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Finanzskandale (11): James Fisk : Vom Wanderzirkus zur Wall Street

Wall Street Bild: AP

James Fisk gilt als einer der berüchtigsten Spekulanten des 19. Jahrhunderts. Erst betrog er den Eisenbahn-Tycoon Vanderbilt, und dann bescherte seine Gold-Spekulation der Wall Street einen Schwarzen Freitag.

          Der erste Börsenkontakt eines der wohl berüchtigtsten Spekulanten der Wirtschaftsgeschichte führte schon nach kurzer Zeit in die Pleite. Ohne Ahnung vom Finanzgeschäft zu haben, hatte sich James Fisk nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs in einem luxuriösen Büro an der New Yorker Wall Street eingemietet, sich einen ordentlichen Vorrat an teuren Zigarren und gutem Whisky zugelegt und in einer seiner bunten Phantasieuniformen auf Kunden gewartet.

          Judith Lembke

          Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wie es sich für einen bedingungslosen Optimisten gehörte, spekulierte der ehemalige Hausierer und Zirkusarbeiter auf einen Bullenmarkt - doch in der Nachkriegszeit gingen die Kurse in die entgegengesetzte Richtung.

          Der „Schwarze Freitag“

          Von vermeintlich „sicheren Tipps“ in die Irre geleitet und von „guten Freunden“ ausgenommen, musste sich Fisk schon nach wenigen Wochen eingestehen, dass er an der Wall Street gescheitert war. Doch er gab nicht auf - im Gegenteil. „Das Geld ist gut investiert“, soll er bei seinem Wegzug aus New York verkündet haben. „Jetzt hat mich die Wall Street zwar ruiniert. Später wird sie dafür jedoch bezahlen.“ Er sollte recht behalten.

          Schon wenige Jahre später stürzte Fisks Versuch, den Goldmarkt zu Spekulationszwecken zu übernehmen, den amerikanischen Finanzmarkt in die Krise. Noch heute ist der 24. September 1869 als „Schwarzer Freitag“ oder Fisk/Gould-Skandal bekannt.

          Räuberbaron

          James Fisk gilt als Archetyp des amerikanischen Räuberbarons des 19. Jahrhunderts. Diese Spezies des Urkapitalisten gelangte mit zweifelhaften Methoden in einem praktisch unregulierten Wirtschaftssystem zu Reichtum. Räuberbarone waren eher Spieler als kühl kalkulierende Unternehmer, die das Wirtschaftsleben als grenzenloses Kasino betrachteten. Auch spätere amerikanische Großindustrielle wie John D. Rockefeller oder Cornelius Vanderbilt legten die Basis ihres Vermögens als Räuberbarone.

          Wie viele andere dieses Schlags stammte auch James Fisk, der im amerikanischen Bundesstaat Vermont geboren wurde, aus ärmlichen Verhältnissen. Sein Vater war ein Hausierer, und auch Fisk junior begann seine Karriere nach einem kurzen Intermezzo beim Wanderzirkus als herumreisender Verkäufer. Er schaffte es, das armselige Geschäft des Vaters innerhalb kürzester Zeit zu einem florierenden Betrieb mit fünf Wagen und mehreren Angestellten auszubauen. So wurde das Bostoner Handelsunternehmen Jordan and Marsh auf ihn aufmerksam und stellte ihn als Vertreter ein.

          Sagenhafte Gewinne während des Bürgerkrieges

          Er sollte es nicht enttäuschen. Während des Bürgerkrieges bescherte sein skrupelloses Verhalten dem Unternehmen sagenhafte Gewinne. Dank seines Verkaufstalents drehte er der Armee Restposten zu überhöhten Preisen an, machte Geschäfte mit Freund und Feind und nutzte den allgegenwärtigen Mangel zu seinen Gunsten. Den Grundstein seines Vermögens legte er mit dem Baumwollschmuggel von Norden nach Süden, wobei er die Preisdifferenz zwischen 12 Cent je Pfund im Süden und 2 Dollar im Norden nutzte.

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