12.04.2008 · Dachfonds, die in Einzelfonds anlegen, gelten als Allzweckwaffe vor der Einführung der Abgeltungsteuer. Doch hohe Gebühren treiben die Rendite der Geldanlage in den Keller. Die Vermögensfrage.
Von Volker LoomanDie Dresdner Bank haut im Geschäft mit vermögenden Privatkunden derzeit mächtig auf die Pauke. Wer sein Vermögen erfolgreich vermehren wolle, müsse Chancen nutzen und Risiken einschätzen können, schreibt die grüne Beraterbank aus Frankfurt in einem Prospekt über Dachfonds. Um aber den Aufwand in Grenzen zu halten, so heißt es weiter, sei Expertenwissen notwendig. Und hierfür biete sich das Fachwissen der Bank an, weil es im Leben darauf ankomme, sich eher den schönen Dingen zu widmen.
Wer sein Geld der Bank anvertraut und sich danach entspannt zurücklehnt, wie das Unternehmen mit salbungsvollen Worten empfiehlt, sollte in Zukunft freilich besser nicht auf die Abrechnung sehen, weil die jährlichen Gebühren von 3 Prozent eine Gefahr für Leib und Seele des Anlegers sein können. Die Bank ist zwar der Meinung, dass die Konditionen für die Kunden attraktiv und transparent seien. Doch da müssen die Werber irgendwie die Bodenhaftung verloren haben. Die Sache rechnet sich für die Anleger hinten und vorne nicht. Und das hat, wie ein kurzer Blick hinter die Kulissen und in die Tabelle zeigt, sehr einfache Gründe.
Kursgewinne bleiben steuerfrei
Dachfonds sind eine pfiffige Idee, weil sie jedem Anleger die Möglichkeit bieten, ein Vermögen mit wenigen Handgriffen breit zu streuen. Wer zum Beispiel einen Betrag von 50.000 Euro in Anleihen, Immobilien und Aktien anlegen möchte, wird in der Praxis auf große Schwierigkeiten stoßen, wenn er versucht, für das Geld einzelne Titel zu kaufen. Mit Wertpapieren mag das noch klappen, weil Anleihen und Aktien auch in kleinen Stücken gekauft werden können. Doch spätestens mit Immobilien wird der Investor scheitern, weil der Anlagebetrag für ein Haus oder eine Wohnung zu klein ist. Aus diesem Grund sind Investmentfonds die beste Lösung, um mit kleinen Summen in große Geschäfte einzusteigen - und Dachfonds sind das ideale Werkzeug, um die Geldanlage unter steuerlichen Gesichtspunkten zu optimieren.
Ab dem kommenden Jahr gilt in Deutschland die Abgeltungsteuer. Sie zwingt die Anleger dazu, von allen Zinsen und Kursgewinnen jeweils ein Viertel an die Staatskasse abzuführen. Die Regel gilt sowohl für Einzeltitel als auch für Investmentfonds. Wer nach dem 1. Januar 2009 ein Papier kauft und es zum Beispiel am 30. Juni 2012 wieder verkauft, muss erstens die jährlichen Zinsen der Abgeltungsteuer unterwerfen und zweitens ein Viertel des Kursgewinns abgeben, wenn der Verkaufswert über dem Einstandspreis liegen sollte. Ausgenommen von dieser Regel sind nur Anlagen, die vor dem 1. Januar 2009 gekauft und bis zum Verkauf nicht angerührt werden. Hier unterliegen nur die jährlichen Zinsen der Abgeltungsteuer, doch die Kursgewinne bleiben steuerfrei.
Die Anleger erwerben mit dem Fonds lediglich ein Wertpapier
Die Regel ist auf den ersten Blick eine Einladung an alle Privatanleger, ihr Vermögen in einen Investmentfonds zu stecken. Die Anleger erwerben mit dem Fonds lediglich ein Wertpapier, obwohl das Kapital letzten Endes in 100 oder 200 Wertpapieren angelegt wird. Solange dieser Fonds nicht verkauft wird, kann der Fondsverwalter nach Belieben kaufen und verkaufen, ohne auf Kursgewinne die Abgeltungsteuer bezahlen zu müssen. Was für den Einzelfonds gültig ist, gilt natürlich auch für den Dachfonds. Wer beispielsweise 100.000 Euro in einen solchen Dachfonds steckt, kauft wiederum nur ein Wertpapier, obwohl das Kapital über Zielfonds letzten Endes in 500 oder 1000 Einzeltitel angelegt wird. Solange der Anleger den Dachfonds hält, fällt auf alle Kursgewinne, die mit einzelnen Titeln erzielt werden, keine Abgeltungsteuer an.
Vor diesem Hintergrund liegt der Einstieg in einen Dachfonds vor dem 1. Januar 2009 eigentlich auf der Hand. Das Geld kann breit in Anleihen, Immobilien und Aktien gestreut werden - und Kursgewinne bleiben trotz Umschichtungen steuerfrei, weil der Dachfonds in steuerlicher Hinsicht ein Wertpapier ist. Die Vorzüge sind für die Banken in diesen Tagen ein willkommener Anlass, für ihre Dachfonds besonders kräftig die Werbetrommel zu rühren. Wegen der Kosten ist jedoch Vorsicht geboten. Ein Beispiel dafür liefert die schon genannte Beraterbank aus Frankfurt. Hier kostet der Einstieg in den Wachstumsfonds auf einen Schlag 3,5 Prozent. Hinzu kommen noch jährliche Gebühren von 1,8 Prozent für die Administration des Dachfonds. Bei den Zielfonds fallen dann noch einmal Kosten in vergleichbares Höhe an, wie das Kreditinstitut im Kleingedruckten des Prospekts schreibt. So wird die Anlage unter dem Strich mit jährlichen Kosten von über 3 Prozent belastet.
Die Auswirkungen werden in der Tabelle deutlich. Hier wird ein Dachfonds abgebildet, der mit dem konkreten Angebot der Beraterbank nicht deckungsgleich ist. Doch die Auswirkungen sind für den Anleger ähnlich. Der Dachfonds besteht aus drei Anlageklassen. 20 Prozent des Vermögens fließen in Anleihen, 10 Prozent gehen in Immobilien, und 70 Prozent wandern in Aktien. Bevor vom Kapital aber in Zielfonds investiert wird, wird erst einmal der Anleger zur Kasse gebeten. Er muss 3,5 Prozent des angelegten Vermögens bezahlen, um in den Club der Erlauchten aufgenommen zu werden. Das sind bei einem Betrag von 100.000 Euro genau 3500 Euro. Sie werden in der Tabelle als negative Ausschüttung dargestellt.
Zu dem Vermögen kommen die Ausschüttungen hinzu
Die künftigen Erträge der einzelnen Anlagen sind unbekannt. Deshalb kann darüber nur spekuliert werden. Das ist zwar heikel, doch ohne Spekulation geht es nicht, weil sonst die Gebühren im Dunkeln bleiben. Vor diesem Hintergrund gelten folgende Annahmen: Die Anleihen sollen dem Anleger vor Abzug der Abgeltungsteuer jährliche Erträge von 4 Prozent bescheren, die Immobilien sollen 5 Prozent liefern, die Aktien sollen 3 Prozent abwerfen. Kursgewinne fallen bei den Anleihen und bei den Immobilien nicht an. Bei den Aktien wird mit 5 Prozent pro Jahr gerechnet.
Die einzelnen Zahlen führen in der Summe, wenn die Prognosen stimmen, zu einem Vermögen von 144.000 Euro. Die Anleihen behalten ihren Wert von 10.000 Euro, die Immobilien bleiben auf 20.000 Euro stehen, die Aktien klettern von 70.000 auf 114.000 Euro. Zu dem Vermögen kommen die Ausschüttungen hinzu. Die Anleihen werfen nach Abzug der Abgeltungsteuer jährlich 600 Euro ab. Die Mieten der Immobilien sind zu 60 Prozent steuerpflichtig, so dass beim Anleger jährlich 425 Euro ankommen. Bei den Aktien kann sich der Anleger über Dividenden von 1575 Euro freuen. Das macht zusammen 2600 Euro. Doch von diesem Segen wird der Anleger nichts spüren, weil den Herren der Beraterbank das Hemd näher ist als die Hose.
Die Offiziere des Dachfonds fordern jährlich 1,8 Prozent des Vermögens als Entlohnung für ihre Arbeit, die Feldwebel der Zielfonds arbeiten auch nicht umsonst. Bei den Anleihen sind jährliche Gebühren von 85 Basispunkten fällig, bei den Immobilien kostet die Verwaltung jährlich 65 Basispunkte, bei den Aktien fallen 175 Basispunkte an. Das führt unter dem Strich zu jährlichen Aufwendungen, die bei 3384 Euro beginnen und im Laufe der Zeit auf 4823 Euro klettern.
Die beiden Endwerte sind subjektive Prognosen
Das muss kein Beinbruch sein, doch im vorliegenden Fall sind die Ausschüttungen niedriger als die Kosten, so dass der Anleger letztlich Schulden von 21.000 Euro anhäuft und das Vermögen am Ende der Veranstaltung nicht 144.000 Euro, sondern nur 123.000 Euro beträgt. Das führt für den Anleger, der sich zehn Jahre den schönen Dingen des Lebens widmen will, zu einer jährlichen Verzinsung von 2,09 Prozent. Ob bei diesem Wert richtig Freude aufkommt, muss jeder Anleger für sich selbst klären.
Es geht aber auch anders. Das beste Beispiel, wie mit geringeren Gebühren ebenfalls Geld zu verdienen ist, liefert Hannes Peterreins aus München. Der promovierte Vermögensverwalter bietet Dachfonds auf der Grundlage börsengehandelter Indexfonds an. Dort fallen Gebühren an, die sich zwischen 0,15 und 0,45 Prozent pro Jahr bewegen. Die Verwaltung des Dachfonds kostet wiederum 75 Basispunkte pro Jahr. Das führt in der Summe zu Werten, die bei 1000 Euro beginnen und im Laufe der Zeit auf 1440 Euro steigen. Dadurch kommt der Anleger jedes Jahr in den Genuss richtiger Ausschüttungen. Sie summieren sich bei einem Wiederanlagezins von 3 Prozent auf 14.550 Euro, so dass das Gesamtvermögen auf schätzungsweise 159.000 Euro steigt.
Die beiden Endwerte sind, um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen, subjektive Prognosen. Sie sollten aber nicht zu der Hoffnung verleiten, dass bei der Beraterbank höhere Endwerte erzielt werden. Wer sein Geld zu 20 Prozent in Anleihen, zu 10 Prozent in Immobilien und zu 70 Prozent in Aktien anlegt, wird nicht von Verwaltern in Frankfurt oder München, sondern von den Märkten entlohnt. Das heißt im Klartext, dass das Geld auch in Buxtehude oder Zinnwald verwaltet werden kann, weil bei identischer Anlage überall ähnliche Erträge erzielt werden und die Kosten der entscheidende Punkt sind. Wer freilich 26.000 Euro mehr ausgibt als nötig, badet im Reichtum. Das ist für jeden Schwaben viel Geld, weil es zehn Jahre jeden Tag für den Verzehr einer Flasche ordentlichen Trollingers reichen würde, und das ist beileibe eine handfeste Alternative.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.848,03 | +1,42% |
| FAZ-INDEX | 1.526,72 | +1,43% |
| TecDAX | 778,36 | +0,73% |
| MDAX | 10.441,40 | +1,41% |
| SDAX | 5.048,27 | +1,17% |
| REX | 422,26 | −0,26% |
| Eurostoxx 50 | 2.520,31 | +1,24% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,56 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.949,90 | +0,35% |
| Nasdaq 100 | 2.584,24 | −0,31% |
| S&P500 | 1.361,23 | +0,23% |
| Nikkei225 | 9.384,17 | +1,58% |
| EUR/USD | 1,3138 | +0,07% |
| Rohöl Brent Crude | 119,95 $ | −0,08% |
| Gold | 1.723,00 $ | +0,58% |
| Bund Future | 138,50 € | −0,16% |