14.12.2009 · Was will der Anleger: Viel Geld in der Kasse, oder eine möglichst hohe Rendite? Diese Frage klingt harmlos, doch zwischen Ertrag und Rendite liegen Welten. Oft verwechseln Anleger diese beiden Kennzahlen dennoch. Das kann katastrophal enden.
Von Volker LoomanEs ist ein alter Hut, dass Rendite und Risiko bei vielen Geldgeschäften die Maße aller Dinge sind. Trotzdem entwickeln viele Menschen bei der Abwägung verschiedener Kapitalanlagen merkwürdige Vorstellungen. Das gilt besonders für die Frage der Rentabilität.
Bei der Analyse, wie hoch die Verzinsung des Geschäftes ist, gibt es kein Allheilmittel, weil jeder Zahlungsstrom individuelle Bewertungen enthält. Trotzdem sind aber Grundregeln zu beachten, und wenn bei der Geldanlage lediglich Einsatz und Rückfluss verglichen werden, wird die Geschichte heikel, weil dabei Ergebnisse herauskommen können, die weit über der tatsächlichen Verzinsung liegen. Das wird in folgendem Beispiel deutlich: Ein Anleger sei 70 Jahre alt und seine Rente so bescheiden, dass er sich entschlossen hat, das „flüssige“ Vermögen anzuzapfen – also Festgeld, Anleihen und Aktien zu verrenten. Er will 200.000 Euro so anlegen, dass jedes Jahr so viel Geld wie möglich herausspringt.
Das scheint auf den ersten Blick kein Problem zu sein, doch bei genauem Hinsehen tauchen Fragen über Fragen auf. Sie beginnen bei der Betrachtung, ob Leibrenten, Immobilien, Anleihen oder Aktien die richtige Anlage sind, und sie enden bei der Überlegung, was es heißt, soviel Geld wie möglich einzunehmen. Wünscht sich der Anleger nun, dass jeden Monat viel Geld in die Kasse kommt oder eine möglichst hohe Rendite? Diese Frage klingt harmlos, doch zwischen Ertrag und Rendite liegen Welten.
Wer frühzeitig kündigt, wird ernüchtert
Der Anleger kann sich für die 200.000 Euro zum Beispiel eine Leibrente kaufen. Dahinter verbergen sich die Überweisung des Geldes an eine Versicherung und das Versprechen der Gesellschaft, dem Investor eine lebenslange Rente zu zahlen. Bei einem Eintrittsalter von 70 Jahren können Männer zur Zeit mit einer jährlichen Rente von 14.000 Euro rechnen. Bei einem Einsatz von 200.000 Euro und jährlichen Rückflüssen von jeweils 14.000 Euro liegt es auf der Hand, eine Jahres-Rendite von sieben Prozent zu unterstellen. Das jedoch wäre ein Trugschluss.
Die Ursache ist der Kontostand. Denn das Geschäft würde sich nur dann mit sieben Prozent pro Jahr verzinsen, wenn am Ende, wann immer dieser Betrag auch kommen mag, das eingesetzte Kapital von 200.000 Euro zurückfließen würde, wenn also die letzte Einnahme nicht 14.000 Euro, sondern 214.000 Euro betrüge. Das ist bei Leibrenten aber nicht der Fall: Jeder Anleger, der die Leibrente während der Laufzeit kündigt, wird „ernüchtert“ feststellen, dass er nur einen Teil des eingesetzten Kapitals wieder sieht. Damit ist die Leibrente ein Entnahmeplan, bei dem das Kapital von Jahr zu Jahr sinkt.
Das braucht einen Anleger, der nur auf den „laufenden“ Rückfluss sieht, nicht um den Schlaf zu bringen, weil es in seinen Augen allein darauf ankommt, jedes Jahr viel Geld einzustreichen. Für die Berechnung der Rentabilität ist aber nicht nur der erste, zweite oder dritte Rückfluss wichtig, sondern es kommt auch darauf an, wie das Ende des Geschäftes aussieht. Wer sich die Leibrente bis zum Schluss anschaut, wird schnell erkennen, dass die jährlichen Renten die einzigen Rückflüsse sind. Daher kann von einer Rendite von sieben Prozent keine Rede sein.
Bei der Leibrente ist Schicht im Schacht
Die Leibrente ist bei nüchterner Betrachtung der Dinge eine Wette zwischen dem Anleger und der Versicherung. Die Gesellschaft rechnet zum Beispiel bei siebzigjährigen Männern damit, dass die Senioren noch 20 Jahre leben werden. Folglich geht sie von 20 Zahlungen je 14.000 Euro aus. In diesem Fall würde sich die Police vor Steuern mit vier Prozent pro Jahr verzinsen. Wird der Anleger jedoch 85 Jahre alt, wäre die Versicherung der Gewinner, weil 15 Renten je 14.000 Euro zu einer Verzinsung von lediglich einem Prozent pro Jahr führen.
Dieses magere Ergebnis treibt einzelne Anleger in die Arme freier Vermittler. Sie bieten den Senioren an, ihr Kapital in geschlossene Immobilienfonds zu stecken. Hier sieht die Struktur des Zahlungsstroms anders aus. Die Erträge sind hoch. Genauso hoch ist aber auch die Gefahr, dass die Immobilie, falls auf der grünen Wiese gelegen, nach dem Auslauf des Mietvertrages nur noch zu einem Bruchteil des Einstiegspreises verkauft werden kann. Daher kommt es in besonderer Weise auf die Lage des Objektes an. Bei soliden Investitionen wird der Wert erhalten bleiben. Auch winken während der Vermietung ordentliche Einkünfte – sie liegen zum Beispiel bei einem großen Initiator derzeit bei 12.000 Euro im Jahr. Das sind 2000 Euro weniger als bei der Leibrente. Dafür werden dem Anleger in 15 Jahren ab 200.000 Euro zurückgezahlt, so dass die Immobilie ein Wertpapier in Beton ist. Am Anfang und am Ende wechseln 200.000 Euro den Besitzer, zwischendurch fließen 15 Zahlungen zu je 12.000 Euro. Das führt zu einer Rendite von sechs Prozent vor Steuern.
Für den Anleger, den Zahlen nicht erfreuen, fängt sich die Welt an zu drehen: Dort eine Rente von 14.000 Euro und eine Rendite von einem Prozent, hier ein Zufluss von 12.000 Euro und eine Verzinsung von sechs Prozent. Das verwirrt auf den ersten Blick. Die Lösung des „Rätsels“ ist aber, um das noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen, allein der Endwert: Bei der Leibrente ist Schicht im Schacht, wie es im Ruhrgebiet heißt, und bei der Immobilie kommt das Kapital zurück. Damit stellt sich die Frage, was der Anleger will – soll die Rente hoch sein oder die Rendite?
Wertpapiere sind der große Konkurrent
Wer den Zusammenhang verstanden hat, wird in der Regel beide Dinge fordern. Außerdem wird er auch noch niedrigstmögliche Abgaben wünschen. Bei einem Jahreseinkommen von 50.000 Euro und der Splittingtabelle beträgt die Rendite der fünfzehnjährigen Leibrente „kümmerliche“ 0,6 Prozent pro Jahr, weil ein Zehntel der Bezüge der persönlichen Besteuerung unterliegt. Im Vergleich dazu ist der Immobilienfonds mit einer Rendite von 4,1 Prozent erheblich attraktiver, auch wenn die laufenden Erträge geringer sind. Wer freilich Ertrag und Rendite will, muss in der Regel selbst Hand anlegen. In solchen Fällen sind Anleihen und Aktien interessant.
Wertpapiere sind der große Konkurrent der Leibrenten. Hier bleiben die Anleger im Besitz des Geldes, und das Kapital kann nach Belieben gemischt und verrentet werden. Im vorliegenden Fall ist es zum Beispiel denkbar, dass 150.000 Euro in Anleihen und 50.000 Euro in Aktien angelegt werden. Bei Verzinsungen von vier und sechs Prozent winken vor Steuern jährliche „Erträge“ von 9000 Euro. Wird das Kapital im Laufe von 15 Jahren aufgezehrt, steigt dieser Betrag auf 19.000 Euro pro Jahr. Davon bleiben nach dem Abzug der Abgeltungsteuer etwa 17.000 Euro übrig. Das führt zu einer Verzinsung von 3,3 Prozent nach Steuern, so dass die freie Kombination „zwischen“ Leibrente und Immobilienfonds liegt.
Die Renditen der Geldanlagen betragen nach Steuern zwischen 0,6 und 4,1 Prozent, wenn die Prognosen stimmen. Vor diesem Hintergrund sollten sich Anleger hüten, von höheren „Erträgen“ oder „Gewinnen“ zu träumen. Viel wichtiger ist, wie sicher das Geld und wie hoch die Verrentung sein soll. Die meisten Anleger möchten maximale Sicherheit, vollen Erhalt und höchste Verzinsung. Das ist freilich zu viel des Guten. Je höher der Rückfluss ist, desto höher sind in der Regel das Risiko und der Verzehr.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.890,50 | +0,05% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3260 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 118,19 $ | −0,42% |
| Gold | 1.748,00 $ | +0,11% |
| Bund Future | 137,23 € | −0,37% |