30.05.2009 · Auch in Krisenzeiten gilt: Der Vermögensaufbau sollte in jungen Jahren beginnen. Dabei spielt die Zinshöhe bei kürzeren Laufzeiten nur eine sehr geringe Rolle. Geeignet sind flexible und sichere Sparverträge - Kredite führen dagegen in die Sackgasse.
Von Volker LoomanDie Zeiten für junge Akademiker sind nicht rosig. Hier kriselt der Arbeitsmarkt, dort schwächelt der Kapitalmarkt. Das geht in manchen Fällen kräftig an die Nieren, doch Jammern und Klagen sind in stürmischen Zeiten die schlechteste Medizin. Wer jung ist, sollte die Turbulenzen, so lapidar das klingt, nach Möglichkeit ignorieren. Krisen hat es auch in der Vergangenheit gegeben. Nichts wird so heiß gegessen, wie es zuvor gekocht worden ist. Und die Wolken werden auch wieder verziehen. Statt Trübsal zu blasen, ist es für junge Leute viel wichtiger, mit Optimismus und Zuversicht nach vorne zu blicken.
Klassische Sparverträge können knebeln
Das gilt auch für das liebe Geld. Die besten Voraussetzungen des privaten Vermögensaufbaus sind nicht Zinsen und Zinseszinsen, sondern Weiterbildung, Privathaftpflichtpolice, Krankenkasse und Absicherung gegen Berufsunfähigkeit. Kommt dann noch die Bereitschaft hinzu, einen Teil des Nettoeinkommens zu sparen, braucht niemandem bange zu sein.
Der richtige Weg zum Wohlstand hängt in starkem Maße von den Zielen der Anleger ab. Wer in jungen Jahren vom eigenen Dach über dem Kopf träumt, ist gut beraten, auf die klassischen Sparverträge der Banken und Bausparkassen zu setzen. Sie werden vor dem Bau oder Kauf des Eigenheims aufgelöst, um den Kredit so gering wie möglich zu halten. Folglich passen Verträge wie die Basisrente, Leibrente oder Riesterrente nicht ins Konzept.
Anders sieht die Situation aus, wenn das Eigenheim kein Thema ist. Nun scheinen langfristige Spar- und Rentenverträge von größter Wichtigkeit zu sein. Erstens gelten die Anlagen als sicher, und zweitens versprechen die Verträge hohe Steuervorteile. Allerdings haben die Produkte auch handfeste Nachteile. Sie sind Knebelverträge, und das ist vielen Anlegern gar nicht bewusst.
Zuerst kommt die Absicherung
Daher sollten sich die jungen Sparer vor allem mit der Grundsatzfrage beschäftigen, wie frei sie in finanzieller Hinsicht durchs Leben gehen wollen. Die schlichte Botschaft, früh an später zu denken, kann auch in der Sackgasse enden, und das wird in folgendem Beispiel deutlich.
Ein junger Betriebswirt ist 28 Jahre alt und verdient seit einem Jahr brutto 3.000 Euro pro Monat. Davon bleiben nach Abzug der Sozialabgaben und der Steuern etwa 1.800 Euro übrig. Das scheint nicht viel zu sein, doch wer auf den Euro sieht, kann mit diesem Gehalt durchaus Ziele erreichen.
Das wichtigste Fundament sind, um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen, die Absicherungen bei Haftpflichtschäden, Krankheit und Berufsunfähigkeit. Die Beiträge für die Krankenkasse sind in den Abgaben enthalten, so dass die rund 250 Euro nicht mehr zu Buche schlagen. Die Prämien für eine Privat-Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von 50 Millionen Euro und eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Monatsrente von 1.500 Euro liegen unter 50 Euro pro Monat, so dass die Aufwendungen kaum der Rede wert sind.
10 Prozent bleiben übrig
Die mit Abstand größten „Geldfresser“ sind die Wohnung, die Nebenkosten und das Auto. Ein kleines Dach über dem Kopf kostet schnell 500 Euro, und die Nebenkosten werden die Kasse mit weiteren 150 Euro belasten. Falls für ein sparsames Auto monatlich 300 Euro angesetzt werden, vermindern sich die anfänglichen 1.800 Euro auf 800 Euro. Die Ausgaben für Kleidung und Verpflegung werden sich bei sparsamer Lebensführung auf 600 Euro summieren, so dass unter dem Strich monatlich 200 Euro übrig bleiben.
Das sind etwa 10 Prozent des Nettoeinkommens, und die Verwendung dieses Restes wird, das ist absolut nichts Neues, in starkem Maße die finanzielle Zukunft des jungen Mannes beeinflussen, weil es um die Frage geht, wofür das Geld verwendet wird: Freizeit oder Vermögensbildung?
Kredite sind gefährlich
Die einen Akademiker werden das Geld in die Freizeit stecken, weil sie zu Recht sagen, dass das Leben heute stattfindet, und die anderen Akademiker werden das Kapital in den Aufbau ihres Vermögens stecken. Es ist müßig, darüber zu streiten, ob der erste oder der zweite Weg richtig ist.
Viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass junge Leute, die nach dem Einstieg in die Berufswelt nicht sofort mit dem Sparen anfangen, ihr ganzes Leben lang Probleme haben werden, einen Teil des Nettolohns zur Seite zu legen. Wer es dagegen schafft, ständig 10 Prozent des Nettolohns in die Sparbüchse zu stecken, hat ganz gute Karten, im Laufe des Lebens ein kleines Vermögen aufzubauen.
Die Wahl des richtigen Sparvertrages steht und fällt mit den Wünschen des Anlegers. Wer sich schon in frühen Jahren für das Eigenheim oder die Altersvorsorge entscheidet, hat es einfach, die passenden Verträge auszusuchen, doch das ist die große Ausnahme.
Die meisten Berufseinsteiger wissen nicht, wohin die Zukunft führen wird - und das ist auch kein Beinbruch. Wichtig ist allein die Einsicht, dass Kredite schnell in die finanzielle Sackgasse führen. Schulden von 10.000 Euro zum Beispiel belasten bei einem Sollzins von 9 Prozent und einer Laufzeit von fünf Jahren die Kasse jeden Monat mit rund 200 Euro, so dass die Vermögensbildung auf der Strecke bleibt.
Flexibilität hat oberste Priorität
Die bessere Lösung sind Geduld und der Wille, mit einer monatlichen Sparrate von 100 Euro zu beginnen und diesen Satz nach Möglichkeit jedes Jahr um 10 Prozent zu erhöhen. Hierfür kommen in erster Linie flexible und sichere Sparverträge in Frage.
Denn es steht meist in den Sternen, wann und wofür das Geld eines Tages benötigt wird. Es ist denkbar, dass in drei Jahren ein Computer benötigt wird. Genauso kann in fünf Jahren ein Auto gebraucht werden. Vielleicht wird in zehn Jahren ein gewisser Betrag vorteilhaft sein, um sich selbständig machen oder eine kleine Wohnung kaufen zu können.
Vor diesem Hintergrund sind langfristige Sparverträge wie Basisrenten, Kapitalpolicen oder Riesterprodukte mit gewisser Vorsicht zu genießen. Das liegt nicht an der Qualität der Offerten, sondern an dem Umstand, dass das Kapital in fünf oder zehn Jahren, wenn es für bestimmte Investitionen gebraucht wird, einfach nicht zur Verfügung stehen wird und die Aufnahme von Krediten teuer ist. Da sind Banksparpläne oder Investmentfonds die besseren Lösungen.
Zinsverluste sind gar nicht so schlimm
Entscheidend sind die Sicherheit und die Verfügbarkeit des Geldes. Der Zinssatz spielt im Vergleich zu diesen Aspekten eine untergeordnete Rolle, und das wird mit Hilfe weniger Zahlen deutlich. Wer mit einer Monatsrate von 150 Euro beginnt und den Satz jedes Jahr um 10 Prozent steigert, wird nach fünf Jahren effektiv 10.989 Euro zur Seite gelegt haben.
Jetzt muss das Geld ohne Einbuße zur Verfügung stehen, so wird deutlich, dass Aktien gewagt, Anleihen heikel und Banksparpläne problematisch sind. Aktien und Anleihen unterliegen Kursschwankungen, und Banksparpläne mit festem Zins und langer Laufzeit können nach fünf Jahren in aller Regel nicht aufgelöst werden.
Hier helfen nur Rentenfonds, die das Geld ihrer Anleger in Wertpapiere mit kurzen Laufzeiten investieren oder Banksparpläne mit variablem Zins ohne Boni. Die beiden Ansprüche gehen zwar zu Lasten des Zinses, doch das ist in der Regel gar nicht so schlimm, wie viele Anleger vermuten.
Bei einem Zinssatz von 2,5 Prozent pro Jahr kommen nach Abzug der Abgeltungsteuer etwa 11.362 Euro heraus, und bei einem Zinssatz von 3 Prozent werden 11.554 Euro zusammenkommen. Im ersten Fall wird der Anleger also Zinsen von 373 Euro erhalten, und im zweiten Fall werden es 565 Euro sein, so dass in aller Deutlichkeit klar wird, dass die Lastschrift - der Wille zum Sparen - wichtiger als die Höhe des Ertrages ist.
Schöne Zahlen, aber am Leben vorbei
Das ändert sich mit der Länge des Sparvertrages. Je länger der Sparvertrag läuft, desto größer wird der Einfluss von Zins und Zinseszins. Das wissen die Verkäufer von Finanzprodukten zum Teil geschickt auszunutzen.
Sie zeigen ihren Kunden in schönen Abbildungen, dass ein Hunderter pro Monat, jedes Jahr um 5 Prozent erhöht und insgesamt zu 6 Prozent angelegt, nach 50 Jahren einen Endwert von 857.000 Euro erreichen wird. Bei einem Zinssatz von 7 Prozent werden es sogar 1.114.000 Euro sein.
Das sind in der Tat beeindruckende Zahlen, doch sie gehen, um es vorsichtig auszudrücken, etwas am Leben vorbei. Oder ist es doch ein erstrebenswertes Ziel, nach dem Ende des Studiums ein halbes Jahrhundert lang Geld zu sparen, frei nach dem Motto: Man weiß ja nie, was dem Menschen im Alter blüht?
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.728,19 | −0,15% |
| FAZ-INDEX | 1.500,83 | −0,21% |
| TecDAX | 773,85 | −0,19% |
| MDAX | 10.253,60 | −0,35% |
| SDAX | 5.023,80 | +0,24% |
| REX | 421,66 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.488,29 | −0,13% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,26 | −0,27% |
| Dow Jones | 12.878,30 | +0,03% |
| Nasdaq 100 | 2.575,24 | +0,22% |
| S&P500 | 1.350,50 | −0,09% |
| Nikkei225 | 9.052,07 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3129 | +0,03% |
| Rohöl Brent Crude | 118,17 $ | +0,32% |
| Gold | 1.722,00 $ | +0,61% |
| Bund Future | 138,53 € | +0,15% |