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Die Vermögensfrage Streuung und Geduld bleiben die besten Empfehlungen

03.01.2009 ·  Von Volker Looman

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Das neue Jahr ist noch jung. Trotzdem plagt manchen Anleger schon wieder der Gedanke, wie sich die Kapitalmärkte in der nächsten Woche entwickeln werden. Die wirtschaftlichen Ereignisse des vergangenen Jahres sind zum Teil schlimm, und der Erdrutsch hat bei vielen Privatleuten das Gefühl ausgelöst, dass es keine Sicherheit mehr gibt. Dieser Eindruck ist richtig und wahrscheinlich die beste Lektion, die das vergangene Jahr liefern konnte. Es gibt weder in der Liebe noch in der Gesundheit oder beim Geld irgendwelche Garantien. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Hinzu sollte nur die Erkenntnis kommen, dass werthaltige Anlagen nicht beliebig vermehrbar ist. Wer in der Hoffnung lebt, durch Zinsen und Zinseszinsen reich zu werden, sollte diesen Traum so bald wie möglich begraben, da die Natur in anderen Maßstäben wächst.

Vor diesem Hintergrund können Anleger nur an dem bewährten Prinzip festhalten, dass die breite Streuung in einfache Geldanlagen und die Hoffnung auf "maßvolle" Erträge die allerbeste Versicherung gegen die Widrigkeiten des Alltages sind. Umgekehrt bezahlen Investoren, die von 10 oder 15 Prozent im Jahr träumen und ihre Pläne ständig über den Haufen werfen, viel Geld für diese Einstellung. Daher sollte das neue Jahr mit der Bilanz des Vermögens beginnen und der Einstellung fortgesetzt werden, dass Vermögenspläne keine Eintagsfliegen sind. Wie das geht, wird in folgendem Beispiel deutlich.

Lebensabend in vollen Zügen genießen

Ein Anleger ist 65 Jahre alt, und seine Frau ist 60 Jahre jung. Die beiden Anleger haben sich im Laufe ihres Lebens ein kleines Vermögen aufgebaut. Das Ehepaar wohnt in einem schuldenfreien Eigenheim, das ungefähr 400.000 Euro wert ist. Die monatlichen Renten summieren sich auf 3000 Euro. Auf den Konten mehrerer Banken liegen Festgelder in einer Größenordnung von 100.000 Euro, Sparbriefe im Umfang von 200.000 Euro und Staatsanleihen im Wert von 300.000 Euro. Das Vermögen sollte Anlass sein, um den Lebensabend in vollen Zügen zu genießen. Davon sind die beiden Anleger im Moment aber weit entfernt. Sie machen sich Sorgen über das freie Vermögen und haben das Gefühl, mit den Anlagen unter die Räder zu geraten. Wie können die Anleger ihre Angst bekämpfen? Wie sollen sie sich gegen die täglichen Meldungen über wackelnde Banken und schwankende Börsenkurse zur Wehr setzen? Die Antwort ist einfach, doch die Umsetzung ist schwierig. Das Ehepaar sollte, um es spitz auszudrücken, keinen Wochenplan, sondern einen Jahresplan entwickeln, wie das Geld anzulegen ist. Sie sollten den Plan mit Hartnäckigkeit und Sturheit umsetzen und - das ist vielleicht die wichtigste Botschaft - weniger in den Fernseher und die Zeitung schauen, weil schlechte Nachrichten das Leben erheblich verkürzen können.

Sinn und Zweck der Bilanz ist die sinnvolle Aufteilung des Vermögens. Seit Jahr und Tag wird über die Qualität der Finanzberatung in Banken, Bausparkassen und Versicherungen geklagt. Die Anleger vermissen zum Beispiel, dass sich viele Berater nicht genügend Zeit nehmen, um mit ihren Kunden ausführlich über das gesamte Privatvermögen zu sprechen. Und sie ärgern sich darüber, dass die meisten Beratungen in schnelle Empfehlungen münden, das Geld in diese oder jene Anlage zu stecken. Die Kritik ist zum Teil berechtigt. Doch solange die Anleger weder die Karten auf den Tisch legen, weil die Bank nicht alles wissen soll, noch genau sagen können, was sie wollen, wird die Qualität der Beratung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht steigen.

Alle Anlagen und Kredite auflisten

Die Aufstellung privater Vermögensbilanzen beginnt mit der Auflistung aller Anlagen und Kredite. Dazu gehören nicht nur Aktien, Anleihen, Immobilien und Kredite, sondern auch Arbeitskraft, Rentenansprüche und Lebenshaltungskosten. Einkommen, Renten und Konsum sind für die meisten Menschen aber kein Vermögen, so dass es kein Wunder ist, dass diese Positionen unter den Tisch fallen. Das ist auf der einen Seite kein Beinbruch. Doch auf der anderen Seite dürfen sich Anleger auch nicht darüber wundern, dass die Entscheidungen, die aus den Bruchstücken gezogen werden, zum Teil fragwürdig sind.

Die fehlende Kapitalisierung der Pensionen führt zum Beispiel zu Ängsten und Sorgen, die unnötig sind wie ein Kropf. Wer 65 Jahre alt ist und einen lebenslangen Versorgungsanspruch von monatlich 3000 Euro hat, besitzt Geld im Wert von 500 000 Euro. Dahinter verbirgt sich die Kalkulation, dass der Anleger noch 20 Jahre leben wird und die Zahlungen mit 4 Prozent auf die Gegenwart abgezinst werden. Hinzu kommen das Haus und die Wertpapiere, so dass sich die Anleger im vorliegenden Fall drehen und wenden können, wie sie wollen. Sie sind kleine Millionäre und werden bis zum Lebensende ihr Auskommen haben.

Das Kopfschütteln über diese Betrachtung, von Kritikern als orientalische Rechenkunst verspottet, beginnt bei der Abzinsung der Renten. Die meisten Anleger multiplizieren 500 000 Euro mit 4 Prozent und kommen auf Zinsen von 20 000 Euro im Jahr. Der zwölfte Teil des Betrages führt zu einer Rente von 1667 Euro je Monat, so dass sich viele Anleger fragen, wie bei dieser Rechnung monatlich 3000 Euro herauskommen sollen. In ihren Augen sind dafür 900 000 Euro notwendig. Das ist freilich nicht richtig.

Kapitalverzehr unterstellt

Die Abzinsung der laufenden Zahlungen unterstellt den "Verzehr" des Kapitals. Im vorliegenden Fall müssen die Renten, wenn die Sterbetafeln stimmen, schätzungsweise 240 Monate bezahlt werden. Danach ist die Sache zu Ende. Wird aber nur mit den Zinsen gerechnet, so wird unterstellt, dass am Ende auch noch das Kapital, in diesem Fall also 900 000 Euro, ausgezahlt werden müssen. Das ist bei Pensionen und Renten aber nicht der Fall, so dass der angemessene Wert niedriger ist und im vorliegenden Fall nur 500 000 Euro beträgt.

Was für die Ansprüche gilt, muss natürlich auch für Pflichten gelten. Die monatlichen Ausgaben für Essen, Trinken, Haus, Auto und Urlaub müssen ebenfalls abgezinst und als Schuld in die Bilanz gestellt werden. Wer zum Beispiel monatlich 5000 Euro fürs tägliche Leben braucht, benötigt bei einer "Restlaufzeit" von 20 Jahren und einem Zins von 4 Prozent mindestens 833 000 Euro, um über die Runden zu kommen. Das heißt im vorliegenden Beispiel, dass von dem Gesamtvermögen ungefähr 56 Prozent so anzulegen sind, dass die monatlichen Entnahmen auch möglich sind.

Im vorliegenden Fall besteht das Vermögen aus sechs Positionen. Renten (500.000 Euro) plus Eigenheim (400.000 Euro) plus Festgelder (100.000 Euro) plus Sparbriefe (200.000 Euro) plus Staatsanleihen ergeben unter dem Strich einen Betrag von 1.500.000 Euro. Davon sind über das Eigenheim (400.000 Euro) hinaus wenigstens 833 000 Euro sicher anzulegen. Folglich beträgt das Spielgeld ungefähr 267 000 Euro. Mit diesem Betrag kann in Theorie und Praxis gespielt werden, weil die beiden Senioren auf diesen Rest nicht angewiesen sind.

Die Aufteilung des Vermögens ist eine Grundsatzfrage und keine Mode. Das ist zwar eine Binsenweisheit, doch in der Praxis sind nur wenige Anleger bereit, in schriftlicher Form festzulegen, wie viel Geld in welchen Topf fließen soll. Statt dessen wird die Struktur bei Kaffee und Kuchen ausgewürfelt, und die Aufteilung wird, das ist noch viel schlimmer, nach Gefühl und Wellenschlag verändert, frei nach dem Motto: Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln. So kommen freilich nur wenige Anleger auf einen grünen Zweig, weil die Kosten der Umschichtung hoch sind und das Vermögen unter Berücksichtigung von Steuern und Inflation ins Minus rutscht. Der kluge Anleger legt unabhängig von der Wetterlage fest, wie viel Geld in die einzelnen Töpfe fließt. Und er bleibt diesem Plan treu.

Auf vermeintlich sichere Konten

Im vorliegenden Fall hat das Ehepaar im vergangenen Jahr das freie Kapital auf Konten umgeschichtet, die ihrer Meinung nach sicher sind. Ob die Anlagen jedoch auch objektiv rentabel und sicher sind, steht in den Sternen. Erstens sind die Erträge niedrig, zweitens ist das Finanzamt gierig, und drittens stellt sich die Frage, wie die Staaten die üppigen Garantien, die sie in den vergangenen Wochen übernommen haben, auf Dauer finanzieren wollen. Wer mehr verspricht, als er halten kann, handelt letztlich genauso wie die gescholtenen Banken. Daher kann die Devise für das Ehepaar nur lauten, das Geld breit zu streuen und kostengünstig anzulegen. Im vorliegenden Fall ist es denkbar, die Hälfte in Anleihen, ein Viertel in Immobilien und jeweils ein Achtel in Aktien und Gold anzulegen. Das ist eine solide Mischung, bei der auf Dauer nicht viel anbrennen kann. Betragsmäßig sind folglich 750 000 Euro in Anleihen. 375 000 Euro in Immobilien und jeweils 187 500 Euro in Aktien und Gold zu investieren.

Die Umsetzung duldet keinen Aufschub, weil der richtige Zeitpunkt nicht bestimmbar ist. Das Fundament besteht aus Rentenansprüchen und Anleihen. Hierfür kommen je nach Mentalität entweder Sparbriefe oder Obligationen in Frage. Die einen Papiere sind frei von Kursschwankungen, sind jedoch bis zur Fälligkeit nicht verkäuflich, bei den anderen Papieren verhält es sich genau umgekehrt. Die Immobilien sind durch das selbstgenutzte Haus belegt. Der Kauf von Aktien und Gold dürfte im Moment auf großen Widerstand stoßen. Wer viel Geld an der Börse verloren hat, wird in der Regel kaum bereit sein, jetzt wieder Aktien zu kaufen. Genauso sieht es beim Gold aus, dessen Preis in jüngster Zeit so kräftig gestiegen ist, dass die Gefahr besteht, dass die Kurse wieder sinken. Gefühle sind in stürmischen Zeiten freilich schlechte Ratgeber. Besser sind Strategie und Disziplin. Was gestern richtig war, wird über Nacht nicht falsch. Daher ist die Beharrlichkeit, das Ziel trotz der rauhen See nicht aus den Augen zu verlieren, vielleicht der größte Schatz.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen

Quelle: F.A.Z.
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