14.02.2010 · Beteiligungen sind Geschäfte mit besonderen Chancen und Risiken. Die Zahlungsströme passen in den meisten Fällen überhaupt nicht zu den Wünschen und Zielen der Anleger. Die Vermögensfrage.
Von Volker LoomanSeit Monaten fürchten die Anleger, die sich 2006 und 2007 am Global View Great Wheels Fonds beteiligt haben, um ihr Geld. In dieser Woche ist deutlich geworden, dass die Sorgen berechtigt waren. Der Bau der Riesenräder, die nach dem Vorbild des „London Eye“ in Berlin, Peking und Orlando errichtet werden sollten, ist in der Planung steckengeblieben. Ein großer Teil des Anlagegelds ist weg. Jetzt geht die Suche nach den Schuldigen los.
Die Wut der rund 10.000 Anleger ist verständlich, doch die Aussichten, dass sie ihr Geld wiedersehen, sind gering. Die Anleger sind in dem Prospekt über die Risiken genau informiert worden. Ihnen ist auch dargelegt worden, dass die Verkäufer eine Provision von 10 Prozent erhalten. Vor diesem Hintergrund müssen sich die Zeichner, so hart das klingt, gehörige Mitschuld an dem Reinfall vorhalten lassen, und die Ausrede, die Sache nicht verstanden zu haben, wird die Gerichte wohl nur in Maßen beeindrucken.
Ein Trugschluss
Beteiligungen sind Geschäfte mit besonderen Chancen und Risiken. Das gilt für Mobilien wie Biogasanlagen, Flugzeuge, Lokomotiven, Schiffe, Solardächer und Windkraftwerke. Ihnen ist gemein, dass es sich um Unternehmungen handelt, die im günstigen Fall zu hohen Renditen und im ungünstigen Fall zum Totalverlust führen. Darüber hinaus stecken dahinter oft Zahlungsströme, die vielen Anlegern nicht ins Konzept passen. Das wird in folgenden Überlegungen deutlich.
Ein Anleger investiert aus eigenen Mitteln 100.000 Euro in ein Geschäft, das 20 Jahre lang laufen soll, und ihm werden jährlich 9000 Euro in Aussicht gestellt. Da denken die meisten Anleger, dass ihnen eine Verzinsung von 9 Prozent pro Jahr winke. Das kann der Fall sein, doch der Erwartung kann ebenso ein Trugschluss zugrunde liegen. Entscheidend für die Rentabilität sind eben nicht nur der Startwert und die Erträge, sondern auch der Endwert. Folglich stellt sich im vorliegenden Fall die Frage, wie viel von den anfänglichen 100.000 Euro am Ende zurückfließen werden.
Ertrag und Risiko
Die meisten Anleger empfinden die Frage als dumm, weil sie von Anleihen und Immobilien ausgehen und der Meinung sind, dass am Ende das eingesetzte Geld in voller Höhe zurückfließt. Das ist freilich bei vielen Mobilien nicht der Fall, weil die Güter normalem Verschleiß unterliegen und nach 20 Jahren nur einen Bruchteil des Anfangspreises wert sind, im schlimmsten Fall gegen Zahlung von Gebühren verschrottet werden müssen.
Bei Autos leuchtet der Verfall vielen Menschen ein, weil sie im Laufe ihres Lebens erleben, dass Fahrzeuge an Wert verlieren. Tragisch ist jedoch die Unfähigkeit, diese Erfahrung auf andere Güter zu übertragen, vor allem auf die Mobilien, die hinter den Beteiligungen stecken. Vor dem Hintergrund ist es kein Wunder, dass sich viele Anleger bei Beteiligungen immer wieder den Bären auf die Nase binden lassen, ihre Anteile besäßen nach 15 oder 20 Jahren noch einen gewissen Wert. Die meisten Mobilien liegen nach so langer Nutzung in Schutt und Asche, und das Geschäft ist zu Ende.
Das heißt in harten Zahlen, dass am Schluss des Zahlungsstroms eine Null steht. Folglich beträgt die jährliche Rendite vor Steuern nicht 9 Prozent, sondern nur 6,4 Prozent. Davon bleiben bei einem steuerpflichtigen Jahreseinkommen von 150.000 Euro durch die Abgaben auf die Erträge nur 3,8 Prozent übrig. Das ist ein gewisser Unterschied zu 9 Prozent, und ob dieser Ertrag in angemessenem Verhältnis zu den Risiken steht, muss jeder Anleger für sich selbst klären.
Der Traum von hohen Zinsen
Zu klären ist auch die Frage, ob der Zahlungsstrom überhaupt in das Privatvermögen des Anlegers passt. Den meisten Investoren leuchtet die Frage, so einfach sie klingt, nicht ein. Sie träumen lieber von hohen Zinsen. Das ist fatal, weil hinter jedem Geschäft letztlich eine Absicht steckt. Was wird mit einer Zahlung von 100.000 Euro und 20 unsicheren Rückflüssen von jeweils 9000 Euro bezweckt? Wem nützt der Zahlungsstrom? Das kann zum Beispiel ein Rentner sein, der sein Vermögen verzehren will und einen Teil des Kapitals in Beteiligungen steckt, weil dort höhere Erträge als bei Anleihen oder Immobilien winken. Zweifelhaft ist die Anlage aber für Spitzenverdiener, die noch 15 oder 20 Jahre arbeiten und Geld anzulegen haben. Da gibt es andere und bessere Möglichkeiten.
Heikel werden Beteiligungen, die auf Krediten aufgebaut sind. Auch diese Aussage ist eine Binsenweisheit, doch alle Anleger, die in Beteiligungen einsteigen, gehen Risiken ein, weil die Geschäfte zu 50 bis 60 Prozent mit Hilfe von Krediten bezahlt werden. Die Konsequenzen werden wiederum im Zahlungsplan deutlich. Die Aufteilung der Beteiligung in Eigen- und Fremdkapital, beispielsweise je 50.000 Euro, hat zwei Dinge zur Folge. Auf der einen Seite fließen Erträge, auf deren anderen Seite sind Steuern, Tilgung und Zinsen zu bezahlen. Die Erträge können weiterhin 9000 Euro pro Jahr betragen. Ihnen stehen bei einem Sollzins von 5 Prozent und einer Laufzeit von 20 Jahren Kreditraten von jeweils 3960 Euro gegenüber. Hinzu kommen die Steuern, so dass dem Anleger, der effektiv 50.000 Euro investiert hat, nur noch 20 Rückflüsse zustehen, die bei 4360 Euro beginnen und im Laufe der Zeit auf 3300 Euro sinken.
Wie warme Semmeln
Die Werte führen erstens zu einer Verzinsung von 4,7 Prozent pro Jahr und zweitens zur Überlegung, für wen dieser Zahlungsstrom in Frage kommt. Ist es sinnvoll, einen „sicheren“ Kredit von 50.000 Euro aufzunehmen, um 100.000 Euro in ein „unsicheres“ Geschäft zu stecken, oder ist es vorteilhafter, 50.000 Euro in ein „sicheres“ Geschäft zu investieren? Wem nutzt ein Zahlungsstrom, der auf einer Einmalanlage von 50.000 Euro und 20 „wackeligen“ Rückflüssen von 3000 bis 4000 Euro besteht?
Die Frage mag banal klingen. Doch dass 10.000 erwachsene Leute nach diesem Strickmuster ihr Geld in Riesenräder investieren, zeigt, dass Beteiligungen im wahrsten Sinne für viele riesige Räder sind. Da ist es zweifelhaft, ob Beipackzettel die Lösung sind. Vermutlich könnte auf diesen Zetteln in großen Buchstaben stehen, dass Beteiligungen schiefgehen und Kredite das Vermögen kosten können, und die Offerten gingen doch wie warme Semmeln über den Ladentisch.
Geldanlagen sind und bleiben vielen Menschen fremd, und gegen die Unlust, sich mit der Struktur von Zahlungsströmen zu beschäftigen, ist kein Kraut gewachsen. Abhilfe könnte nur die gesetzliche Auflage schaffen, dem Verkäufer die Provision in kleinen Scheinen zu bezahlen. 10 Prozent von 100.000 Euro sind 10.000 Euro, und falls der Einstieg in Riesenräder oder Windkraftanlagen mit Hilfe von 20-Euro-Noten bezahlt werden müsste, wären 500 Scheine notwendig. Wenn für das Abzählen der Provision eine Sekunde pro Schein veranschlagt wird, könnte der Anleger 8 Minuten und 20 Sekunden über den Sinn oder Unsinn von Beteiligungen auf Pump nachdenken. Das würde das Gespür für Geld schärfen und den Verkauf fragwürdiger Beteiligungen erschweren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,86 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,35 | −1,30% |
| TecDAX | 770,00 | −0,42% |
| MDAX | 10.250,80 | −1,02% |
| SDAX | 4.975,98 | −0,89% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.482,20 | −1,59% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,06 | −1,54% |
| Dow Jones | 12.769,70 | −0,94% |
| Nasdaq 100 | 2.547,10 | −0,66% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3184 | −0,75% |
| Rohöl Brent Crude | 117,45 $ | −1,04% |
| Gold | 1.748,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 138,32 € | +0,79% |