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Finanzskandale (4): Die Gebrüder Hunt : Die Hasardeure des Silbermarktes

1980 vor einem Untersuchungsausschuss: Die Hunt-Brüder William Herbert (Mitte) und Nelson Bunker (rechts) mit ihrem Anwalt. Bild: AP

Als Ölmagnat und begnadeter Pokerspieler wurde Harold L. Hunt zum reichsten Mann der Welt. Seine Söhne verspielten das Familienvermögen auf dem Silbermarkt.

          Manchmal erweisen sich Namen im Nachhinein als Prophezeiungen. Als der Ölmagnat Harold Hunt seinem Sohn Nelson im Jahr 1926 den ungewöhnlichen Zweitnamen „Bunker“ verpasste, konnte er nicht wissen, dass der besagte Sohn 50 Jahre später als „The big bunker“ in die Finanzgeschichte eingehen würde. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder William und einigen befreundeten Investoren hatte er alle verfügbaren Zürcher Tresore angemietet, um dort einen großen Teil der gesamten Weltvorräte an Silber zu horten. Auch Nelson Bunker Hunt selbst zeigte in der Namensgebung eine ähnlich prophetische Gabe wie sein Vater. Voller Übermut taufte er auf dem Höhepunkt seines Reichtums einige seiner 700 Rennpferde auf Namen wie "Brauche Kleingeld", "Mist gebaut" und "überzogen" - ohne zu ahnen, wie treffend diese Wörter nur wenige Jahre später seine eigene Lage beschreiben würden.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dynastie basiert auf Pokerspiel

          Die Geschichte der Familie Hunt ist aus dem Stoff, aus dem die großen amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts gestrickt sind - und die amerikanischen Erfolgsserien der frühen achtziger Jahre wie Dallas oder Denver Clan. Es ist wohl auch kein Zufall, dass die Familiensaga der Hunt-Dynastie in Texas ihren Ursprung nahm. Der Gründer Harold Lafayette Hunt, genannt „Arizona-Slim“, erwarb seine erste Lizenz zum Ölbohren in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts am Kartentisch. Zuvor war er als Farmarbeiter und Holzfäller durch den Wilden Westen gezogen und hatte sich einen Namen als bester Pokerspieler weit und breit gemacht.

          Bild: www.thechartstore.com

          Den Aufstieg zum reichsten Mann Amerikas schaffte er in den dreißiger Jahren, als er das bis dahin größte Ölfeld Amerikas im texanischen Kilgore entdeckte. Während die meisten seiner Landsleute unter der Weltwirtschaftskrise litten, wurde er zum Multimillionär. Ende der vierziger Jahre kürte ihn das Magazin „Fortune“ noch vor den Rockefellers und Morgans zum reichsten Mann Amerikas. Als der Patriarch 1974 starb, übernahmen seine Söhne Nelson und William die Geschäfte.

          Zweifel an Stabilität des Papiergeldes

          Sie erbten von dem Vater nicht nur ein riesiges Vermögen, das vor allem aus Öl-Unternehmen bestand, sondern auch ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Staat und seinem Wirtschaftssystem. Ebenso wie Harold waren sie von dem Gedanken besessen, dass Papiergeld letztlich wertlos sei. Weil sie davon überzeugt waren, dass sich die steigende Inflation der siebziger Jahre in den achtziger Jahren zu einer veritablen Hyperinflation auswachsen werde, investierten sie ihr Geld in Sachwerte - in Grundstücke, Rinderherden, Kunst, Immobilien und vor allem Silber. Auf das weiße Edelmetall kamen sie eher durch Zufall, weil der Goldbesitz für Privatleute in den Vereinigten Staaten seit 1933 streng limitiert war. Zudem war mit der Sowjetunion ausgerechnet der kommunistische Erzfeind der zweitgrößte Produzent der Welt.

          Anfang der siebziger Jahre kauften die Brüder zunächst 200.000 Unzen Silber. Zwischen 1970 und 1973 verdoppelte sich der Preis auf 3 Dollar je Unze. Der Markt war damals wie heute recht eng und von limitierten Produktionskapazitäten geprägt. Richtig legten die Brüder jedoch erst nach dem Tod des übermächtigen Vaters los. Ab 1975 versuchten sie, die Oberhoheit über den Silbermarkt zu erlangen. Das Edelmetall war nicht nur als Schmuck geschätzt, sondern auch in der Industrieproduktion unverzichtbar.

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