27.03.2010 · Banken nutzen die Unerfahrenheit junger Menschen aus und bieten fragwürdige Produkte an. Zu viele Anleger sehen die versteckten Gebühren nicht, da können auch Verbraucherschützer und Beipackzettel nicht helfen.
Von Volker LoomanDie mangelhafte Beratung der Banken trifft nicht nur alte, sondern auch junge Anleger. Diese mögen den Anschein erwecken, besser informiert zu sein als ihre Eltern und Großeltern, doch auch in jungen Jahren ist mancher anfällig. Wer beim Umgang mit Geld nicht aufpasst, setzt sich der Gefahr aus, beim Verlassen der Bank einige Euro weniger in der Tasche zu haben. Das Internet ist voll von Hinweisen auf Risiken, die jungen Anlegern beim Besuch opulenter Bankhallen drohen. Weil es für den richtigen Umgang mit Geld aber keine Navigationsgeräte gibt, kann der Ausflug in die Finanzwelt – wie im folgenden Fall – auf dem Pannenstreifen enden.
Die Tochter eines vermögenden Anwaltes ist 25 Jahre alt und guter Hoffnung. In diesem Jahr soll es endlich mit dem Examen klappen. Sie hat sich zehn Semester durch die Niederungen der Betriebswirtschaft gekämpft, und nun zieht es die junge Frau in die Welt. Sie möchte bei einer Unternehmensberatung anheuern, und die Chancen, das Ziel zu erreichen, stehen dank der väterlichen Kontakte nicht schlecht.
Weniger gut sind die Aussichten auf dem Privatkonto. Dort liegen seit einigen Monaten rund 90 000 Euro. Das kleine Vermögen ist mit freundlicher Unterstützung der Eltern und Großeltern zusammengekommen, doch die Tochter teilt das Schicksal ihrer Vorfahren. Sie ist Kundin der Bank, die „Leistung aus Leidenschaft“ auf ihre Fahnen geschrieben hat, und das geht ins Geld.
Der besorgte Vater hat beim letzten Besuch in der Private-Banking-Abteilung des Hauses um Unterlagen gebeten, wie der Wert des Vermögens der Tochter gesteigert werden könne. Der bemühte Kundenberater, selbst kaum älter als der Spross des Anlegers, gab dem verehrten Vater eine Broschüre in die Hand, in der es um ein Vermögensfondsmandat für ausgewählte Privatanleger geht. Das Geld der jungen Dame soll in eine Mischung aus Anleihen, Immobilien und Aktien fließen. Dagegen ist vom Grundsatz her nichts einzuwenden. Fragwürdig ist nur, warum sich Tochter und Vater, beide Akademiker und von Berufs wegen mit Fußnoten vertraut, so wenig mit dem Kleingedruckten der Offerte beschäftigt und die Anlage blind gezeichnet haben.
Dort steht in deutscher Sprache, dass der Einstieg in den Fonds einmalig 3 Prozent kostet. Dort wird in schwarzer Schrift dargelegt, dass die jährliche Verwaltung rund 1,5 Prozent kostet. Außerdem beansprucht die leidenschaftliche Bank eine Beteiligung von 25 Prozent des Ertrages, der über einen gewissen Index hinausgeht. Wer die Prozente und Promille addiert, wird große Mühe haben, sich gegen einen ordentlichen Rausch zur Wehr zu setzen.
Unter der Annahme, dass die künftige Betriebswirtin und Unternehmensberaterin in fünf Jahren wirklich guter Hoffnung sein wird und das Geld für Haushalt, Kind und Mann braucht, kann die Eintrittsgebühr von 3 Prozent gefünftelt werden. Folglich fallen 0,6 Prozent pro Jahr an. Hinzu kommt die jährliche Verwaltungsgebühr von 1,5 Prozent. Dann steht eine Beteiligung von weiteren 0,5 Prozent im Raum, weil der Index so karg bemessen ist, dass nur Schlafmützen dieses Ergebnis verfehlen können. Kurzum; Die junge Dame setzt sich dem Risiko aus, jedes Jahr mit 2,6 Prozent zur Ader gelassen zu werden.
Das wäre kein Beinbruch, wenn Erträge von 7 oder 8 Prozent im Raume stünden. Davon ist das „Vermögensfondsmandat für Privatkunden“ freilich Lichtjahre entfernt. Wenn die Anleger, jung oder alt, arbeitslos oder gestresst, arm oder reich, großes Glück haben, werden sie auf Erträge von 4 Prozent pro Jahr kommen, weil die Anlagen einfach nicht mehr abwerfen. Davon gehen 260 Basispunkte an die Bank, so dass 2 Prozent übrigbleiben. Das ist das Niveau klassischer Sparbücher. Wird die Rechnung fortgeführt, kommen Abgeltungsteuer und Inflation ins Spiel. Dann wird jedoch das Vermögen angefressen.
Das Beispiel zeigt in aller Deutlichkeit die Nöte privater Anleger, und es wird deutlich, dass das Alter von untergeordneter Bedeutung ist. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise haben Banken und Sparkassen den Privatanleger beziehungsweise dessen Geld wiederentdeckt. Weil zu jeder Panne und Pleite aber zwei Parteien gehören, ist aus Gründen der Fairness anzumerken, dass auch Privatleute aus der Finanzkrise nur wenig gelernt haben. Vor allem wollen sie, selbst wenn das hart klingt, die versteckten Gebühren nicht zur Kenntnis nehmen. Gegen diese Weigerung ist freilich kein Kraut gewachsen. Da können Anleger und Verbraucherschützer nach Belieben toben und Beipackzettel und Protokolle fordern, wie sie wollen. Wer das Addieren einfacher Gebühren verweigert oder die Gebühren gar nicht zur Kenntnis nehmen will, muss den Verlust eines Teils des Geldes eben als Investition in die Niederungen des Alltages verbuchen.
Jungen Menschen kann nur der Rat gegeben werden, dass beim Geld die Freundschaft aufhört. Hier ist sich jeder der Nächste. Das heißt im Klartext, dass sich junge Menschen bewusst werden sollten, dass die größte Sicherheit, die das Leben zu bieten hat, die Unsicherheit ist. Es ist schade, dass junge Akademiker große Probleme haben, feste Anstellungen zu finden, und es ist traurig, dass junge Angestellte wie Lohnsklaven durch die Welt gejagt werden. Wer in solchen Lebenslagen finanzielle Rücklagen besitzt, sollte diese Schätze hüten wie seinen Augapfel. Sonst droht Ungemach.
Im vorliegenden Fall ist das Vermögensfondsmandat grober Unfug, weil die Gebühren jeden Erfolg im Keim ersticken. In jungen Jahren ist es auch nicht sinnvoll, schon ans Alter zu denken. Wer weiß schon, was in fünf Jahren passieren wird? Daher sind solides Augenmaß und gesunder Menschenverstand die besten Wegbegleiter junger Menschen. Wer heute 25 oder 30 Jahre alt ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in fünf oder zehn Jahren sein Glück in der Familie suchen. Ehepartner und Kinder kosten Geld, wie der Volksmund weiß, und bei diesen Perspektiven geht es weniger um Ertrag und Rendite, sondern um Sicherheit und Verfügbarkeit. Autos kosten Geld, Einrichtungen kosten Geld, Wohnungen kosten Geld.
Daher stehen Junioren und Senioren vor ähnlichen Aufgaben. Sie brauchen zu gewisser Zeit einfach Kapital, und da passen Anlagen mit hohen Kosten oder fehlender Verfügbarkeit nicht in die Landschaft. Die junge Dame wird gut beraten sein, vielleicht 10 000 Euro auf ihr Girokonto zu übertragen. Die restlichen 80 000 Euro kann sie zu gleichen Teilen in vier Sparbriefe mit Laufzeiten von 12, 24, 36 und 48 Monaten stecken. Das sind ohne Zweifel fade Anlagen, doch Geld ist, das liegt in der Sache der Natur, eine langweilige Sache. Das wahre Leben findet an anderen Stellen statt. Der richtige Beruf, ein liebevolle Partner, der Blick in die Gesichter gesunder Kinder können Glück vermitteln, doch Geld ist und bleibt tote Materie. Es ist notwendig, und es ist gut, wenn es vorhanden ist. Wer freilich mit Geld zur Bank geht, egal ob in der Jugend oder im Alter, muss sich der Gefahr bewusst sein, dass es erst einmal weniger wird. Banken haben nicht die Aufgabe, das Vermögen ihrer Kunden zu mehren, sondern sie sind ihrem eigenen Wohl verpflichtet. So einfach ist das, und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.
Analysen eines Finanzexperten
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |