23.09.2007 · Von 2009 an sollen sowohl Dividenden als auch Kursgewinne in voller Höhe der Abgeltungssteuer unterliegen. Diese harmlos klingende Regelung wird wohl der größte Feind der Aktiensparer werden.
Von Volker LoomanDie künftige Abgeltungssteuer wird der größte Feind der Aktiensparer werden. Vom 1. Januar 2009 an sollen sowohl Dividenden als auch Kursgewinne in voller Höhe der Abgeltungssteuer unterliegen. Das sieht auf den ersten Blick harmlos aus, doch bei genauem Hinsehen wird die Reform vor allem für die Sparer zu hohen Einbußen führen. Wer monatlich 500 Euro in Aktien investiert und auf einen Jahresertrag von 8 Prozent abzielt, fährt seit Jahr und Tag am besten mit Papieren, deren Kurs jährlich um 8 Prozent steigt. Bei diesen Papieren fallen keine Erträge an, die versteuert und wieder angelegt werden müssen, so dass sich auf einem Sparkonto, das 15 Jahre lang gefüttert wird, am Ende der Laufzeit etwa 169.000 Euro ansammeln können. Sie konnten in der Vergangenheit ohne Abzug eingestrichen werden.
Mit dieser Herrlichkeit wird es in wenigen Monaten vorbei sein. Die regelmäßigen Sparraten werden ab dem 1. Januar 2009 als Kauf „neuer“ Aktien eingestuft, so dass die Anteile der Abgeltungssteuer unterliegen. Wird zum Beispiel am 31. Dezember 2008 ein Sparvertrag abgeschlossen und bestehen die Gewinne der monatlichen Aktienkäufe in den folgenden 15 Jahren zu 100 Prozent aus Kursgewinnen, wird das Finanzamt das Depot in dieser Zeit zunächst nicht antasten.
Verzinsung wird Richtung glatter 6 Prozent rutschen
Bei der Auflösung des Sparkontos muss die Bank oder die Investmentgesellschaft jedoch ein Viertel des Gewinns - die Differenz zwischen Einzahlungen und Endguthaben - an die Staatskasse abführen. Das werden ohne Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag ungefähr 19.750 Euro sein, so dass das Endvermögen auf 149.000 Euro sinken wird. Das wird die Rendite von 8 auf 6,5 Prozent jährlich drücken.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Verzinsung sogar in Richtung glatter 6 Prozent rutschen. Denn die Gewinne der Aktienanlage bestehen nur selten zu 100 Prozent aus Kursgewinnen. In der Praxis sind die Erfolge eine Mischung aus Dividenden und Kursgewinnen. Je höher die Erträge sind, desto stärker greift aber in Zukunft die Besteuerung. Wenn die Bruttorendite von 8 Prozent „nur“ Dividenden enthält, ist die Kalkulation der Nettoverzinsung einfach: Man muss die 8 Prozent nur um ein Viertel kürzen, um auf die Rendite von 6 Prozent nach Steuern zu kommen. Das hat im vorliegenden Fall zur Folge, dass das Endguthaben des Sparplans auf 143.000 Euro sinkt.
Wichtige Frage: Was passiert am Ende der Sparzeit?
Von dieser Regelung sind nicht nur neue, sondern auch alte Aktiensparpläne betroffen. Hier wird es am 31. Dezember 2008 zum steuerlichen Schnitt kommen. Die sich abzeichnenden Einbußen treiben viele Privatleute um. Sie zerbrechen sich den Kopf darüber, wie sie der Abgeltungssteuer entkommen können, doch die Chancen sind gering. Die große Hoffnung, das Vermögen „steuerfrei“ im Ausland aufzubauen, dürfte ein Trugschluss sein.
Es ist zwar denkbar, die Sparraten jeden Monat ins Ausland zu überweisen, doch erstens müssen die Investoren damit rechnen, dass es auch dort Steuern gibt, und zweitens stellt sich die Frage, was am Ende der Sparzeit passieren wird. Beim Verbrauch des Geldes im Ausland müssen sich die Anleger darauf einstellen, dass sie Steuern hinterziehen, und wenn das Guthaben nach Deutschland zurückgeholt wird, wird sich das Finanzamt für die Herkunft des Kapitals interessieren, um die Differenz zwischen Einzahlungen und Rückflüssen besteuern zu können.
Nach dem 1. Januar 2009 Aktien auf Kredit kaufen
Eine interessante Möglichkeit, die Abgeltungssteuer zu umgehen, ist der Kauf von Aktien auf Kredit. Das Modell ist zwar mit erheblichen Problemen verbunden, doch die Konstruktion ist pfiffig. Ausgangspunkt sind Sparpläne mit Laufzeiten von 10 bis 20 Jahren. Wenn über einen Zeitraum von 15 Jahren monatlich 500 Euro in Aktien angelegt werden und mit einem Ertrag von 8 Prozent gerechnet wird, wird unter dem Strich eine Rendite von 6 bis 6,5 Prozent nach Steuern herauskommen. Dahinter verbergen sich Endwerte zwischen 143.000 und 149.000 Euro.
Alternativ ist es denkbar, noch vor dem 1. Januar 2009 Aktien zu kaufen - und zwar auf Kredit. Dieser Kredit wird dann in den folgenden 15 Jahren mit der monatlichen Sparrate von 500 Euro verzinst und getilgt. Wie viel Kredit man aufnehmen kann, hängt von der Höhe des Sollzinses ab. Kredite mit Absicherung im Grundbuch und fünfzehnjähriger Zinsbindung kosten im Augenblick etwa 5 Prozent. Das liefe auf einen Kreditbetrag von 63.000 Euro hinaus - der dann in Aktien angelegt wird.
Entscheidender Punkt ist die Abgeltungssteuer
Bei einem Kredit, der mit Aktien besichert wird, muss sich der Anleger auf höhere Zinsen einstellen. Die Untergrenze wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bei 6 Prozent jährlich liegen, so dass ungefähr 59.000 Euro zur Auszahlung kommen können. Je höher der Betrag ist, desto günstiger ist das Modell für den Anleger, weil er dann mehr Geld in sein Aktiendepot investieren kann - welches dann in der Zukunft nach Möglichkeit nur steuerfreie Kursgewinne abwerfen sollte.
Die Strukturen des Aktiensparplans und des Aktiendepots auf Pump sind identisch. Der Anleger bezahlt 180 Monate jeweils 500 Euro. Am Ende der Veranstaltung hat er aber unterschiedliche Guthaben: Beim Sparplan werden es 169.000 Euro sein, wenn die Prognose von 8 Prozent pro Jahr stimmt, und bei der Einmalanlage 188.000 Euro. Der entscheidende Punkt ist die Abgeltungssteuer: Bei dem Sparplan holt sich das Finanzamt ein Viertel des Gewinns, so dass das Guthaben um 20.000 Euro schmilzt. Bei der Einmalanlage fällt aber keine Abgeltungssteuer an - sofern die Aktien bis zum 31. Dezember 2008 erworben werden und die Erträge in Zukunft ausschließlich Kursgewinne sind.
„Emotionale“ Aspekte und „rationales“ Problem
Das kann für den Anleger unter dem Strich zu Renditen von 6 bis 6,5 Prozent beziehungsweise 9,3 Prozent führen. Die Differenz von 42.000 Euro in 15 Jahren ist eine große Verlockung, so dass sich die Frage stellt, wo die Haken und Ösen des Aktiendepots auf Pump liegen. Hier gibt es drei Punkte, zwei „emotionale“ Aspekte und ein „rationales“ Problem. Die hohe Differenz von 42.000 Euro ist ein Wert in ferner Zukunft. Wenn dieser Betrag mit 8 Prozent in die Gegenwart geholt wird, schrumpft die Vergünstigung auf 13.000 Euro, so dass die Attraktivität schwindet.
Bei dem Sparplan investiert der Privatmann monatlich 500 Euro und hofft auf ein stattliches Endvermögen. Das gilt auch für das Depot auf Pump, doch hier hat der normale Anleger das Gefühl, die Raten in die Tilgung des Kredites zu stecken. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass die Aktien, wenn sie breit gestreut werden, in 15 Jahren nichts wert sein werden, doch das Gefühl, das Geld eigentlich nicht in Aktien, sondern in einen Kredit zu stecken, ist für viele Anleger eine psychologische Hürde.
Ein Bombengeschäft - unter Voraussetzungen
Das mit Abstand größte Problem des Zinsdifferenzgeschäftes liegt in der Notwendigkeit reiner Kursgewinne. Das Modell ist ein Bombengeschäft, wenn die Erträge zu 100 Prozent aus Kursgewinnen bestehen, doch es wird desto stärker zum Rohrkrepierer, je mehr die Erträge aus Dividenden bestehen.
Hier unterliegen die Ausschüttungen sofort der Abgeltungssteuer, so dass die Rendite auf den Kostensatz des Kredites fällt. Die Suche nach Aktien mit reinen Kursgewinnen gleicht aber der Suche nach Stecknadeln im Heuhaufen. Die Erfolgsaussichten sind gering, so dass auch die Perspektiven, mit diesem Zinsdifferenzgeschäft richtig Geld zu verdienen, düster bis trübe sind.
Überflüssige Bedenken des Finanzanalysten
B G (posener)
- 23.09.2007, 23:00 Uhr
Zyklen?
Marko Hrbat (Hrbat)
- 24.09.2007, 10:31 Uhr
zu: Zyklen@ Hr.Hrbat
wolf haupricht (emilgilels)
- 24.09.2007, 12:18 Uhr
Thesaurierender Aktienfonds
Thomas Kaysh (thomas.kaysh)
- 26.09.2007, 12:26 Uhr
Thesaurierender Aktienfonds
Thomas Kaysh (thomas.kaysh)
- 26.09.2007, 12:26 Uhr
Analysen eines Finanzexperten
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