11.05.2009 · Die Geschichte der Finanzmärkte ist auch eine Geschichte von Spielern und Hasardeuren. Ihre Geschichten, von denen auf dieser Seite einige der berühmtesten, dreistesten und spektakulärsten erzählt werden sollen, faszinieren und amüsieren - je nach dem Naturell des Betrachters.
Spätestens seit dem Jahr 2000 wissen die meisten Deutschen, wie die Börse funktioniert. Seitdem haben sie sowohl die Licht- wie auch die Schattenseiten mit stellaren Kursgewinnen und dramatischer Wertvernichtung kennengelernt. Doch Börsenpleiten und Schwindler gibt es, seit es Geld gibt.
Immer wieder haben Menschen versucht, auf legalem, halblegalem und illegalem Weg schnell reich zu werden. Ihre Geschichten, von denen in dieser Serie einige der berühmtesten, dreistesten und spektakulärsten erzählt werden sollen, faszinieren und amüsieren - je nach dem Naturell des Betrachters.
Faszinierend sind die Geschichten um Börsenschwindel und -pleiten, aber auch lehrreich. Über Jahrhunderte hinweg verlaufen Katastrophen an den Kapitalmärkten nach einem ähnlichen Drehbuch. Und wer die Handlungsmuster bereits im Voraus kennt, kann sich einige Unannehmlichkeiten ersparen. Vereinfacht lassen sich drei verschiedene Muster feststellen: Pyramidensysteme, sich selbst beschleunigende Erwartungsblasen und Marktmanipulationen.
Anleger der ersten Stunde
Pyramidensysteme - nach einem der wohl bekanntesten und größten Pyramidenbetrüger Ponzi-Spiele (vgl. Serie Finanzskandale: Charles Ponzi und die Postantwortscheine) genannt - sind Schneeballsysteme, bei denen mit den Einzahlungen der Anleger angebliche Gewinne ausgeschüttet werden, die dann wiederum neue Anleger anlocken, aus deren Einzahlungen dann wiederum neue Gewinne ausbezahlt werden. Da in diesen Systemen kein Kapitalstock vorhanden ist, der Gewinne abwirft, erfolgen die Ausschüttungen der Gewinne aus der Substanz und funktionieren nur, solange immer neue Anlegergelder in das System fließen, mit denen dann weitere Ausschüttungen finanziert werden können.
Bei sich selbst beschleunigenden Erwartungsblasen lässt sich nicht immer ein Urheber beziehungsweise Initiator finden. Hier geht es um Vermögensgegenstände, deren Wert im Verlauf einer Blase astronomische Höhen erreicht. Auch hier sind es Gewinne der Anleger der ersten Stunde, die neue Anleger anlocken, deren Käufe dann zu weiteren Kursgewinnen der jeweiligen Vermögensgegenstände führen - ob es sich bei den Vermögensgegenständen um Tulpen, Aktien, Immobilien oder Rohstoffe handelt.
Die Vermögensgegenstände werden von Anleger zu Anleger weitergereicht, zu einem immer höheren Kurs, und alleine die Erwartung weiter steigender Kurse führt zu weiteren Kurssteigerungen.
Gravitationskräfte des Marktes
Sowohl den Erwartungsblasen als auch den Pyramidenspielen ist eines gemeinsam: Diese Systeme sind wie ein Fahrrad - sobald es anhält, fällt es um. Bleiben im Pyramidenspiel die Einzahlungen weiterer Anleger aus, hören die Kurse auf zu steigen. Die Anteilsscheine, die Vermögensgegenstände in der Hand der Anleger, werden zum Schwarzen Peter: Wer sie zuletzt in der Hand hält, hat verloren.
Verloren haben zumeist auch jene, die sich gegen den Markt stemmen und ihm ihren Willen aufzwingen wollten. Bei solchen Marktmanipulationen geht es entweder darum, sich mit illegalen Methoden einen Vorsprung vor anderen Akteuren zu verschaffen oder aber einen engen Markt für Vermögenswerte durch hohen Mitteleinsatz in eine gewünschte Richtung zu manipulieren - notfalls mit Hilfe von Falschinformationen oder durch gezielt plazierte Gerüchte.
Auch wenn dieses Spiel anfangs gutgeht, so sind die Gravitationskräfte des Marktes in der Regel zu stark, als daß man sich ihnen auf Dauer widersetzen kann. Entwickelt sich der Markt erst einmal gegen die eingegangene Wette, so ist das Ende meist rasch in Sicht. Die gehaltenen Positionen werden von Tag zu Tag wertloser, immer mehr Geld wird verbrannt, bis keines mehr da ist. Eines der berühmtesten Beispiele ist die Silberspekulation der Gebrüder Hunt (Serie Finanzskandale: Die Gebrüder Hunt und der Silbermarkt) oder das des Engländers Nick Leeson, der die Barings-Bank ruinierte (Serie Finanzskandale: Nick Leeson und der Untergang der Barings Bank) oder jüngst das des Franzosen Jerome Kerviel (vgl. Serie Finanzskandale: Jérôme Kerviel und die Société Générale).
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |