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Fonds Amerikaner füllen deutsche Wagniskapitallücke

05.07.2007 ·  Die großen amerikanischen Wagniskapitalgesellschaften strömen nach Europa und könnten bald den deutschen Markt für die Finanzierung junger Technologieunternehmen dominieren. Heimische Investoren ziehen dagegen ausländische Fonds vor.

Von Daniel Schäfer und Joachim Herr
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Die großen amerikanischen Wagniskapitalgesellschaften strömen nach Europa und könnten bald den deutschen Markt für die Finanzierung junger Technologieunternehmen dominieren. In Branchenkreisen ist zu hören, dass die wohl renommiertesten Wagniskapitalgeber des Silicon Valley, Sequoia Capital und Kleiner Perkins Caufield & Byers, derzeit in London Büros eröffnen und eigene Europa-Fonds in Planung haben.

Die ebenfalls zur Branchenspitze zählende Bostoner Highland Capital Partners plant ein Büro in Genf, und der Frühphaseninvestor Draper Fisher Jurvetson liebäugelt damit, einen europäischen Fonds aufzulegen. „Derzeit fließt viel amerikanisches Geld auf den europäischen und deutschen Venture-Capital-Markt“, sagt David Bernard, Analyst von Thomson Financial.

Die amerikanischen Investoren werfen offenbar insbesondere ein Auge auf den ausgedünnten deutschen Markt. Hier gibt es kaum Konkurrenz, weil nur wenige einheimische Unternehmen wie Wellington oder TVM eine kritische Größe besitzen. Selbst diese haben bei ihren Investoren lange Zeit auf Granit gebissen und brauchten zum Teil mehrere Jahre, um neue Fonds auf die Beine zu stellen. Einige etwas kleinere, wie Techno Nord oder Earlybird, arbeiten derzeit mit einiger Mühe an Nachfolgefonds. Statt klassischer Wagniskapitalgesellschaften beherrschen daher mittlerweile sogenannte Business Angels das Geschäft - Privatfinanziers wie der SAP-Gründer Dietmar Hopp oder die drei Samwer-Brüder, die einst Jamba gegründet hatten.

Modewort „Cleantech“

„In die Lücke der spärlich vorhandenen Wagniskapitalgesellschaften sind 20 bis 30 Business Angels gesprungen“, sagt Ralph Günther, Vorstand der Beteiligungsgesellschaft Bmp AG. Dank des geringen Wettbewerbs sind die Bewertungen im Unterschied zu den Vereinigten Staaten oder anderen europäischen Ländern auf einem niedrigen Niveau, auch weil die Nachfrage nach Wagniskapital stark zunimmt. „Immer mehr Menschen wechseln aus verantwortlichen Stellen in die Selbständigkeit“, sagt Hans-Georg Köglmayr, Geschäftsführender Gesellschafter der Leonardo Venture in Mannheim. In den vergangenen Jahren habe er jeweils 100 bis 120 Finanzierungsanfragen erhalten, in diesem Jahr seien es schon mehr als 400.

In die deutsche Wagniskapitallücke stoßen nun ausländische Geldgeber vor. Sie haben erkannt, dass sich in Deutschland zahlreiche junge Unternehmen mit erfahrenen Managern und Ingenieuren sowie mit interessanten Technologien herausbilden. Still und heimlich hat etwa die mit einem verwalteten Vermögen von mehreren Milliarden Dollar bestückte Kleiner Perkins in Deutschland in zwei Unternehmen investiert, die Technologien für den Klimaschutz herstellen - ein derzeitiges Trendthema der Wagniskapitalszene, die dafür das Modewort „Cleantech“ erfunden hat.

Die amerikanische Benchmark Capital hat im vergangenen Jahr den mit einer halben Milliarde Euro größten europäischen Wagniskapitalfonds aufgelegt und investiert ebenfalls hierzulande. Die zweitgrößte europäische Gesellschaft, die Index Ventures aus der Schweiz, drängt laut Branchenkreisen mit großer Kapitalkraft auf den deutschen Markt.

„Das Geschäft zieht langsam wieder an“

Dagegen tun sich die deutschen Wagniskapitalgeber immer noch schwer. Das große Manko: Die hiesigen institutionellen Investoren zieren sich weiterhin, ihr Geld zur Finanzierung junger deutscher Gründungsunternehmen anzulegen. „Die deutschen Venture-Capital-Manager tun sich sehr schwer, deutsche institutionelle Investoren zu gewinnen“, sagt Oliver Borrmann, Vorstandsvorsitzender von Bmp.

Stattdessen legen die Anlagegesellschaften der großen deutschen Versicherer und Pensionskassen das Geld lieber in den Vereinigten Staaten an - oder in Märkten wie Polen, wo deutsche Großanleger wie Allianz Capital Partners bereitwillig Anteile an Unternehmen kaufen, die Wagniskapitalgeber an die Börse bringen - trotz abenteuerlicher Bewertungen, die mitunter dem Fünfzig- bis Hundertfachen des Gewinns entsprechen.

Amerikanische Pensionsfonds wie Calpers und Ontario Teachers interessieren sich zwar zunehmend für hiesige Wagniskapitalgeber. Ohne einen deutschen Ankerinvestor sind sie freilich meistens nicht bereit, ihre Geldschatulle zu öffnen. Deshalb sind selbst bei den größten deutschen Venture-Firmen Wellington und TVM Staatsfonds wie ERP/EIF eingesprungen. Allmählich zeichnet sich aber ein Paradigmenwechsel ab. „Das Geschäft zieht langsam wieder an; immerhin bekommen wir jetzt Termine bei Banken oder Versicherungen“, berichtet Bernhard Schirmers, einer der drei Geschäftsführer der SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement in Tübingen. Das Wagniskapital stamme bisher überwiegend von vermögenden Unternehmerfamilien (Family Offices) sowie von einzelnen Pensionsfonds und Stiftungsvermögen.

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