08.12.2009 · Kreditverbriefungen (ABS) zählen zu den Auslösern der Finanzkrise. Fonds, die in diese Papiere investieren, zeigen wieder hohe Renditen.
Von Christian Hiller von GärtringenABS-Fonds standen am Anfang der Finanzkrise und zählten zugleich zu ihren ersten Opfern. Als „toxische Wertpapiere“ gebrandmarkt, brach erst der Markt für Asset Backed Securites (ABS) zusammen. Dann verschwanden viele Fonds, die in diese Papiere investierten. Nun feiern die übrig gebliebenen ABS-Fonds fröhliche Wiederkehr. Der beste und zugleich der größte Fonds unter ihnen, der W&W Asset Backed Securities, weist für die vergangenen sechs Monate eine Rendite von knapp 160 Prozent aus.
Auch wenn die hohen Verluste vieler dieser Fonds vorerst Vergangenheit sind, eines bleibt: Anleger, die in ABS-Fonds investieren, sollten sich der Risiken solcher Konstruktionen bewusst sein. „Niemand will sich an toxischen Papieren die Finger schmutzig machen“, sagt Gerd Bennewirtz, geschäftsführender Gesellschafter der Vermögensverwaltung SJB Fonds Skyline in Korschenbroich bei Düsseldorf. „Die ersten Investmentgesellschaften nutzen das und bieten den Anlegern Investmentfonds zur Entsorgung an.“
Die verheerende Innovation
So brachte die amerikanische Fondsgesellschaft Blackrock Ende Oktober den Fonds BSF Fixed Income auf den deutschen Markt, der über jeweils drei Jahre positive Erträge erzielen soll. Dazu investiert der Fonds laut Mitteilung „weltweit und flexibel über die ganze Breite des Anleihe-Universums“, nicht nur in Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen, sondern auch in Asset Backed Securities, Mortgage Backed Securities (MBS) und Terminmarktinstrumente.
In den Jahren nach der Jahrtausendwende zählten ABS-Fonds zu den großen Innovationen der deutschen Fondsbranche, die dem Anleger eine Extrarendite bringen sollten. Frankfurt Trust, Union Investment, DWS, BNP Paribas, Allianz Pimco, Cominvest, HSBC Trinkaus und viele andere legten Fonds auf, die in jene Verbriefungen investierten, mit denen die Banken Kredite aller Art kapitalmarktfähig machten.
Die Versicherer weisen diesen Konstruktionen die Schuld für die Finanzkrise zu: „Die Alchemie der Verbriefung zählte zu den wesentlichen Ursachen der Finanzkrise und die Folgen waren billionenschwere Rettungspakete weltweit“, sagt Jörg von Fürstenwerth, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).
Erholung nach Zusammenbruch
„Der Struktur nach handelt es sich um Derivate, also um Verbriefungen, die von einem primären Gläubiger-Schuldner-Verhältnis abgeleitet wurden“, erklärt Bennewirtz. „Nur solange dieses primäre Verhältnis intakt ist, also beispielsweise eine Hypothek zuverlässig abbezahlt wird, besitzt die Schuldverbriefung einen abgeleiteten Wert.“ Ist es nicht mehr intakt, weil der Schuldner oder die verbriefende Bank zahlungsunfähig ist, wird das ABS-Papier wertlos. Das ist häufig geschehen.
Nach ihrem heftigen Kurseinbruch - zeitweise war der Handel mit ABS-Papieren zum Erliegen gekommen - hat sich dieses Marktsegment etwas erholt. Allerdings trauen sich nur noch wenige Emittenten auf den ABS-Markt. So brachte Volkswagen Leasing kürzlich eine ABS-Emission, die mit Autoleasing-Krediten besichert ist, oder die britische Bank HBOS, Teil der Lloyds Banking Group, ABS-Papiere auf den Markt, die mit Hypotheken unterlegt sind.
Schließungen
Angesichts der schweren Verwerfungen, die dieser Markt im Zuge der Finanzkrise erlitt, zog die DWS, Deutschlands führende Investmentgesellschaft, ihren verlustreichen ABS-Fonds aus dem Verkehr. Anders als beispielsweise Frankfurt Trust oder Union Investment ließ die DWS ihren ABS-Fonds stets geöffnet. Durch Mittelabflüsse und Wertverluste ist der Fonds von einem Volumen von 3,1 Milliarden Euro im Jahr 2007 auf zuletzt knapp 30 Millionen Euro geschrumpft.
Den Anfang machte im Jahr 2007 die Fondsgesellschaft Frankfurt Trust, die zum Einflussbereich des Bankhauses Sal. Oppenheim gehört, das derzeit im Konzern der Deutschen Bank aufgeht. Frankfurt Trust schloss zunächst vorübergehend ihren Fonds FT ABS Plus. Als sie diesen nach gut einem Jahr im August 2008 wieder öffnete, stürzte der Anteilspreis um rund 30 Prozent. Das Produkt von Frankfurt Trust kam schon zur Unzeit auf den Markt, Anfang Dezember 2000, wenige Monate bevor die Internet-Spekulationsblase an den Finanzmärkten platzte.
„Ein sehr voraussetzungsreiches Geschäft“
Das Modell der ABS-Fonds, die jetzt noch am Markt sind, hat sich stark geändert. Jetzt spekulieren die Fondsmanager vor allem darauf, dass die bisher stark unterbewerteten ABS-Papiere wieder an Wert gewinnen. Allerdings sollten nur erfahrene Anleger einsteigen, die größere Risiken auf sich nehmen können. „Der seriöse Umgang mit ABS, MBS, CDO und Co. ist ein sehr voraussetzungsreiches Geschäft“, warnt die Vermögensverwaltung SJB. „Ein Totalverlust ist, wie die Geschichte zeigt, auch bei anleiheähnlichen Papieren keineswegs ausgeschlossen.“
Schon die ursprünglichen Pakete von Verbriefungen seien undurchschaubar gewesen. Das habe sich nicht gebessert, im Gegenteil: „Die derzeitige Marktsituation ist komplett unübersichtlich“, beklagt Bennewirtz. Alte und neue Schuldtitel kehrten neu gemischt und frisch verpackt auf den Markt zurück als Re-Remic (Resecurizations of Real Estate Mortgage Investments Conduits), als Neuverbriefung von Hypothekengesellschaften. „Wer mittels Recycling toxischer Papiere mit Risikoprämien Geld verdienen will, braucht intime Kenntnisse des Forderungsmarktes“, warnt Vermögensberater Bennewirtz.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |