aufwärtsbewegung, statt kurzem Impuls

Das zeigt sich alleine schon an der Entwicklung der unterschiedlichen Volatilitätsindizes. Während der VDax in den vergangenen Korrekturen plötzlich jeweils von einem tiefen Niveau aufgrund der unerwarteten und plötzlichen Kursverluste nach oben schoss, um sich danach rasch wieder nach unten zu bewegen, war es in den vergangenen Wochen gerade anders herum.

Denn der Volatilitätsindes läuft praktisch schon seit Jahresbeginn immer weiter nach oben. Das deutet darauf hin, dass „smarte“ Marktteilnehmer das tiefe Volatilitätsniveau ausnutzten und in Erwartung der inzwischen eingetretenen Turbulenzen an den Märkten Optionspositionen aufbauten. Offensichtlich hat dabei die Nachfrage nach Volatilität das Angebot - das unter anderem aus dem immer weiter verbreiteten Leerverkauf von Optionen resultiert - immer weiter überwogen und auf diese Weise den Index nach oben getrieben.

Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass sich die Volatilität nach den Kursverlusten nicht rasch zurückbildet. Gerade das Gegenteil ist der Fall: Kurzfristig läuft sie weiter nach oben. Mit einem Indexstand von 27,25 Prozent erreicht der VDax New am Montag den höchsten Stand seit einem Jahr und den zweithöchsten seit dem Frühjahr des Jahres 2003.

Kurstreiber verlieren an Kraft oder verschwinden

Vielfach wird zwar argumentiert, fundamental habe sich nicht viel verändert und die Aktien seien noch sehr vernünftig bewertet. Solche Aussagen sind jedoch nur bedingt richtig. Denn erstens sind Aktien höchstens dann günstig, wenn die Unternehmen ihre Gewinne weiterhin deutlich steigern können. Daran kann man jedoch angesichts Rekord hoher Margen und einer mittelfristigen Normalisierungstendenz gewisse Zweifel haben.

Gleichzeitig ist inzwischen offensichtlich geworden, dass die Krise am amerikanischen Immobiliemarkt immer weitere Kreise zieht. Sie hat inzwischen die Risikoprämien an den Kreditmärkten deutlich nach oben getrieben. Auf diese Weise kann in letzter Konsequenz die zuvor üppig verfügbare Liquidität für kreditfinanzierte Aktierückkäufe und Firmenübernahmen eingeschränkt werden. Beides hatte vor der jüngsten Korrektur zum Kursauftrieb an den Börsen beigetragen. Solche Impulse dürften künftig fehlen oder wenigstens verhaltener ausfallen als bisher.

Auch die Stimmungsseite rät zu einer gewissen Skepsis: Das Spiel heiße nicht mehr “buy the dips“ sondern “sell the strength“, heißt es. Begründung: Die Anleger seien kurzfristig zwar sehr negativ gestimmt und unterinvestiert. Das spräche zwar theoretisch antizyklisch für Käufe, zumal die mittelfristige Stimmung sehr positiv sei. Allerdings scheine gerade der unveränderte Optimismus in mittlerer Frist die veränderten Rahmenbedingungen noch nicht wahrgenommen zu haben. Insgesamt scheint eine defensive Positionierung nicht das schlechteste zu sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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