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Agrarzertifikate Der Bauer und sein geldwerter Charme

Landwirtschaft ist derzeit ein Trendthema, und das nicht nur bei Bauern. Auch Anleger haben den Agrarbereich für sich entdeckt. Banken reagieren mit der Ausgabe von Zertifikaten. Nicht alle sind ein Renner.

© dpa Mit Landwirtschaft verdienen nicht nur Bauern Geld

Landwirtschaft ist derzeit ein Trendthema, und das nicht nur bei Bauern. Auch Anleger haben den Agrarbereich für sich entdeckt, nachdem dort steigende Preise steigende Renditen versprechen. Weizen etwa ist derzeit so teuer wie selten zuvor, und an kaum einem Supermarktkunden sind die kräftigen Preissteigerungen bei Milchprodukten spurlos vorbeigegangen. Der Stuttgarter Vermögensverwalter Georg Thilenius rät: „Wer einen weiteren Anstieg der Lebensmittelpreise erwartet, sollte Aktien von Zulieferern landwirtschaftlicher Betriebe kaufen. Damit lässt sich ein Teil des Nahrungsmittelpreisanstiegs ins Depot umleiten.“

Dass die Preise weiter steigen, davon ist der Finanzprofi überzeugt. „Auf den Agrarmärkten ist die Lage etwa so, als ob sich die Preise für ein Barrel Öl schon vom langjährigen Durchschnitt von 20 Dollar auf 40 Dollar verdoppelt hätten, aber noch sind sie weit entfernt von den heute fast 100 Dollar“, sagt Thilenius. Der Preisanstieg der Lebensmittel werde zwar langsamer, aber kontinuierlicher verlaufen als der Anstieg der Rohölpreise seit 1998. „Für Ölpreise lassen sich in der Vergangenheit Auf- und Abwärtszyklen über 18 Jahre hinweg feststellen. Für Agrarrohstoffe erwarte ich sogar einen Anstieg über einen noch längeren Zeitraum als 18 Jahre“, sagt Thilenius.

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Die Finanzindustrie hat Agrar für sich entdeckt

Die steigende Nachfrage nach Agrarprodukten ist der Finanzindustrie nicht verborgen geblieben. Man muss nicht unbedingt in die KTG Agrar AG investieren (was sich auch nicht empfohlen hätte, weil die „erste deutsche Bauernhofaktie“ seit ihrem Börsengang Mitte November zeitweise rund 40 Prozent eingebrochen ist), um an dem Boom teilzuhaben. Banken legen inzwischen reichlich Zertifikate auf, also Aktien- oder Rohstoffkörbe, die bis zu 40 Titel fassen.

Infografik / Vom Saatkorn bis zum Traktormotor (Teil 1) © Scope Vergrößern

Die Ratingagentur Scope hat jetzt in einer Studie zwölf dieser Zertifikate unter die Lupe genommen. Das Ergebnis fiel gemischt aus, weiß Analyst Sasa Perovic: „Die Bewertung der Produkte ergab ein recht heterogenes Bild - vom AA für die besten Produkte bis hin zum BB+ war alles dabei.“ Das Investmentrating AA entspricht der Einschätzung „sehr hoch“, während BB nur noch einer „leicht erhöhten“ Qualität gleichkommt.

Auf Agrarrohstoffe setzen? Oder lieber auf Unternehmen?

Wenn Anleger Landwirtschaft via Zertifkat im Depot haben wollen, eröffnen sich ihnen zwei Möglichkeiten. Die einen Zertifikate lassen ihre Besitzer an der Entwicklung von Rohstoffindizes teilhaben. So setzt sich beispielsweise der GSCI Agriculture Index aus Agrarprodukten zusammen wie Weizen, Mais, Sojabohnen, Zucker oder Kakao. Zum Rogers Index gehören auch „Rohstoffe“ wie Fisch, Kautschuk, Orangensaft und Rinder.

Einen anderen Ansatz verfolgt die zweite Art von Zertifikaten. Sie beinhalten vor allem Unternehmen, die im Agrarbereich tätig sind. Ein Papier etwa basiert auf dem Spezialindex Dax Global Agribusiness. Darin sind Firmen gelistet, die mindestens zur Hälfte dem Landwirtschaftssektor zuzuschlagen sind - von der Lebensmittelproduktion über die Agrarchemie zum Traktormotorenhersteller.

Im Scope-Test schnitten die auf Firmen basierenden Papiere durchschnittlich besser ab. „Zum einen haben sich die entsprechenden Märkte besser entwickelt, zum anderen bieten sie oft eine güstigere Gebührenstruktur“, sagt Finanzexperte Perovic. Die Aktienkörbe seien meist global aufgestellt und damit gut diversifiziert. Außerdem profitiere der Anleger von der Wiederanlage der Dividenden. „Ein Direktengagement in Rohstoffe erfordert ganz klar eine höhere Marktkenntnis und eine stärkere Risikobereitschaft“, warnt der Scope-Analyst.

Performance bis zu 15 Prozent

Allerdings ist auch bei Unternehmenszertifikaten Vorsicht angesagt. Anleger sollten genau hinschauen, ob sie dabei nicht „Fremdkörper“ mitkaufen, die mit dem Thema Agrar wenig zu tun haben. „Der Anleger kauft irgendeinen Mix und kann in solchen Fällen auch keine Vergleiche mehr mit der Entwicklung anderer Agrarinvestments anstellen“, sagt Perovic.

Zu den besten der zwölf von Scope bewerteten Produkte gehören Zertifikate von ABN Amro und der DWS. Bezogen auf die Wertentwicklung haben sich die Papiere der Société Générale und von Goldman Sachs sehr erfolgreich geschlagen. Anleger konnten sich dabei im 90-Tage-Vergleich über Zuwächse von rund 15 Prozent freuen. Mit anderen Produkten waren im schlechtesten Fall auch Verluste von fünf Prozent drin.

Quelle: @tih

 
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