Home
http://www.faz.net/-gv6-6wrw6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Finanztransaktionssteuer Die Robin-Hood-Steuer

Geld einnehmen, Banken bestrafen, Märkte beruhigen und Gerechtigkeit schaffen: Eine Transaktionssteuer auf Finanzgeschäfte hat viele Freunde. Wir prüfen ihre Argumente.

© REUTERS Vergrößern Eine Transaktionssteuer hilft nicht, die Börse zu beruhigen. Möglicherweise sorgt sie sogar dafür, dass die Ausschläge an den Börsen noch zunehmen

Geld einnehmen

57 Milliarden Euro soll sie einbringen, die neue Transaktionssteuer auf Finanzgeschäfte. Das hofft zumindest die EU-Kommission in einem Konzept, das sie schon eine Weile vorantreibt. Vergangene Woche hat die Steuer von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy viel Unterstützung bekommen - Sarkozy will die Steuer jetzt zur Not allein einführen. Auf jeden Kauf von Aktien oder Anleihen sollen 0,1 Prozent an Steuern fällig werden, auf jeden Kauf von Derivaten 0,01 Prozent. Am liebsten hätte die Kommission das Geld für sich, als eigene Steuer - aber auch die Finanzminister der einzelnen Staaten werden sich Hoffnung auf das Geld machen.

Patrick Bernau Folgen:        

Doch nicht alle Länder in der Europäischen Union sind einverstanden mit dem Vorschlag. Großbritanniens Premierminister David Cameron zum Beispiel sperrt sich dagegen, die Londoner Börse mit so einer Steuer zu belasten. Zwar gibt es in London schon eine sogenannte „Stamp Duty“ von 0,5 Prozent, doch die gilt nur für Aktienkäufe und nicht für viel häufiger gehandelte Finanzprodukte wie Anleihen oder Derivate. Auch in Großbritannien fordern deshalb Aktivisten eine weitergehende „Robin-Hood-Steuer“.

Infografik / Transaktionssteuer - Grafik 1 (Karte) © F.A.Z. Vergrößern Wo Transaktionssteuer erhoben werden

Wenn Cameron nicht mitmacht, kommt erheblich weniger Geld in die Kasse. Allein für die Finanzprodukte, die aus London heraus ge- und verkauft werden, fällt dann rund ein Drittel der Steuereinnahmen weg.

Dazu kommt der Verlagerungseffekt: Börsenhändler könnten in so einer Situation ihre Geschäfte leicht nach London verschieben. Zwar hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Transaktionssteuer nicht am Ort der Börse zu erheben, sondern dort, wo die beteiligten Händler ihren Sitz haben. Deshalb würde das Geld nicht unbedingt von der Frankfurter an die Londoner Börse ziehen. Aber die Banken würden ihr Geld in britische Tochtergesellschaften verschieben und dann aus London heraus handeln.

Wie viel Börsenhandel genau abwandert, kann im Vorfeld niemand sagen. Schweden hat in den 80er Jahren sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Die Regierung nahm viel weniger Geld ein als erwartet, verlor noch dazu Teile der Kapitalertragsteuer und beendete ihren Versuch nach wenigen Jahren. Heute sieht die Welt anders aus, die Volkswirtschaften der Länder sind eher noch verflochtener - und das macht das Abwandern leichter.

Mehr zum Thema

Klar ist: Die Verschiebungen werden einen erheblichen Teil der möglichen Steuereinnahmen kosten. Doch ein spürbarer Teil wird auch übrigbleiben. In der ursprünglichen, selbst nach den Standards der EU-Kommission optimistischen Schätzung blieben für Deutschland rund zwölf Milliarden Euro. Das ist eine Menge Geld. Selbst wenn die Banken einen großen Teil ihres Geschäfts nach Großbritannien verlagern und einen anderen Teil einstellen, kann der Fiskus immer noch Milliarden einnehmen. Das wäre deutlich mehr als die 2010 eingeführte Bankenabgabe, die im vergangenen Jahr gerade 600 Millionen Euro eingebracht hat.

Die Banken bestrafen

Die Banken sollen bezahlen, fordern die Deutschen, und zwar aus zwei Gründen. Erstens, weil viele Finanzgeschäfte bisher von der Mehrwertsteuer ausgenommen sind. Und zweitens, weil die Banken die Finanzkrise verursacht haben. Aus der Krise haben die Banken deshalb noch zig Rettungsmilliarden zurückzuzahlen.

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bankenstrafen-Ticker Milliarden-Strafen für fünf Großbanken

Betrug, Geldwäsche, Zinsmanipulationen: Banken weltweit müssen für ihre Fehltritte büßen. Jetzt sind im Skandal um manipulierte Devisenkurse Strafen gegen fünf Großbanken in Höhe von 2,7 Milliarden Euro verhängt worden. Mehr

12.11.2014, 11:02 Uhr | Wirtschaft
Renminbi-Handel China öffnet Währung und Aktienhandel

Am ersten gemeinsamen Börsentag mit Hongkong strömt das internationale Kapital schneller nach Schanghai als gedacht. Und in Frankfurt fließen die ersten Zahlungen in Renminbi. Deutsche Mittelständler freut es. Mehr Von Hendrik Ankenbrand, Hanno Mußler, Schanghai/Frankfurt

18.11.2014, 07:49 Uhr | Finanzen
Börsenspiel Marktüberblick Up, up and away. Auf zur Jahresendrally?

Zwei Wochen Durchatmen waren genug. Die Erholungsphase nach dem 1.000-Punkte-Anstieg tat dem DAX anscheinend gut. Mit frisch gewonnener Kraft spurteten die deutschen Aktien um satte 5,2% nach oben und schafften den größten Wochengewinn des Jahres 2014. Mehr

24.11.2014, 09:51 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.01.2012, 19:40 Uhr

Die Vermögensfrage Angst vor kleinen Zinsen kann zu großem Verlust führen

Angst vor Aktien und Blasen auf Immobilienmärkten – Geldanlagen drohen zur Qual zu werden. Jetzt begünstigen auch noch Strafzinsen auf Sparguthaben den Einstieg in risikoreiche und überteuerte Geldanlagen. Mehr Von Volker Looman 11 18

Wertpapiersuche