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Die Vermögensfrage Rentensparpläne sind oft ein Buch mit sieben Siegeln

29.03.2009 ·  Viele Privatleute lehnen zwar die Zwangsrente ab, kommen aber mit freien Geldanlagen nicht zurecht. Sie wollen Flexibilität und nehmen die Versorgung selbst in die Hand. Doch der ständige Blick auf Kontoauszüge kann den Lebensabend vermiesen.

Von Volker Looman
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Die Finanzkrise bringt nicht nur Großanleger in Bedrängnis, sondern sorgt auch unter kleinen Sparern für Unruhe. Banken, Bausparkassen und Versicherungen bieten wie in alten Zeiten ihre Banksparpläne, Bausparverträge, Investmentfonds und Kapitalversicherungen an. Doch die Kundschaft ist misstrauisch geworden. Wie steht es um die Sicherheit der Anlagen? Was kann gegen die drohende Inflation getan werden? Es gibt viele Fragen, aber nur wenige Antworten. Allerdings werden sich die Anleger daran gewöhnen müssen, dass die Erträge gering sind und das Vermögen im Alter mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgezehrt werden muss und nicht vererbt werden kann. Das wird in folgendem Beispiel deutlich.

Ein Zahnarzt ist 45 Jahre alt. Er ist verheiratet, lebt im schuldenfreien Eigenheim und wird in wenigen Wochen endlich Vater. Der Mann muss allerdings das Problem lösen, monatlich 500 Euro, die er nicht braucht, sicher und rentabel anzulegen.

Kariöse Offerten

Der jüngste Vorschlag stammt aus dem Versorgungswerk des Zahnarztes. Die Damen und Herren der berufsständischen Rentenanstalt haben dem verehrten Kollegen vorgeschlagen, mit freiwilligen Zuzahlungen die Rente aufzubessern. Frei nach dem Motto: „Kommen Sie zu uns, hier ist die Welt noch in Ordnung!“ Er soll bis zum Ruhestand, so die einfache Rechnung, monatlich 440 Euro in die Kasse der Heilberufler einzahlen. Dafür winkt bis zum Lebensende eine monatliche Zusatzrente von 360 Euro.

Der Vorschlag löst bei dem Mediziner eine gewisse Skepsis aus. Die Zweifel sind berechtigt. Wer dem Angebot auf den Zahn fühlt, muss erkennen, dass die Offerte kariös ist. Der Zahnarzt ist 45 Jahre alt, und das Geschäft wird, falls der Mediziner die Prognosen der deutschen Aktuare nicht über den Haufen wirft, noch 40 Jahre leben.

In Zahlen ausgedrückt heißt dies, dass der Anleger bis zum gewünschten Rentenbeginn in 15 Jahren zunächst 180 Raten à 440 Euro einzahlen wird. Danach werden bis zum Lebensende voraussichtlich 300 Renten à 360 Euro zurückfließen. Dies führt zu Ausgaben von 79.200 Euro und Einnahmen von 108.000 Euro - ein Überschuss von 28.800 Euro.

Bei höherer Lebenserwartung steigen die Zinsen

Das ist zwar Geld. Doch wer auf den Euro und die Zeit schaut, wird sich auch für den Zins interessieren, und da wird es lange Gesichter geben, weil die Rendite nur 1,6 Prozent pro Jahr beträgt. Daran wird auch die Tatsache nicht viel ändern, dass die Aufwendungen steuerlich Sonderausgaben darstellen und die Rückflüsse zu einem Satz versteuert werden müssen, der mit hoher Wahrscheinlichkeit unter der heutigen Abgabenlast liegen wird. Was vor Steuern nicht passt, kann auch nach Steuern nicht passend gemacht werden.

Kurzum: Das Angebot ist vor Steuern flau, weil es 1,6 Prozent abwirft, und die Offerte bleibt auch nach Steuern mau, weil die Verzinsung lediglich 2,3 Prozent erreicht. Erst wenn der Zahnarzt wenigstens 95 Jahre alt wird, hat er gute Karten. Dann klettert die Verzinsung der Geldanlage auf 3,2 Prozent nach Steuern, was aus heutiger Sicht wiederum ein gutes Ergebnis wäre.

Bei einer Lebenserwartung von 75 oder 80 Jahren ist es kein Wunder, dass der Ruf nach Alternativen laut wird. Sie sind aber mit großer Vorsicht zu genießen, weil sie in vielen Fällen kaum besser sind.

Basisrente: Bei frührem Ableben verwirkt das Geld

Die erste Verlockung heißt Basisrente. Hier kann der Zahnarzt wie beim Versorgungswerk die monatlichen Aufwendungen als Sonderausgaben geltend machen. Im Gegenzug muss er die späteren Renten der persönlichen Besteuerung unterwerfen.

Der maßgebliche Unterschied ist die Hoffnung auf höhere Zinsen. Beim Versorgungswerk gibt es nach Lage der Dinge jährlich 1 bis 2 Prozent, bei Versicherern wie der Allianz oder der Debeka, um zwei solide Unternehmen zu nennen, sind jährliche Zinsen von 3,5 Prozent denkbar. Das führt zu einer Rente von 515 Euro pro Monat und einer Verzinsung von 4,2 Prozent nach Steuern, wenn dieselben Zahlungen wie an das Versorgungswerk geleistet werden.

Die höhere Rente wird unter Anlegern, die in erster Linie auf den Ertrag sehen, gewisse Begehrlichkeiten wecken. Doch die Zinsjäger dieser Republik sollten die Vorteile in Geld umrechnen, bevor sie zur Unterschrift schreiten. Der Barwertvorteil der Basisrente beträgt 20.000 Euro.

Das ist auf der einen Seite eine ordentliche Summe Geld, auf der anderen Seite winkt jedoch wie im Versorgungswerk lebenslange Haft. Der Zahnarzt muss Geld verdienen, um Steuern sparen zu dürfen; er muss regelmäßig in den Topf einzahlen, und das Geld fließt im Alter nur in Form der Rente zurück. Entnahmen oder Verfügungen sind nicht möglich. Genauso muss der Anleger auf ein langes Leben vertrauen, weil das Geld bei frühem Ableben in aller Regel verwirkt ist.

Freiheit ist den meisten wichtiger

Die finanzielle Freiheit ist vielen Privatleuten so wichtig, dass die Basisrente kein Verkaufsschlager geworden ist. Die meisten Anleger wollen beim Eintritt in den Ruhestand die Wahl zwischen Kapital und Rente haben. Das ist auch der Hauptgrund, warum zum Beispiel die private Rentenversicherung nicht ausgestorben ist. Der alte Klassiker ist zwar wie das Versorgungswerk oder die Basisrente ein Rentensparplan mit Einzahlungen und Rückflüssen.

Doch der Anleger kann beim Eintritt in den Ruhestand wählen: Entweder ruft er das angesammelte Geld ab, bezahlt die Steuern auf die Hälfte der Zinsen und macht mit dem Rest, was er will; oder er verrentet das Kapital und entrichtet Steuern auf den Ertragsanteil der Renten. Im zweiten Fall kommt unter dem Strich eine Rendite von 3,1 Prozent nach Steuern heraus, so dass die Anlage zwischen dem Versorgungswerk und der Basisrente liegt.

Wer die Obhut des Versorgungswerkes und der Versicherung nicht mag, muss die Sache selbst in die Hand nehmen. Das sieht auf den ersten Blick verlockend aus. Doch bei genauem Hinsehen ist der Optimismus nur von kurzer Dauer.

Der ständige Blick auf die Kontoauszüge vermiest den Lebensabend

Freiheit bedeutet in aller Regel, dass das Kapital in Anleihen und Aktien investiert werden muss. Wird das Geld zum Beispiel zu 100 Prozent in Anleihen gesteckt, die vor Steuern wenigstens 3,5 Prozent abwerfen, kommen nach Abzug der Steuern jährlich 2,6 Prozent heraus. Das ist nicht viel mehr als die Rente des Versorgungswerkes. Der wichtigste Unterschied ist die Freiheit, mit dem Geld nach Belieben umgehen zu können. Hier lügen sich die meisten Anleger aber in die Tasche.

Wer Senioren beim Umgang mit Geld beobachtet, wird schnell merken, dass aus dem Traum, sich ein schönes Leben zu machen, schnell der Albtraum wird, dass es nicht reichen könnte. Die Bezieher von Renten richten ihr Leben auf die regelmäßigen Bezüge aus. Doch wer Anleihen und Aktien hortet, studiert im Alter vorzugsweise Kontoauszüge und neigt dazu, das Leben an sich vorüberziehen zu lassen.

Die Mischung aus Anleihen und Aktien mag bis zur Pensionierung ertragbar sein; danach sind Anleihen und Rentenversicherung in vielen Fällen aber die bessere Lösung.

Der Autor ist Finanzanalytiker in Reutlingen.

Quelle: F.A.Z.
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