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Finanzskandale (9): Phoenix Kapitaldienst : Ein Kapitalbetrug legt die Schwächen des Anlegerschutzes offen

  • -Aktualisiert am

Das Ende Bild: picture-alliance/ dpa

Der Fall Phoenix Kapitaldienst wird die Gerichte noch auf Jahre beschäftigen. Der Skandal trifft auch die Bankenaufsicht.

          Der Phönix ist in der griechischen Mythologie ein Vogel, der verbrennt, um aus seiner Asche neu zu erstehen. Unter angehenden Unternehmern ist der Vogel offenbar beliebt. So gibt es die Phoenix AG, Phoenix Pharmahandel, Phoenix Solar AG, Phoenix Contact, Phoenix Technologies, Phönix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb, und es gab eben auch die betrügerische Anlagegesellschaft Phoenix Kapitaldienst.

          Obwohl Phoenix Kapitaldienst 30.000 vornehmlich deutsche Anleger um mindestens 300 Millionen Euro geprellt hat, ist die Gesellschaft nie verbrannt. Einige Geschäftsführer der Schwindelfirma haben ihre Haftstrafe bereits hinter sich.

          Warten seit vier Jahren

          Und allein dass die Geschädigten noch immer hingehalten werden, halten viele von ihnen für einen Skandal. Voraussichtlich müssen die Anleger noch warten, bis sich der Bundesgerichtshof mit diesem komplizierten Fall befasst hat. Und das bedeutet, dass sie erst in fünf, sechs oder sieben Jahren ihr Geld bekommen.

          Vor vier Jahren, am 11. März 2005, flog der Schwindel auf. Doch bis heute warten die Anleger auf eine Entschädigung, obwohl es dem findigen Insolvenzverwalter Frank Schmitt gelungen ist, rund 230 Millionen Euro sicherzustellen, die er den Anlegern gerne auszahlen würde. Doch er muss warten, bis der Fall juristisch aufgearbeitet ist. Und das kann dauern.

          „Tropfen auf den heißen Stein“

          Der Fall Phoenix Kapitaldienst ist auch ein Skandal im Hinblick auf den Anlegerschutz in Deutschland. Denn um deutsche Sparer vor der Insolvenz einer Bank, Sparkasse, Volksbank, eines Börsenmaklers, Vermögensverwalters oder auch einer Schwindelfirma zu schützen, hat die Bundesregierung eine Reihe von Sicherungseinrichtungen geschaffen, die für einen Ausfall im deutschen Finanzwesen einspringen und den Sparer entschädigen sollen.

          Im Fall der Phoenix Kapitaldienst ist die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) in Berlin zuständig. „Die EdW schützt Kleinanleger vor möglichen Verlusten aus Wertpapiergeschäften“, heißt es auf der Internetseite der Organisation. Doch die EdW zahlt einem Anleger grundsätzlich nicht mehr als 20.000 Euro aus.

          Den Teil des Schadens, der über diesen Betrag hinausgeht, müssen Geschädigte dann versuchen, über das Insolvenzverfahren zu bekommen. Gemessen am Gesamtschaden, werden die EdW-Zahlungen somit nur ein Tropfen auf einen heißen Stein sein. Doch selbst darauf mussten die Phoenix-Opfer lange warten. Immerhin will die EdW den Geschädigten im Laufe dieses Jahres rund 45 Millionen Euro überweisen. Das ist wenig, doch ein Anfang.

          Entschädigungseinrichtung als Resteverwertung

          Nun rächt sich, dass die Bundesregierung vor zehn Jahren bei der Einführung der EU-weiten Anlegerentschädigung den Banken zu sehr entgegengekommen ist. So konnten private Banken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen verhindern, dass sie für Insolvenzen am grauen Kapitalmarkt in die Pflicht genommen werden.

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