10.11.2008 · Die Finanzkrise hat die Besitzer von kapitalbildenden Lebensversicherungen bislang weitgehend verschont. Trotzdem gehören die Policen auf den Prüfstand: Liegen die Renditen höher als die Kosten der Kredite? Wenn nicht, muss man schnell handeln, empfiehlt Vermögensberater Volker Loomann.
Von Volker LoomanDie Finanzkrise hat sich nicht nur auf Anleihen und Aktien, sondern auch auf Immobilien und Versicherungen ausgewirkt. Die Anbieter offener Immobilienfonds haben die Rücknahme ihrer Anteile ausgesetzt. In der Assekuranz herrscht Ruhe vor dem Sturm. Der Rückkauf von Kapitalpolicen hält sich noch in Grenzen, obwohl die fondsgebundenen Verträge ähnlich gebeutelt worden sind wie die Aktienfonds.
Auch die Banken werden panisch
Wenn die Besitzer am Jahresende ihre Auszüge erhalten, dürfte es in manchen Fällen kein Halten mehr geben, und die Hüpferei von einer Anlage in die nächste Investition wird Höhenflüge erleben. Mit Vernunft hat das alles nichts zu tun, doch gegen Panik ist kein Kraut gewachsen.
Davon sind nicht nur Anleger, sondern auch Kreditgeber betroffen. Die Banken fürchten in zahlreichen Fällen um ihre Außenstände und machen den Schuldnern das Leben schwer. Sie fordern Unterlagen über Unterlagen, um faulen Krediten auf die Spur zu kommen, und sie verlangen Sicherheiten über Sicherheiten, weil sie Angst haben, eines Tages im Regen zu stehen. Das führt in einzelnen Fällen zu bemerkenswerten Reaktionen.
Im Streit mit der Bank
Ein Anwalt ist 57 Jahre alt und steht bei seiner Hausbank mit 790 000 Euro in der Kreide. Davon entfallen 510 000 Euro auf die selbstgenutzte Villa und 280 000 Euro auf ein Mehrfamilienhaus in Köln. Das Verhältnis der beiden Parteien hat sich in den letzten Jahren abgekühlt, und es ist müßig, darüber zu debattieren, wer die Schuld trägt.
Der Anwalt hat in finanzieller Hinsicht schwierige Jahre hinter sich. Daher hat er seine Raten nicht immer pünktlich bezahlt, und gelegentlich hat er ohne Ankündigung das Privatkonto überzogen. Das ist der Bank sauer aufgestoßen, und sie hat sich auf ihre Weise gerächt. Sie hat die Zinsen erhöht, und sie nervt den Juristen mit kleinlichen Forderungen. Momentan ist die Stimmung nahe dem Gefrierpunkt, weil sich die Bank weigert, für einen der Kredite neue Festzinsen zu gewähren.
Versicherung kündigen
Die Finanzierung des Eigenheims setzt sich aus zwei Darlehen zusammen. Die eine Hypothek steht im Augenblick bei 320 000 Euro, und der Zins von 4,8 Prozent ist im Sommer dieses Jahres ausgelaufen. Der andere Kredit liegt im Moment bei 190 000 Euro, und der Zins von 4 Prozent gilt bis 2013.
Zank gibt es in erster Linie über den ersten Vertrag. Die Bank rechnet die Schulden zurzeit mit 8,5 Prozent ab, und das geht dem Anleger gehörig auf die Nerven. Er hat mehrere Gespräche mit dem Kundenbetreuer geführt, doch der Kreditmann ist ein sturer Kopf. Erstens will er die letzten Steuerbescheide des Freiberuflers, zweitens fordert er zusätzliche Sicherheiten, und drittens wäre es ihm eigentlich am liebsten, wenn der Jurist seine Sachen packen und zur Konkurrenz gehen würde. Daher hat er dem Kunden den Vorschlag gemacht, eine große Kapitalversicherung, die der Bank als Sicherheit abgetreten worden ist, zu kündigen und mit dem Rückkaufswert die Schulden zu senken.
Sparvertrag kündigen, Schulden abbauen
Der Vorschlag ist bei dem Juristen gar nicht gut angekommen. Der Mann ist zwar ein Meister des geschliffenen Wortes, doch mit Zahlen steht der Kunde auf Kriegsfuß. Daher ist es kein Wunder, dass er der Argumentation des Kaufmannes, dass die Kosten eines neuen Festzinskredites über der Rendite der Police lägen, nicht folgen kann.
Stattdessen hegt er den Verdacht, dass sich die Bank beim Verkauf der Police, die schon 30 Jahre läuft und 2016 fällig werden wird, in irgendeiner Weise bereichern will. Das ist aber nicht der Fall, wie die Analyse der Versicherung beweist. Es ist in der Tat sinnvoll, den Sparvertrag zu kündigen und die Schulden abzubauen.
Versicherung ist auch nur ein Sparvertrag
Bei der Bewertung bestehender Kapitalversicherungen kommt es nicht darauf an, was in der Vergangenheit gelaufen ist. Es zählen allein die Gegenwart und die Zukunft. In dem Vertrag liegen zurzeit etwa 376 000 Euro. Die Restlaufzeit beträgt 88 Monate, und in dieser Zeit werden weitere Raten von jeweils 356 Euro eingezahlt. Am Ende der Laufzeit sollen, so hat die Gesellschaft mitgeteilt, voraussichtlich 559 000 Euro herauskommen. Das ist unabhängig von der Tatsache, dass es sich um eine Versicherung handelt, nichts anderes als ein Sparvertrag mit hohem Startkapital, und die Verzinsung beträgt 4,6 Prozent pro Jahr, wenn die Prognose über die Ablaufleistung stimmt.
Neuer Festzins ist höher als Rendite
Im selben Zeitraum muss der Anwalt bei dem Darlehen, das mit einem neuen Festzins ausgestattet werden soll, mit Kosten von 5 bis 5,5 Prozent rechnen. Bei beiden Verträgen, sowohl bei der Hypothek als auch bei der Versicherung, spielen Steuern keine Rolle, weil weder die Soll- noch die Habenzinsen beim Finanzamt zu deklarieren sind.
Vor diesem Hintergrund ist die Auflösung der Versicherung sinnvoll, weil die Rendite unter dem Sollzins des Kredites liegt, und das heißt im Klartext: Weg mit der Versicherung, weg mit der Hypothek. Darüber hinaus stellt sich die Frage, was mit den übrigen 56 000 Euro geschehen soll.
Es geht manchmal nicht ohne Druck
Hier gibt es nach Lage der Dinge nur eine Antwort. Bevor der Betrag in Anlagen, die vermeintlich sicher sind, oder in Investitionen, die hoffentlich rentabel sind, gesteckt wird, sollte das Restkapital zum Abbau des zweiten Eigenheimkredites verwendet werden. Dadurch wird die Schuld auf 134 000 Euro reduziert, und wenn die laufende Rückzahlung auf 2500 Euro pro Monat erhöht wird, kann der Kredit bis zum Ende der Zinsbindung in voller Höhe getilgt werden.
Die erste Maßnahme ist in finanzieller Hinsicht nicht das Optimum, weil die Verzinsung der Kapitalversicherung über den Kreditkosten liegt, doch manchmal geht es im Leben nicht ohne Druck.
Ersparte Sollzinsen sind besser als Spekulation
Bevor der Anwalt auf dumme Gedanken kommt und das Restkapital an der Börse investiert, ist die Sondertilgung die bessere Lösung, weil der Jurist nicht mehr der Jüngste ist. Genauso ist es von Vorteil, alle Überschüsse der nächsten Jahre für die Rückzahlung der Schulden zu verwenden, weil ersparte Sollzinsen die sicherste Anlage sind, welche der Kapitalmarkt im Moment zu bieten hat.
Verzinsungen von über 4 Prozent nach Steuern sind zurzeit mit sicheren Geldanlagen nirgendwo zu erzielen, so dass es zur Tilgung teurer Schulden keine Alternativen gibt.
Renditen vergleichen und Kredite tilgen
Was älteren Anlegern recht ist, sollte jüngeren Investoren nur billig sein. Wer in Kürze ein Darlehen aufnehmen will oder seit Jahren einen Kredit abstottert, sollte bestehende Anlagen nüchtern unter die Lupe nehmen. Banksparpläne, Basisrenten, Bausparverträge, Kapitalversicherungen und Riesterrenten sind in der Regel sicher, doch im Vergleich zu den Krediten sind sie teure Vergnügen.
Daher kann der Aufruf nicht oft genug wiederholt werden, alle Geldanlagen und Sparverträge aufzulösen, deren Renditen unter den Kosten der Kredite liegen.
Dieser Schritt kann ein Segen sein
Die Kündigung der Verträge und die Umstellung der Kredite sind zwar in der Regel mit Arbeit und Gebühren verbunden, doch die Mühe lohnt sich, weil die Kosten gesenkt werden können. Vor diesem Hintergrund können Anleger mit Schulden trotz der Stürme, die im Augenblick über die Kapitalmärkte hinwegziehen, relativ ruhig bleiben. Die Verbindlichkeiten sind in vielen Haushalten dermaßen hoch, dass sich diese Privatleute um ihr Geld keine Sorgen machen sollten. Die Investition in Bildung, sprich: die eigene Arbeitskraft, die Vermeidung fragwürdiger Darlehen und die zügige Rückzahlung sinnvoller Kredite sind Anlagen, die stets Früchte getragen haben.
Unter diesem Aspekt kann die Kündigung bestehender Kapitalversicherungen sogar ein Segen sein. Die einzige Voraussetzung dieses Schnittes ist freilich die Tatsache, dass die mit dem Vertrag verbundene Risikoabsicherung, sei es der Todesfallschutz, sei es die Berufsunfähigkeitsrente, nicht mehr benötigt wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.743,75 | +0,23% |
| FAZ-INDEX | 1.504,98 | +0,28% |
| TecDAX | 779,97 | +0,79% |
| MDAX | 10.330,70 | +0,75% |
| SDAX | 5.011,19 | −0,25% |
| REX | 421,24 | −0,10% |
| Eurostoxx 50 | 2.487,37 | −0,04% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,41 | +0,19% |
| Dow Jones | 12.836,30 | −0,33% |
| Nasdaq 100 | 2.592,36 | +0,66% |
| S&P500 | 1.350,50 | −0,09% |
| Nikkei225 | 9.260,34 | +2,30% |
| EUR/USD | 1,3067 | −0,45% |
| Rohöl Brent Crude | 118,96 $ | +1,21% |
| Gold | 1.722,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,99 € | +0,33% |