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Aktien Dax - noch ist es „nur“ eine „Sommerflaute“

25.07.2007 ·  Der Dax konsolidiert und hat sich fünf Prozent vom Allzeithoch entfernt. Optisch scheint vieles für weitere Kursgewinne an den Börsen zu sprechen. Auf der anderen Seite haben sich gewisse Vorzeichen inzwischen jedoch verändert.

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Noch vor wenigen Tagen sorgte der Dax-Index für positive Schlagzeilen. Denn mit 8.151,57 Zählern hatte er ausgerechnet am Freitag dem dreizehnten Juli ein Allzeithoch erreicht und zumindest gemessen an diesem Index die Kursverluste der vergangenen sieben Jahre aufgeholt.

Das Ereignis wurde von den meisten Marktteilnehmern positiv gewertet. Alleine aus technischer Sicht ist die Wahrscheinlichkeit für weitere Kursgewinne groß, wenn ein Index oder ein Wertpapier in einem robusten Aufwärtstrend in neue „Kurssphären“ vorstößt. Immerhin fallen Kursgewinne in der Regel nicht vom Himmel, sondern sie werden ausgelöst von entsprechenden fundamentalen Entwicklungen.

Optisch scheint vieles für weitere Kursgewinne an den Börsen zu sprechen ...

Diese scheinen auch zunächst tatsächlich für weitere Kursgewinne zu sprechen. Immerhin entwickle sich die Konjunktur in weiten Teilen der Welt trotz der Wachstumsrezession in den Vereinigten Staaten robust und versetze die Unternehmen weltweit in die Lage, Umsatz und Gewinn weiter zu steigern, argumentieren die Wachstumsoptimisten. Aus diesem Grund seien die Aktien vieler europäischer und asiatischer Unternehmen noch günstig, heißt es beinahe unisono. Dabei wird auf Kurs-Gewinnverhältnisse verwiesen, die zumindest optisch im historischen Vergleich oft noch tief sind.

Gerne wird dabei jedoch übersehen, dass gerade diese Kennzahlen durch Veränderungen in der Rechnungslegung nur oberflächlich betrachtet günstig aussehen. Stellt man dagegen auf die von den Unternehmen erzielten Cashflows ab, so sind viele Aktien nicht mehr so günstig wie sie auf den ersten Blick aussehen mögen (siehe: Ist die Bewertung von Aktien anhand des KGV noch zeitgemäß?). Ignoriert wird auch gerne die Tatsache, dass sich die Margen vieler Unternehmen auf Rekordniveau befinden. Das gilt ebenso für das gesamtwirtschaftliche Verhältnis von Unternehmensgewinnen zum Bruttoinlandsprodukt.

Beide Größen tendieren jedoch längerfristig regelmäßig zu einem statistischen Mittelwert zurück. Das dürfte auch in der näheren Zukunft wahrscheinlich sein, zumal sich in Europa konjunkturelle Emündungserscheinungen zeigen. In den vergangenen Tagen und Wochen kam es auch bei einigen Unternehmen zur Enttäuschung hoher Erwartungen und eher ernüchternden Ausblicken. Andere Firmen halten ihre Gewinnausweise je Aktie zumindest optisch hoch: Sie nehmen Kredite auf, um eigene Aktien zurückzukaufen, statt zu investieren. Das deutet erstens nicht gerade auf einen anhaltenden Wirtschaftsoptimismus hin und ist zweitens längerfristig auch nicht durchzuhalten.

Bei vielen Firmen dürften die Gewinne alleine schon aufgrund der hohen Energie- und Rohstoffkosten unter Druck geraten. In einem Umfeld mit steigenden Inflationserwartungen kann es zudem zu steigenden Löhnen und damit zu abnehmender Produktivität kommen. Insgesamt dürfte es kaum verwunden, wenn Fondsmanager wie Thomas Braun von Braun, von Wyss & Müller schon Ende Mai argumentierten: „Die Märkte sind eher teuer als günstig“.

... allerdings gibt es auch einige kritische Zeichen

Ob das Rekordniveau am Freitag dem dreizehnten ein schlechtes Omen war, wird sich erst noch zeigen müssen. In den vergangenen Tagen ging der Dax zumindest in eine Konsolidierungsphase über und hat sich inzwischen immerhin rund fünf Prozent vom Allzeithoch entfernt. Bisher ist das noch kein Beinbruch, denn noch ist der Aufwärtstrend nicht gebrochen und gleitende Durchschnitte sind noch weit entfernt. In der Zwischenkorrektur des vergangenen Jahres ist der Dax leicht unter die 200-Tageslinie gefallen. Sie liegt gegenwärtig bei etwas mehr als 7.000 Punkten und damit knapp zehn Prozent unter dem gegenwärtigen Niveau.

Spätestens wenn sie erreicht werden sollte, wird es kritisch. Vorher dürfte die Versuchung der Marktteilnehmer groß sein, nach der Sommerpause mit zwischenzeitlichen Korrekturansätzen die bekannten Trends wieder „zu spielen“. Sie bedeuteten die Wiederaufnahme der Carry Trades, und die Bevorzugung europäischer und von Schwellenländeraktien. Bisher ging das immer gut, dürfte das Motto lauten.

Auf der anderen Seite haben sich gewisse Vorzeichen inzwischen jedoch schon verändert. Die Trends sind schon weit gelaufen, die Zinsen sind vielfach gestiegen und die Nervosität, die von den amerikanischen Kreditmärkten ausgeht, kann in letzter Konsequenz zu einer Verknappung der verfügbaren Liquidität führen. Spätestens dann dürfte eine deutliche Korrektur kaum überraschen. Daran glauben gegenwärtig zwar nur wenige. Genau das könnte aber zu raschen, massiven Kursverlusten führen, sollten sie ihre Meinung ändern - aus welchen Gründen auch immer.

In diesem Sinne dürfte es nicht die schlechteste Strategie sein, Werte zu meiden, die auch nur im Entferntesten mit den angelsächsischen und spanischen Immobilienmärkten und im weiteren mit der amerikanischen Konjunktur zu tun haben. Dazu zählen die entsprechend exponierten Finanzwerte genauso, wie Immobilien- und Hausbauunternehmen und ihre Zulieferer. Denn die Wahrscheinlichkeit für Wachstumsenttäuschungen in den Vereinigten Staaten ist groß.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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