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Finanzskandale (3): Die Bawag im Casino : Mit dem Vermögen der Genossen Casino gespielt

Helmut Elsner vor Gericht Bild: dpa

Helmut Elsner und seine Vorstandskollegen haben den größten Bankenskandal in der österreichischen Nachkriegszeit zu verantworten. Sie haben die frühere Gewerkschaftsbank Bawag und deren damalige Eigentümer an den Rand des Zusammenbruchs geführt.

          Casinos und Gewerkschaften haben normalerweise wenig miteinander gemein. Eine Ausnahme bildet der Fall der österreichischen Bank für Arbeit und Wirtschaft AG (Bawag). Das Institut gehörte bis vor zwei Jahren dem Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) und damit rund 1,4 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern. Ihre Bank und damit ihre Streikkasse wurden verspielt. Der Name Bawag stand im Zentrum des größten Wirtschaftskriminalfalls der österreichischen Nachkriegszeit.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          In diesem Skandal geht es nicht um Schneeballsysteme. Es ist die Geschichte von desaströsen Sondergeschäften zwischen einem kleinen Kreis in Österreichs fünftgrößtem Geldhaus und dem amerikanischen Investmentbanker Wolfgang Flöttl. Es ist die Geschichte von Größenwahn und eingeschränkter Wahrnehmung. Der Fall Bawag erzählt von Finanzjongleuren, die bis vor dem Auslösen der jetzigen Finanzkrise mit zwei Milliarden Euro einen der größten Spekulationsverluste in der Geschichte der Bankenskandale verschuldeten.

          Aktienrecht und Bankwesengesetz missachtet

          Dieser Kriminalfall erzählt aber auch von der Inkompetenz von Führungskräften, welche die Grundlagen ihres Tuns - das Aktienrecht und Bankwesengesetz - nicht verstanden oder zumindest missachteten. Davon zeugt nicht zuletzt eine Aussage des damaligen Bawag-Vorstands Christian Büttner, der zu den Besten in der damaligen Führungsriege gehörte. Er wurde vom einstigen Bawag-Minderheitsgesellschafter, der Bayern LB, entsandt und gestand anlässlich des Strafprozesses zu den glücklosen Spekulationsgeschäften mit der japanischen Währung: „Der Yen war für die Bawag ein bisschen weit weg - neun Zeitzonen.“

          Es ist ein Lehrstück von überforderten Managern und Kontrollorganen, denen das in Führungsfunktionen notwendige Rückgrat fehlte. Ihre Beziehung zum Hauptverantwortlichen, dem langjährigen Generaldirektor Helmut Elsner, war von absolutem Gehorsam geprägt. Dieses Verhältnis ist der Dreh- und Angelpunkt im Fall Bawag. Nur so lässt sich erklären, warum die hochriskanten Sondergeschäfte mit dem schillernden amerikanischen Investmentbanker Wolfgang Flöttl möglich waren und jede Kontrolle versagte.

          Mit eisernem Besen regiert

          Denn Elsner allein konnte Flöttl nicht mit Milliarden ausstatten. Warum übte Helmut Elsner eine derart starke Wirkung auf sein berufliches Umfeld aus? Wie Potentaten beherrschte er ein autoritäres Gehabe, das selbst im Strafprozess Wellen schlug. Der Mann regierte mit eisernem Besen in dem 1922 als Arbeiterbank gegründeten Institut und punktete zu dieser Zeit mit Kontakten zu einflussreichen Personen. Dazu gehörte Wolfgang Flöttl und seine Frau Anne Eisenhower, eine Enkelin des früheren amerikanischen Präsidenten Dwight Eisenhower.

          Das hat bei den in Anlageprodukten ahnungslosen österreichischen Gewerkschaftern gewirkt. Elsner überließ Flöttl deren hart erspartes Geld - zuerst zur Vermehrung und dann, um Verluste auszugleichen. Zweifellos konnte Elsner sich besser artikulieren als der restliche Vorstand und der in Finanzsachen eingeschränkt urteilsfähige Aufsichtsrat. Pikanterweise hat sich der Bonvivant stets mehr zur internationalen Hochfinanz als zu seinen Sparern hingezogen gefühlt. Mit den Grundtugenden der Gewerkschaftsbewegung vertrug sich dieser Lebensstil nicht.

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