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Finanzskandale (7): Nick Leeson : "Als handele man mit Seifenblasen"

  • -Aktualisiert am

Verhaftung 1995 in Frankfurt Bild: AP

Weil er sich fern der Heimat selbst kontrollieren durfte, stürzte der junge Händler Nick Leeson die Traditionsbank Barings in den Ruin. Als er geflohen war, klebte ein Zettel an seinem Computer: „Es tut mir leid.“

          Am 23. Februar 1995 setzte Nick Leeson alles auf eine Karte. Verzweifelt versuchte der junge Händler von Barings an der Terminbörse Simex in Singapur heimliche Verluste über gewaltige Spekulationen auszugleichen.

          „Ich hatte heute alles gekauft, was der Markt hergab“, schrieb er später atemlos über den Tag. „Ich stand noch immer total unter Strom, hatte Stunde um Stunde mit ausgestreckten Armen herumgefuchtelt, gebrüllt, Händlerzettel ausgefüllt und sie ins Back Office geschickt. Mit einer einzigen Handbewegung konnte ich Papiere im Wert von Millionen kaufen oder verkaufen. Dabei war es nur Papier, nicht Milch oder Brot oder sonst etwas, was man wirklich hätte brauchen können. Es war, als handelte man mit Seifenblasen.“

          „Es tut mir leid“

          Es war der gefährliche Teufelskreislauf von Angst, Hoffnung und Panik, der sich bei Leeson in einen Kamikaze-Flug durch die abstrakte Zahlenwelt der Terminbörse wandelte. Am Ende des Tages hatte Leeson 220 Millionen Dollar Verlust gemacht. Der Gesamtfehlbetrag seiner Handelsgeschäfte lag bei 1,2 Milliarden Dollar.

          Auslieferung nach Singapur
          Auslieferung nach Singapur : Bild: AP

          Leeson wusste, dass dies die Zahlungsunfähigkeit von Barings bedeuten würde. Erschöpft klebte er einen Zettel an seinen Computer: „Es tut mir leid“, und floh. Er floh eigentlich nur, um nicht in einem asiatischen Gefängnis zu landen, um erst seiner jungen Frau alles zu gestehen, um heimlich nach Europa zu fliegen und dort Rechenschaft abzulegen. Er wusste, er würde auf Dauer nicht untertauchen können - wollte es auch gar nicht.

          „Ich war ein ganz normaler Bankangestellter“

          Entdeckt zu werden wäre ja der Moment, in dem das Spiel der Angst beendet gewesen wäre. Eine Angst, die Leeson Tag und Nacht fast aufzufressen drohte: Er biss sich zuletzt die Finger blutig, beruhigte sich mit dem Zuckerschub von Süßigkeiten, konnte nicht mehr schlafen, trank zu viel Alkohol, musste sich übergeben. „Dabei war ich eigentlich ein ganz normaler Bankangestellter“, sagte Leeson später. Er war kein Betrüger, der heimlich für sich selbst Millionen abzweigte.

          Die Geschichte war viel unspektakulärer, dafür jedoch nicht weniger verhängnisvoll - für die Bank und für Leeson. Barings war eine der traditionsreichen Handelsbanken Nordeuropas. Diese „Merchantbanken“ stammten ursprünglich aus Deutschland, Skandinavien und Holland.

          Damalige Woll- und Tuchhändler, wie John Baring aus Bremen, zogen im 18. Jahrhundert und Anfang des 19. Jahrhunderts nach Großbritannien, um dort zunächst zu handeln, später den Handel zu finanzieren und schließlich weltweit in der internationalen Handelsfinanzierung tätig zu sein. Keine andere Merchantbank brachte es zu so großem Ruhm wie Barings, über die 1817 der Duc de Richelieu sagte: „Es gibt sechs Großmächte in Europa: England, Frankreich, Preußen, Österreich, Russland - und Baring Brothers.“

          „Vorsintflutliche Abwicklung“

          Es gehörte zum Traditionsgeschäft dieser alten Handelsbanken, junge Mitarbeiter nach Übersee gehen zu lassen, um dort neue Geschäfte aufzubauen. Barings, Kleinworts, Flemings, Hambros und Schroders wären nie zu so großem Familienreichtum und Einfluss in der Londoner City gekommen, hätten die Banker sich nicht sehr weltoffen gezeigt und jungen Mitarbeitern schon früh Verantwortung in Übersee gegeben.

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