06.11.2010 · Wer einen größeren Betrag aus der Lebensversicherung seiner Eltern erhält, muss sich um wichtige Versicherungen kümmern. Wer noch in der Ausbildung ist, sollte größere Risiken bei der Geldanlage vermeiden und höchstens ein paar Aktien beimischen.
Von Volker LoomanDer Abschluss von Lebensversicherungen gehört nicht zu den großen Leidenschaften der Deutschen. Die meisten Menschen haben mit diesen Verträgen emotionale Probleme, weil sie von dem Geld nichts wiedersehen werden. Falls sie am Leben bleiben, ist das Geld weg, und wenn sie sterben, kommen andere Menschen in den Genuss der Leistungen. Das ist Sinn und Zweck dieser Policen, und sie gehören zu den Pflichtverträgen in Familien. Vor allem junge Ehepaare mit kleinen Kindern sollten die finanziellen Aufwendungen nicht scheuen. Versicherungen können zwar den Ernährer nicht ersetzen, aber die finanziellen Einbußen etwas mildern. Wenn es aber soweit ist, stehen manche Begünstigte ratlos da. Wie soll nach dem Tod eines geliebten Menschen der Geldbetrag einer Versicherung sinnvoll und vernünftig angelegt werden?
Ein junger Mann ist 20 Jahre alt. Er hat vor einem Jahr mit dem Studium begonnen. Die Eltern des Studenten haben sich schon vor vielen Jahren getrennt, und der Jüngling hat die letzten Jahre bei seinem Vater gelebt. Die Ausbildung ist, so haben sich die Eltern bei der Scheidung geeinigt, Sache des Vaters, und das hat den Mann, einen freiberuflichen Fotografen, zum Abschluss einer Risikolebensversicherung in Höhe von 200.000 Euro bewogen. Vor drei Monaten ist der Vater nach einem Herzinfarkt gestorben, und nun ist das Geld auf dem Konto des jungen Mannes eingegangen.
Erst die Pflichten, dann die Kür
Es liegt in der Sache der Natur, dass die Empfänger mit solchen Fragen überfordert sind. Gespräche über Geld sind in Deutschland ein Tabu, und daran wird sich auch in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht viel ändern. Vor diesem Hintergrund müssen Menschen, die plötzlich zu Geld gekommen sind, einfach darauf vertrauen, die richtigen Menschen zu finden, die ihnen beim Umgang mit dem Geld behilflich sind. Banken mögen zwar erste Adressen sein, doch ob sie die richtigen Partner sind, steht in den Sternen.
Im vorliegenden Fall muss sich der junge Mann, so makaber das klingt, umgehend Gedanken darüber machen, was mit den 200.000 Euro passieren soll, wenn er ums Leben kommt. Wenn nichts geschrieben steht, wie es so schön heißt, gilt beim Tod des Studenten die gesetzliche Erbfolge. Das Nachlassgericht prüft, ob Kinder vorhanden sind. Wenn es keine Nachkommen gibt, geht die Suche in die andere Richtung weiter. Leben die Eltern noch, gibt es weitere Verwandte? Der Vater ist zwar tot, doch die Mutter lebt noch, so dass sie die 200.000 Euro bekommen würde. Falls der junge Mann mit dieser Regelung einverstanden ist, muss er nichts unternehmen. Will der Student das Geld jedoch anderen Menschen zukommen lassen, zum Beispiel einer Freundin oder einer Hilfsorganisation, muss er zu Füller und Papier greifen und ein Testament schreiben.
Wenn diese Aufgabe erledigt ist, folgen weitere Pflichten, bevor es zur Kür geht. Der angehende Akademiker hat keine Haftpflichtversicherung. Das war bisher auch nicht nötig, weil er bei seinem Vater mitversichert war. Das Privileg besteht nicht mehr, so dass nun ein eigener Vertrag notwendig ist. Der Abschluss geeigneter Policen ist heute im Internet möglich, und zu den Lieblingen vieler Makler und Vermittler gehört die Haftpflichtkasse in Darmstadt. Hier gibt es für eine Prämie von knapp 100 Euro alles, was an Absicherung gegen Haftpflichtschäden notwendig ist.
Eine Lösung mit vielen Haken
Die zweite Absicherung ist die Krankenkasse. Auch hier war der Student beim Vater mitversichert. Der Schutz ist hinfällig geworden. Der junge Mann ist zwar Halbwaise, doch er erhält keine Rente, weil der Vater freischaffender Künstler war und um Versorgungswerke aller Art einen Riesenbogen gemacht hat. Folglich bleibt dem Student nichts anderes übrig als sich selbst zu versichern. Hier bietet sich die Krankenversicherung der Studenten an. Die monatliche Prämie beträgt 65 Euro. Der Satz ist bei allen Krankenkassen gleich und gilt in West- und Ostdeutschland.
Über die dritte Absicherung - die Vorsorge gegen die Folge der Berufsunfähigkeit - gehen die Auffassungen auseinander. Die Anhänger vertreten die Meinung, dass mit der Vorsorge gar nicht früh genug begonnen werden kann, und die Gegner sind der Ansicht, dass Vorsorge auch Grenzen habe. Die Unfallversicherung ist eine Lösung mit vielen Haken, weil die Unternehmen die Leistungen - entweder Abfindungen oder Renten - nur nach Unfällen erbringen müssen. Die Rente bei Berufsunfähigkeit wird aber auch bei einer schweren Krankheit bezahlt.
Vorsicht bei der Erwerbsunfähigkeitsklausel
Bei Studenten wird in der Regel der angestrebte Beruf versichert. Das ist bei Ingenieuren, Juristen und Medizinern kein Problem. Wer sich freilich mit Japanologie oder Sinologie beschäftigt, wird gewaltige Probleme haben, eine willige Gesellschaft zu finden, welche den gewünschten Schutz bietet. Die meisten Gesellschaften begrenzen die Absicherung auf eine Rente von 1000 Euro im Monat.
Vorsicht ist geboten bei der Erwerbsunfähigkeitsklausel. Das bedeutet im Klartext, dass die Versicherung nur zahlt, wenn der Versicherte überhaupt nicht mehr arbeiten kann, was in der Praxis freilich kaum vorkommt. Wer die passende Gesellschaft findet, die auf solche Einschränkungen verzichtet, muss mit monatlichen Prämien von 40 bis 50 Euro rechnen, so dass die Absicherung bei Krankheit und Invalidität ungefähr 100 Euro im Monat kostet.
Der Posten ist der Auftakt zu einer Aufstellung der monatlichen Ausgaben. Sie sind der Dreh- und Angelpunkt für die richtige Anlage der 200.000 Euro. Im vorliegenden Fall kostet das Zimmer etwa 300 Euro. Für die Verpflegung in der Mensa und zu Hause müssen 200 Euro aufgewendet werden. Das Auto belastet die Kasse mit 100 Euro. Bücher und Freizeit verschlingen weitere 100 Euro, so dass unter dem Strich ungefähr 800 Euro im Monat oder knapp 10 000 Euro im Jahr zusammenkommen.
Wer die notwendigen Mittel besitzt, sollte nicht lange fackeln
Damit kommt Licht in das Dunkel, wie das Geld angelegt werden kann. Bei einer Studiendauer von fünf Jahren sind insgesamt 50 000 Euro notwendig. Sie müssen bombenfest angelegt werden, weil sonst das Fundament wackelt. Die Aussage gilt in abgeschwächter Form auch für Sonderzahlungen. Der junge Mann will sich zum Beispiel in einem Jahr ein neues Auto kaufen, weil das alte Fahrzeug schon 250 000 Kilometer auf dem Tachometer hat. Hierfür sind 10.000 Euro bereitzuhalten. Außerdem möchte der angehende Akademiker nach dem Bachelor zwei Semester in Moskau studieren. Die Verwirklichung dieses Wunsches wird 20.000 Euro kosten. Das führt in der Summe zu Ausbildungskosten von 80.000 Euro.
Man kann lange darüber streiten, ob das viel oder wenig Geld ist. Wer solche Pläne hat und die notwendigen Mittel besitzt, die Vorhaben zu verwirklichen, sollte mit der Umsetzung nicht lange fackeln. Die Investition in die eigene Bildung dürfte für junge Leute die beste Anlage sein, die es gibt. Der kleine Zahlungsplan lässt sich mit Hilfe eines Girokontos und fünf Sparbriefen sicher umsetzen. Die ersten 10.000 Euro fließen auf das Girokonto. In einem Jahr werden für das Auto und den Konsum insgesamt 20.000 Euro benötigt. In 24 Monaten sind für das Auslandsjahr noch einmal 20.000 Euro erforderlich. Danach werden drei Jahre jeweils 10.000 Euro benötigt.
Zinsen spielen keine Rolle
Sparbriefe mit Zinsansammlung und Laufzeiten von zwölf Monaten bis fünf Jahren sind preisgünstig und sicher. Beim Erwerb fallen keine Kosten an, und die Papiere sind durch den Sicherungsfonds der Banken geschützt. Die Zinsen sind im Augenblick im Keller. Sie bewegen sich je nach Laufzeit zwischen 1,3 und 3 Prozent. Davon sollte sich der Student aber nicht beeindrucken lassen. Für die 80.000 Euro sind Sicherheit und Verfügbarkeit die wichtigsten Kriterien. Da spielen Zinsen keine Rolle.
Das kann sich bei den restlichen 120.000 Euro ändern. Trotzdem sollte auch bei diesem Betrag die Kirche im Dorf stehen bleiben. In sechs Jahren wird die Ausbildung zu Ende sein. Was danach kommt, steht in den Sternen. Möglicherweise wird der Betriebswirt in die Industrie gehen, vielleicht wird er sich selbständig machen. Das hat auf die Geldanlage erhebliche Auswirkungen. Wenn der Hang zur Sicherheit groß ist, sollten auch die 120.000 Euro in einen Sparbrief mit fünfjähriger Laufzeit gesteckt werden. Dafür gibt es drei Prozent im Jahr, und in fünf Jahren werden die Karten neu gemischt.
Sollte das Verlangen nach Chancen nicht zu unterdrücken sein, sollten 60.000 Euro in einen Sparbrief und 60.000 Euro in einen börsengehandelten Indexfonds wie den Stoxx 600 angelegt werden. Dahinter verbergen sich 600 Unternehmen aus ganz Europa, so dass die Risiken breit gestreut sind. Außerdem kostet das Papier nicht viel Gebühren.
Eine gewagte Kalkulation - wie so oft
Martin Enzinger (FlorianGeyer)
- 06.11.2010, 18:33 Uhr
Da fragt man sich ...
Jack Banana (bananajack)
- 06.11.2010, 19:14 Uhr
Alternativ...
Thomas Bleisteiner (sandfloh)
- 06.11.2010, 22:12 Uhr
Risiko?!
Philipp John Butler Ransohoff (PhilippJohn)
- 06.11.2010, 23:05 Uhr
Analysen eines Finanzexperten
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