04.11.2008 · Privatanleger befinden sich in einem Dilemma: Wegen der Abgeltungsteuer ist es günstig, noch in diesem Jahr langfristig die Geldanlage zu planen. Doch viele trauen sich nicht in Aktien. Für diese Fälle gibt es nun spezielle Fonds.
Von Dyrk ScherffDer Dax bei 4800 Punkten - ist das schon wieder ein Niveau zum Kaufen? Niemand weiß das, denn die Finanzkrise ist längst noch nicht vorbei. Vielleicht fallen die Kurse nächstes Jahr ja noch tiefer. Doch wer erst dann kauft, muss Abgeltungsteuer auf seine künftigen Kursgewinne bezahlen.
Die Fondsindustrie hat sich einen Ausweg einfallen lassen. Sie bietet Fonds an, in die die Anleger noch in diesem Jahr anlegen können. Dadurch bleiben die Kursgewinne der Aktien im Fonds steuerfrei. Nur Zinserträge müssen noch versteuert werden. Die fallen am Anfang an. Denn das Geld der Anleger fließt zunächst in sichere Geldmarkt- oder Rentenfonds. Von dort wird es in kleinen Häppchen in internationale Aktien umgeschichtet (Ausnahme DWS Step Invest Aktien Strategie Deutschland). Das geschieht meist monatlich, beim UniProInvest nur einmal im Quartal, was die schlechtere Variante ist.
Umschichtung bringt Vorteile
Die Umschichtung senkt die Gefahr, ausgerechnet auf einem teuren Niveau zu kaufen. Stattdessen werden die Aktien mal zu einem hohen und mal zu einem niedrigen Preis erworben, also insgesamt zu einem moderaten Durchschnittspreis.
Der Wechsel vom einen in den anderen Topf dauert je nach Fonds zwischen einem und vier Jahren. Bei vier Jahren ist die Wirkung des Durchschnittspreises besonders ausgeprägt. Allerdings dürften schon vorher die Finanzkrise und ihre Folgen überwunden sein, und die Aktienmärkte erholen sich wieder. Dann wäre es schlecht, wenn die Anleger noch nicht voll in Aktien engagiert sind.
Auf die Gebühren achten
Die Idee ist bestechend und passt gut in die aktuelle Lage. Doch Anleger müssen einige Fallstricke beachten. Die Gebühren zum Beispiel: Allianz und Deka verlangen zusätzlich zum Ausgabeaufschlag jährliche Gebühren von mindestens zwei Prozent. „Das ist ein stolzer Preis. Ein Aktienfonds sollte nicht mehr als 1,5 Prozent kosten“, kritisiert Detlef Glow, Leiter der Fondsanalyse des Fondsbewerters Lipper. Die Allianz beteiligt sich sogar noch am Gewinn des Fonds. Die Deka-Fonds investieren zudem in den Varianten Chance und Wachstum nicht voll in Aktien, sondern auch in sicherere Titel. Anleger kaufen dort also einen Mischfonds. Das mindert das Risiko, aber auch die Rendite.
Eine Besonderheit sind die Cominvest Life Liberty Saver Fonds. Sie laufen je nach Variante bis 2025, 2030 oder 2040. Schrittweise bringen sie das Geld zwischen 2008 und 2012 auf den Aktienmarkt, kurz vor Laufzeitende schichten sie wieder in sicherere Anlagen um. Das senkt das Risiko, alles nach heftigen Kursstürzen wie den aktuellen verkaufen zu müssen - zu besonders niedrigen Kursen.
Dyrk Scherff Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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