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Veröffentlicht: 29.05.2014, 21:13 Uhr

Finanzstabilitätsbericht An den Märkten baut sich Spannung auf

Die Europäische Zentralbank warnt, die Bundesbank auch: Sehr niedrige Kursschwankungen sind keine gute Nachricht – sondern ein Alarmsignal.

von und , Frankfurt/New York
© dpa Warnungen aus der Geldpolitik trotz guter Stimmung an den Märkten: Kapitalanleger stehen laut EZB-Vize Constancio derzeit vor einem Risiko

Die Worte sind von unmissverständlicher Klarheit: Kapitalanleger und hier nicht zuletzt die Banken sollten die „Möglichkeit eines scharfen und ungeordneten Abbaus der jüngsten Kapitalflüsse“ einkalkulieren, sich dieser Risiken bewusst sein und sich schützen, sagte der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Viktor Constancio, anlässlich der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts der Europäischen Zentralbank (EZB). Constancio steht mit seiner Warnung nicht alleine. Erst vor wenigen Tagen hatte Bundesbankpräsident Jens Weidmann auf einer Veranstaltung des Deutschen Aktieninstituts mit Blick auf die historisch niedrigen Renditen für Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie vor einem „hohen Rückschlagspotential“ gewarnt. Denn die niedrigen Renditen nähmen wirtschaftliche Anpassungsprozesse vorweg, die sich zu einem guten Teil aber erst noch einstellen müssten.

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Die Warnungen aus der Geldpolitik stehen im Widerspruch zu einer guten Stimmung an den Finanzmärkten, wo sich die Kurse von Aktien und Anleihen auf einem hohen Niveau befinden und Großanleger aus den Industrienationen noch in den fernsten Regionen der Erde nach einigermaßen attraktiven Renditen suchen. Dabei werden viele Marktteilnehmer von der Überzeugung getrieben, die großen Zentralbanken hätten die Lage im Griff und dienten als eine Art Versicherer gegen schwere Wirtschaftskrisen. Die Geldpolitik wiederum fürchtet, dass dieses Vertrauen in ihre Fähigkeiten von privaten Marktteilnehmern missbraucht wird und besonders Banken nicht schnell genug an ihre eigene Gesundung denken.

Nicht nur ein europäisches Phänomen

So zeigte sich Constancio über die geringe Rentabilität vieler europäischer Banken besorgt; von den Großbanken im Euroraum habe mehr als die Hälfte im zweiten Halbjahr 2013 Verluste ausgewiesen. Zudem befänden sich in den Bilanzen von Banken noch zu viele faule Kredite, und wegen der Anfälligkeit der Konjunktur bestehe das Risiko einer weiteren Verschlechterung der Kreditqualität. Auch bereitet der EZB die enge Verbindung von Staaten und Banken Sorgen. Sollte sich der nicht nur von Weidmann in den Raum gestellte Kurseinbruch bei Staatsanleihen bewahrheiten, belastete er besonders jene Banken, die viele Staatsanleihen in ihren Beständen halten.

Infografik / EZB warnt vor niedrigen Kursschwankungen © F.A.Z. Vergrößern

Die Gelassenheit an den Märkten ist jedoch kein rein europäisches Phänomen. Ihre Stimmungslage lässt sich mit speziellen Indizes messen. Sehr beachtet wird der amerikanische Vix, der auf der Basis von an der Terminbörse in Chicago gehandelten Optionen ein Maß für die erwarteten Kursschwankungen am amerikanischen Aktienmarkt ist. Da der amerikanische Aktienmarkt einer der wichtigsten Finanzmärkte der Welt ist, dient der Vix gelegentlich auch als Indikator für die Stimmungslage an den Weltfinanzmärkten. Als Indikator für den Zustand der amerikanischen Finanzmärkte nutzen Fachleute auch einen Stress-Index der Federal Reserve Bank of St. Louis, der neben dem Vix noch andere Datenreihen enthält. In Europa dient der Renditeabstand zwischen italienischen und deutschen zehnjährigen Staatsanleihen als ein wichtiger Indikator für die Stimmung im Euroraum. In welchem Zustand sich die Bankbranche befindet, lässt sich anhand der Differenz zwischen einem dreimonatigen Euro-Zinssatz für Geschäfte unter Banken (Euribor) sowie einem Zinssatz für risikolose Kredite über Nacht (Eonia) berechnen. Er verdeutlicht, wie groß die Spannungen am Geldmarkt sind, an dem sich Banken untereinander kurzfristig Geld leihen.

Sorglose Lethargie

Alle vier Indizes zeigen einen deutlichen Rückgang der Spannungen gegenüber dem Höhepunkt der Finanzkrise an. Dies ist eigentlich ein gutes Zeichen, aber die Erfahrung lehrt, dass Phasen großer Gelassenheit an den Märkten und niedriger Leitzinsen der Geldpolitik die Finanzbranche dazu bewegt, auf der Suche nach attraktiven Renditen höhere Risiken einzugehen. Dies lässt sich vielerorts beobachten. So sind die Renditeabstände zwischen Anleihen mit guter und Anleihen mit schlechter Bonität deutlich geschrumpft, weil die Anleger bevorzugt die höher rentierlichen Anleihen mit schwächerer Bonität erwerben. Dies gilt für Staatsanleihen wie für Unternehmensanleihen.

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