30.11.2004 · Der Firmenjäger Carl Icahn macht wieder von sich reden. Er will die geplante Fusion zweier Pharmakonzerne platzen lassen. Möglicherweise droht er nur um den Wert seiner Anteile zu erhöhen.
Carl Icahn kann das Jagen nicht lassen. Der mittlerweile 68 Jahre alte amerikanische Finanzier, einer der bekanntesten Firmenjäger der achtziger und neunziger Jahre und Vorbild für den Finanzhai Gordon Gekko im Film „Wall Street“, bringt zur Zeit die Führung des großen amerikanischen Generikaherstellers Mylan Laboratories unter Druck.
Mylan hatte im Juli die Übernahme des angeschlagenen Pharmakonzerns King Pharmaceuticals für 4 Milliarden Dollar angekündigt. Icahn, der seinen Aktienanteil an Mylan seit dem Übernahmeangebot auf knapp 10 Prozent aufgestockt hat, hält allerdings nichts von der Akquisition. Der Preis ist ihm zu teuer, und zudem ermittelt die Börsenaufsicht SEC gegen King.
„Mister Icahn ist für eigennützige Handlungen bekannt“
Nachdem Icahns Versuche, den Mylan-Verwaltungsrat umzustimmen, erfolglos geblieben waren, besann er sich auf eine erprobte Taktik. Er drohte mit einer feindlichen Übernahme und bot rund 5,4 Milliarden Dollar für Mylan. Begleitet wurde diese Offerte von verbalen Angriffen.
„Mylan ist das perfekte Beispiel einer fehlgeschlagenen Unternehmensführung“, schimpfte Icahn. Der Verwaltungsrat schoß umgehend zurück und bezweifelte, daß es sich bei dem Angebot von Icahn um eine ernsthafte Offerte handelte. „Mister Icahn ist seit langem für eigennützige Handlungen bekannt“, hieß es in einer Pressemitteilung von Mylan.
Icahns öffentlichkeitswirksame Offerte diente in der Tat dem Wert seines Portfolios. Der Aktienkurs von Mylan hat sich seit seinem Übernahmeangebot schon deutlich erholt. Icahn hat nur äußerst selten die Drohung einer Übernahme wahrgemacht. Aber allein die Nennung seines Namens sorgt gemeinhin für Nervosität und Veränderungen bei den Firmen, die er ins Visier nimmt.
Schockwellen durch ein Unternehmen senden
Seinen Namen hat sich Icahn in den achtziger Jahren gemacht, als er und andere Firmenjäger (Raider), finanziert durch Ramschanleihen, Anteile von unterbewerteten Unternehmen kauften oder mit der Androhung von feindlichen Übernahmen auf Änderungen drangen.
Die Mitteilung, daß Icahn einen fünfprozentigen Anteil übernommen hat, reichte aus, um Schockwellen durch ein Unternehmen zu senden. Wenn ein Konzern Icahn widerstehen wollte, mußten Leute entlassen oder Teile des Geschäfts verkauft werden, um den Aktienkurs zu stützen. Andere Unternehmen sahen sich veranlaßt, Icahns Anteile mit einer dicken Prämie zurückzukaufen, um ihn loszuwerden. Die Liste der Icahn-Attacken ist lang.
Besonders bekannt wurde er für seinen langen Kampf gegen den Zigaretten- und Nahrungsmittelhersteller RJR Nabisco, der schließlich zu dessen Aufspaltung führte. Weitere Ziele waren der Mineralölkonzern Texaco sowie der Stahlgigant U.S. Steel. Einer der seltenen Fälle, in denen Icahn tatsächlich die Kontrolle über ein Unternehmen erwarb, war die Fluggesellschaft TWA. Unter seiner Aufsicht rutschte der Konzern aber in die Insolvenz.
Hedge Fonds gegründet
Icahn kann den Markt immer noch bewegen. Im vergangenen Jahr sorgte er für Aufsehen, als er Aktien des unter Druck gerateten Filmherstellers Eastman Kodak zu kaufen begann. Anleger wetteten auf einen Kampf um die Kontrolle des Unternehmens und trieben den Aktienkurs in die Höhe. Dieser Kampf fand zwar nicht statt, aber Icahn, dessen Privatvermögen auf über 7 Milliarden Dollar geschätzt wird, profitierte dennoch vom gestiegenen Kodak-Kurs.
Wie das Beispiel Mylan zeigt, ist nicht zu erwarten, daß Icahn seine Aktivitäten einschränkt. „Er mag wirklich die Auseinandersetzung“, sagt der New Yorker Investmentbanker Wilbur Ross. Icahn gründete jüngst einen Hedge Fonds, mit dem er insgesamt 3 Milliarden Dollar bei Investoren einsammeln will. Jetzt fragt sich die Wall Street gespannt, was Icahn mit dem Geld vorhat. Er vergrößert damit nämlich seine Kriegskasse - und somit kommen größere Angriffsziele in Reichweite.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |