25.07.2007 · Die Krisenstimmung am amerikanischen Immobilienmarkt und an den internationalen Kreditmärkten hält an: In Europa und Asien gaben die Aktienkurse nach, vor allem europäische Finanzwerte erlitten Einbußen. Der Yen gewann derweil an Wert.
Die Krisenstimmung am amerikanischen Immobilienmarkt sowie an den internationalen Kreditmärkten hat die Investoren auch zur Wochenmitte in Atem gehalten. In Europa und Asien gaben die Aktienkurse nach, vor allem Finanzwerte erlitten Einbußen. Am Devisenmarkt gewann der Yen zu Euro und Dollar an Wert. „Der abflauende Risikoappetit führt dazu, dass Carry Trades zurückgefahren werden“, sagt Hans-Günter Redeker, der Chefdevisenstratege bei BNP Paribas in London. Der Abbau dieser spekulativen Zins-Währungsgeschäfte treibe den Yen-Kurs nach oben. Zum Dollar verlor der Euro rund einen Cent auf 1,3705 Dollar.
Anfängliche Gewinne in Wall Street stützten die Kurse diesseits des Atlantiks nur kurzzeitig. Kurz vor Handelsende rutschte der Deutsche Aktienindex Dax um fast 2 Prozent nach unten. „Die Anleger befürchten, dass die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt für schlechte Schuldner (,Subprime') Kreise zieht“, sagt Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch in Frankfurt. Sie gingen deshalb auf Nummer Sicher und verkauften Aktien. Davon betroffen waren insbesondere Finanzwerte wie Deutsche Bank und Allianz. Zur Deutschen Bank kursierten Gerüchte, dass sie im zweiten Quartal Verluste im Handel erlitten habe. Ein Sprecher der Bank wollte dies nicht kommentieren.
„Anlass zu ernsten Sorgen“
Zu der allgemeinen Nervosität trug ein Bericht der Ratingagentur Moody's vom Dienstag bei, nach dem die Schwierigkeiten am amerikanischen Subprime-Hypothekenmarkt „Anlass zu ernsten Sorgen“ geben: Sowohl einige Finanzinstitute als auch einige Investoren müssten in nächster Zeit Verluste verkraften. Doch sei die Kapazität des Finanzsystems, Schocks zu absorbieren, ausgesprochen hoch. Deshalb hege man keine Bedenken, dass sich aus den jüngsten Turbulenzen ein Risiko für die Stabilität des Finanzsystems insgesamt ergeben könne. Zur Begründung verweist die Ratingagentur darauf, dass die hierfür zentralen Großbanken über deutlich mehr Eigenkapital verfügten als von den Aufsichtsbehörden vorgeschrieben. Zudem hätten sie zuletzt hohe Milliardengewinne erzielt. Beides dürfte es ihnen ermöglichen, etwaige Verluste zu verdauen.
An den Märkten wird gleichwohl spekuliert, dass den herben Verlusten bei einem Hedge-Fonds der Schweizer Großbank UBS sowie bei zwei Hedge-Fonds der amerikanischen Investmentbank Bear Stearns ähnliche Hiobsbotschaften von weiteren Instituten folgen könnten. Traue man den Angaben der deutschen Banken, seien sie in den Wertpapieren, welche den Hedge-Fonds Verluste bereiteten, aber nicht stark engagiert, sagt Bankenfachmann Hein dazu. Von außen nachvollziehen lasse sich dies aber nicht.
Auch wird befürchtet, dass den Großbanken durch die erhöhte Risikoscheu lukrative Geschäftsfelder austrocknen könnten - zu Lasten ihrer Gewinne. So ist das Emissionsvolumen bei „Collateralized Debt Obligations“ (CDOs) im Juli deutlich zurückgegangen. Auch das Übernahmegeschäft - bei dem Investmentbanken durch Beratung und Kreditvergabe Geld verdienen - könnte einen Dämpfer erhalten. Ähnliches gilt für das Geschäft mit Hedge-Fonds, die zu den wichtigen Käufern von CDOs zählen. Solche Überlegungen haben in letzter Zeit viele Anleger veranlasst, sich von Bankaktien zu trennen. Der Index für europäische Bankaktien hat sich dadurch seit Mitte Mai von der allgemeinen Entwicklung des Marktes abgekoppelt und nachgegeben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.751,96 | −0,09% |
| FAZ-INDEX | 1.505,26 | −0,19% |
| TecDAX | 772,73 | −1,05% |
| MDAX | 10.296,70 | −0,54% |
| SDAX | 4.989,81 | −0,62% |
| REX | 423,38 | +0,51% |
| Eurostoxx 50 | 2.489,35 | −0,18% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,46 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.904,10 | +0,96% |
| Nasdaq 100 | 2.592,29 | +1,42% |
| S&P500 | 1.358,04 | +1,10% |
| Nikkei225 | 9.389,48 | +1,64% |
| EUR/USD | 1,3130 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 120,28 $ | +0,19% |
| Gold | 1.713,00 $ | −1,15% |
| Bund Future | 138,72 € | −0,24% |