15.10.2008 · Sichere Geldanlagen wie Tagesgeld, Festgeld und Bundesanleihen sind jetzt gefragt wie nie. Wenn im Januar die Abgeltungsteuer kommt, werden sie noch interessanter.
Von Nadine OberhuberWar da nicht was? Gab es nicht vor ein paar Wochen noch ein Thema, das die deutschen Sparer und die Finanzbranche gleichermaßen in Aufregung versetzte, bevor die Heftigkeit der Finanzkrise alles andere überdeckte? Ach ja, die Abgeltungsteuer. Darüber hat in letzter Zeit kaum noch jemand nachgedacht. Ohnehin rückte einiges, was bisher so wichtig schien, mächtig in den Hintergrund. Zum Beispiel die Rendite.
Stattdessen steht Sicherheit ganz oben auf der Skala bei der Geldanlage. Das ist auch der Grund, weswegen Anleger jetzt massenhaft ihr Erspartes auf Geldparkplätze umschichten, die klassischerweise zu den sichersten gehören, die es auf dem Markt gibt wie Tagesgeld, Festgeld und Bundeswertpapiere. Dafür verzichten sie sogar auf den ein oder anderen Prozentpunkt Ertrag. Aber so ungeschickt ist das nicht.
Denn sie setzen damit auf die einzigen Gewinner, die es mit Einführung der Abgeltungsteuer geben wird: die Zinsprodukte. Zugegeben, der Besteuerungsvorteil ist ein schwacher Trost angesichts der turbulenten Zeiten. Aber immerhin macht er jetzt gerade die Anlagen interessanter, die zuletzt gern als gestrig belächelt wurden.
Von der Steuer profitieren
Wer Zinsen erhält, weil er größere Sparguthaben oder Bundeswertpapiere über längere Zeit besitzt, der muss sie bisher zum persönlichen Steuersatz versteuern. Jedenfalls sofern die Zinseinnahmen die Freigrenze von 801 Euro für Ledige und 1602 Euro für Verheiratete überschreiten. Im schlimmsten Fall muss ein Anleger 47 Prozent von jedem zusätzlichen Zinseuro an den Fiskus abdrücken. So viel kommt an Höchststeuersatz inklusive Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag zusammen. Und längst nicht nur bei Superverdienern.
Schon ab 25.000 Euro zu versteuerndem Einkommen kommen Ledige dagegen mit der Abgeltungsteuer bald besser weg. Verheiratete profitieren ab einem Familieneinkommen von 50.000 Euro von der neuen Gesetzeslage. Denn ab Januar behält das Finanzamt pauschal nur noch 25 Prozent der Zinseinnahmen ein. Die bisherigen Freibeträge gelten dabei weiterhin.
Aus diesem Grund allein sollte jedoch niemand in sicherere Zinsprodukte umschichten, warnt Max Herbst, Geschäftsführer der FMH Finanzberatung. Denn eines sollten sich Anleger vor Augen halten: Wer jetzt größere Geldmengen auf Tages- und Festgeldkonten zwischenparkt und einfach abwartet, der beraubt sich auch der Möglichkeit, noch 2008 sein Fonds- oder Aktiendepot letztmalig steuerfrei aufzustocken. Denn für alle Anteile, die er noch 2008 kauft, gilt die Abgeltungsteuer nicht. Er kann die Gewinne daraus später auf alle Zeit steuerfrei einstreichen.
Aktien halten und nicht verkaufen?
„Es ist die Gretchenfrage, ob man jetzt lieber auf Nummer sicher geht - oder noch Aktien kauft“, räumt Herbst ein. Abwarten hieße: 25 Prozent Steuern in Kauf nehmen, dafür aber wohl ohne größere Verluste aus der Krise hervorgehen. Jetzt zu kaufen dagegen bedeutet: Kursverluste riskieren und auf Gewinne hoffen, die dafür dann aber steuerfrei wären. „Wenn Sie meine Meinung hören wollen“, sagt Herbst, „ich halte die Aktien, die ich noch habe, würde aber noch keine weiteren zukaufen. Sondern lieber die hohen Festgeldzinsen von bis zu 5,5 Prozent für 12 Monate mitnehmen.“
Auf ein schnelles Krisenende setzt derzeit kaum ein Marktbeobachter. Die meisten haben eher ein anderes Szenario: Ende des Jahres wird die Finanzbranche die Anleger wieder zum Aktien- und Fondskauf drängen mit dem Argument: Jetzt noch schnell Steuern sparen! Das treibt die Kurse. Aber nur so lange, bis die Profiinvestoren Anfang nächsten Jahres ihr Geld wieder massiv aus dem Markt abziehen und die Kurse wieder heftig fallen. Wer dann nicht die Nerven behält, verliert mehr Geld, als er sich an Steuern ersparen würde. Die Gretchenfrage ist daher für Herbst nicht: Welche Anlage ist die steuergünstigste? „Sondern: Welche lässt mich am ruhigsten schlafen?“
...auf alle Zeit?
Kurt Michler (Kurt.Michler)
- 16.10.2008, 20:23 Uhr
Nadine Oberhuber Jahrgang 1973, freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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