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Serie Finanzskandale (18): Ivan Boesky : Der Insiderhandel Ivans des Schrecklichen

„Es ist gut, wenn man habgierig ist”: Ivan Boesky, genannt Ivan der Schreckliche, im Jahr 1987 Bild: AP

In kurzer Zeit war der Arbitragehändler Ivan Boesky in den 1980er Jahren zu einem der Strippenzieher an der Wall Street geworden. Mit riskanten Geschäften und illegal beschafften Informationen verdiente er ein Vermögen.

          Im Jahre 1985 sprach Ivan Boesky die Worte, die in die Filmgeschichte eingehen sollten: „Es ist gut, wenn man habgierig ist. Ich glaube sogar, dass es gesund ist, habgierig zu sein. Sie können geldgierig und trotzdem mit sich im Reinen sein“, gab Boesky auf dem Höhepunkt seines Erfolges den Diplomanden der kalifornischen Universität Berkeley mit auf den Weg. Der Mann, den die Presse Ivan den Schrecklichen nannte, wurde als geldsüchtige Wall-Street-Ikone von vielen gehasst, aber von noch mehr Menschen bewundert und nachgeahmt - wie nicht zuletzt seine Vorbildrolle für den Filmcharakter des skrupellosen Börsenmillionärs Gordon Gekko beweist, dem Boeskys Worte im Film „Wall Street“ in den Mund gelegt wurden.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Boesky schämte sich nicht für seinen Ruf als Mensch, der sich allein dem Gewinnstreben verpflichtet fühlt, er kultivierte diesen Ruf sogar. Gerne erzählte er die Anekdote, wie er mit seiner Frau nachts auf den Champs-Élysées flanierte, als sie ihn auf die Schönheit des Mondes hinwies, der auf den Pariser Prachtboulevard schien. „Was will man mit dem Mond, wenn man ihn nicht kaufen oder verkaufen kann“, soll er seiner Frau geantwortet haben.

          Mit dem Vermögen der Schwiegermutter

          Boesky pflegte seinen Mythos als Aufsteiger aus ärmlichen Verhältnissen, der es innerhalb von nur zehn Jahren zur Wall-Street-Legende geschafft hatte. Als Sohn russischer Einwanderer hatte er die Tochter eines reichen Baulöwen geheiratet, der die Verbindung jedoch als nicht standesgemäß ablehnte. Mit 700.000 Dollar, die größtenteils aus dem Vermögen seiner Schwiegermutter stammten, machte er sich in den siebziger Jahren als Arbitragehändler selbständig. Früher war der Job eines Arbitrageurs wenig aufregend gewesen, hatten diese spezialisierten Händler doch nur auf die Kursdifferenzen von Aktien an verschiedenen Börsenplätzen spekuliert.

          Mit der Welle von Firmenübernahmen, die damals zum Ende des Jahrzehnts einsetzte, begann sich das Geschäft jedoch grundlegend zu wandeln: Nun machten die Arbitragehändler riesige Gewinne damit, dass sie die Aktien eines Übernahmekandidaten rechtzeitig kauften und mit einem hohen Kursaufschlag verkauften, wenn der Akquisiteur eine Übernahme-Offerte vorlegte. Boesky galt als König unter den Arbitragehändlern und war an jedem größeren Geschäft beteiligt. In nur wenigen Jahren hatte er aus seinem Startkapital 200 Millionen Dollar gemacht. Er nahm die größten Risiken, hatte ein ausgezeichnetes Gespür für den Markt - und heimste die höchsten Renditen ein. Investoren, die ihm ihr Vermögen anvertrauten, um am lukrativen Geschäft der „Übernahmearbitrage“ zu partizipieren, überschütteten ihn mit Geld.

          Arbeitstage, die selten weniger als 20 Stunden dauerten

          Auch Boeskys Leben entsprach dem eines Filmstars: Er wohnte in einer Kolonialvilla mit Tennisplätzen und mehreren Pools. Jeden Tag ließ er sich mit einer schwarzen Limousine zur Arbeit fahren. Von einer Büro-Suite in der noblen Fifth Avenue verwaltete er sein Imperium. Seine Arbeitstage, die selten weniger als 20 Stunden dauerten, unterstützten seinen Mythos als Personifizierung des amerikanischen Traums: harte Arbeit, viel Geld.

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