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Fonds Deutsche Anleger entdecken Private Equity

 ·  Die großen angelsächsischen Beteiligungsgesellschaften reichen demnächst wieder ihre Hüte herum: BC Partners sammelt Geld für einen rekordverdächtigen Europa-Fonds.

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Die großen angelsächsischen Beteiligungsgesellschaften reichen demnächst wieder ihre Hüte herum: Viele Private-Equity-Fonds haben 2004 ihre vor einigen Jahren eingesammelten Mittel aufgebraucht und werben nun eifrig frische Gelder ein. Das gilt auch für das britische Unternehmen BC Partners, dessen achter Europa-Fonds rekordverdächtig sein wird. "Wir streben die Auflage unseres nächsten Fonds im ersten Halbjahr 2005 an", sagte der für Deutschland zuständige Geschäftsführer Jens Reidel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Wie jede Neuauflage des Finanzinvestors werde auch dieser Fonds wieder ein größeres Volumen haben als der Vorgänger. Beim siebten Fonds, dessen Gelder nunmehr zu drei Vierteln investiert sind, waren es immerhin schon 4,4 Milliarden Euro. Der Nachfolger werde in Richtung 5 Milliarden Euro gehen, kündigte Reidel an. Damit würde er mit dem bisher größten europäischen Fonds zur Übernahme etablierter Unternehmen (Buy-out), dem im vergangenen Jahr geschlossenen Fonds "Europe III" des ebenfalls britischen Konkurrenten Permira, zumindest gleichziehen, wenn nicht gar einen neuen Rekord aufstellen.

Quantensprung beim Fondsvolumen

Europa macht sich somit mit rasantem Tempo daran, in die großen Fußstapfen der amerikanischen Private-Equity-Industrie hineinzuwachsen. Die größten amerikanischen Fonds von J.P. Morgan Partners und Blackstone haben ein Volumen von jeweils rund 6,5 Milliarden Dollar. Dank des schwachen Dollars hat ihnen der Permira-Fonds aber bereits den Rang abgelaufen. Der Abstand zwischen Europa und Amerika wird mithin kleiner. Wie rasend schnell diese Entwicklung vorging, zeigt das Beispiel BC Partners: "Vor zwölf Jahren haben wir unseren zweiten Fonds aufgelegt. Er hatte ein Volumen von 144 Millionen Euro", belegt Reidel den Quantensprung.

Als einen weiteren Trend sieht Reidels Kollege Thomas Weinmann, daß zunehmend deutsche Investoren auf den Private-Equity-Zug aufspringen. Noch vor ein paar Jahren sei der Anteil der deutschen Investoren verschwindend gering gewesen. Überwiegend hatten große Versicherungen und Banken wie die Allianz oder die Hypo-Vereinsbank in den Fonds investiert. Bisher stammte aber rund die Hälfte der Fondsgelder aus Amerika und Kanada. Doch dürfte sich dieses Verhältnis bei dem neuen Fonds wohl zugunsten von Europa verschieben. Denn nun steige das Interesse der inländischen Versicherer und Banken immens. In Private-Equity-Fonds investieren überwiegend große Pensionskassen, Versicherungen, Stiftungen und zum Teil auch hochvermögende Privatpersonen.

Übernahmekandidaten

Reidel erwartet, den neuen Fonds bis zum zweiten Quartal 2005 schließen zu können. Für das kommende Jahr peilt er auch weitere Übernahmen in Deutschland an. Mit welchen Firmen BC Partners derzeit verhandelt, gab er nicht preis.

In Finanzkreisen gilt es als sicher, daß BC Partners unter anderem an dem Kabelbetreiber Ish und der in der Meßtechnik und im Industrieofenbau tätigen Ruhrgas Industries (RGI) interessiert ist. Der Wert der noch zum Eon-Konzern gehörenden RGI wird auf bis zu eine Milliarde Euro taxiert. Allerdings hat Eon den Bieterprozeß noch gar nicht eröffnet, wie in Branchenkreisen zu hören ist. Im Kabelnetz ist BC Partner schon heute mit dem Hannoveraner Betreiber Telecolumbus unterwegs. Für den zum Verkauf stehenden Wettbewerber Ish bieten nach Angaben aus Finanzkreisen fünf bis sechs Investoren, darunter Carlyle und Apollo.

Weiteres Wachstum

Selbst verkaufen wird BC Partners in Kürze die Beteiligung an dem österreichischen Motorradhersteller KTM. Für rund 60 Millionen Euro will die Gesellschaft Cross Holding der BC Partners ihre 49 Prozent abkaufen und damit auf 89 Prozent aufstocken. Für Reidel ist KTM eine Erfolgsgeschichte - nicht nur wegen der erzielten Rendite. Seit dem Einstieg seien die Arbeitsplätze von 700 auf 1.400 verdoppelt, die Stückzahlen des Herstellers von 28.000 auf 80.000 hochkatapultiert worden.

Neben der Abgabe an einen strategischen Investor sieht Reidel künftig auch wieder Chancen für Börsengänge. "Wir haben einige Unternehmen im Portfolio, die Kandidaten dafür wären." In anderthalb Jahren könne sicherlich der Sanitärhersteller Sanitec ein Aspirant für die Börse sein, ebenso Telecolumbus. Mittelfristig könnten auch die europäischen Beteiligungen an Krankenhäusern an die Börse gebracht werden. In diesem Bereich sucht BC Partners allerdings zunächst noch nach weiteren Zukaufsmöglichkeiten.

Weiteres Wachstum peilt der Finanzinvestor auch mit dem kürzlich von Candover für 1,3 Milliarden Euro übernommenen französischen Tiefkühlkost-Unternehmen Picard Surgelés an. Am vergangenen Freitag wurde der Vertrag mit Candover endgültig unterzeichnet. BC Partners wolle mit Picard nun nach Italien und Spanien expandieren, kündigte Reidel an. In Italien sollen die derzeit rund 20 Geschäfte auf 120 bis 150 ausgebaut werden; auf dem spanischen Markt ist Picard bisher noch gar nicht vertreten.

Quelle: da., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2004, Nr. 286 / Seite 21
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