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Finanzskandale (8): Bernard „Bernie“ Cornfeld : Vom Armenpfleger zum Millionär und Playboy

  • -Aktualisiert am

Bernard Cornfeld liebte das schöne Leben Bild: Getty Images Julian Wasser

Bernard „Bernie“ Cornfeld beschritt beim Vertrieb von Investmentzertifikaten neue Wege. Zunächst hatte sein „Investors Overseas Services“ (IOS) großen Erfolg. Doch vielen Anleger gerieten ihre Investments zum Desaster.

          Vom Tellerwäscher zum Millionär: Bernard „Bernie“ Cornfeld gewann Millionen Kunden mit dem Versprechen, dass dieser uramerikanische Traum für sie Wirklichkeit werden könne. Für ihn selbst wurde der Traum tatsächlich wahr - aber für die meisten seiner Kunden und Mitarbeiter geriet er zum Albtraum. Als die von Cornfeld gegründete Investmentgesellschaft „Investors Overseas Services“ (IOS) 1973 zusammenbrach, markierte dies den bis dahin größten Finanzskandal in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

          Cornfeld war zeitlebens eine schillernde Persönlichkeit. Über seine Kindheit existieren sogar ganz unterschiedliche Versionen: Nach der ersten wurde er 1928 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren, nach der zweiten kam er 1927 als Sohn rumänischer Eltern in Istanbul zur Welt und wanderte erst 1941 in die Vereinigten Staaten ein. Fest steht, dass er einer jüdischen Familie entstammte und in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist. Nach einer sozialpsychologischen Ausbildung arbeitete Cornfeld zunächst als Sozialfürsorger und Armenpfleger, später als Taxifahrer in New York.

          Mit allen Wassern gewaschener Geschäftsmann

          Von den frühen fünfziger Jahren an begann er mit dem Verkauf von Investmentzertifikaten. Damit verdiente er so viel Geld, dass er sich eine Europa-Reise leisten konnte. Während dieses Aufenthalts wurde ihm klar, dass das Investmentgeschäft in der Alten Welt noch unterentwickelt war.

          Cornfeld machte sich daraufhin selbständig und gründete Mitte der fünfziger Jahre in Paris die „Investors Overseas Services“. IOS war zunächst ein Finanzdienstleister, der ganz darauf ausgerichtet war, den in Europa stationierten amerikanischen Soldaten die Geldanlage in amerikanischen Investmentzertifikaten zu ermöglichen. Das Geschäft lief blendend, zumal Cornfeld seinen Kunden angeblich auch Wege aufzeigte, Steuern zu umgehen. 1958 übersiedelte Cornfeld mit seinem Unternehmen nach Genf; die Stadt war damals noch mehr als heute eine Drehscheibe für die internationalen Kapitalströme. Es folgte ein kometenhafter Aufstieg.

          Das Schachtel-Imperium

          Körperlich klein, aber voller Elan, war Cornfeld ein mit allen Wassern gewaschener Geschäftsmann und zudem ein geschickter Seelenfänger und Verkäufer. Um möglichst wenig Steuern zahlen zu müssen, baute er ein verschachteltes Firmenimperium auf. So siedelte sich die IOS 1960 als Aktiengesellschaft in Panama an, der erste IOS-eigene Investmentfonds „International Investment Trust“ domizilierte steuerbegünstigt in Luxemburg, der 1962 gegründete Dachfonds „Fund of Funds“ (FoF) ebenfalls steuersparend in Kanada.

          1968 zählte das Imperium 16 eigene Investmentfonds, fünf Banken, sechs Versicherungsgesellschaften und drei Dutzend weitere Tochtergesellschaften. Auf undurchsichtige Art arbeiteten alle diese Unternehmen einander zu; viel Geld dürfte dabei letztlich auf Konten von Cornfeld gelandet sein, dessen privates Vermögen zeitweise auf mehr als 100 Millionen Dollar geschätzt wurde. Die Zentrale des Konzerns blieb aber in Genf, wo Cornfeld - der sich selbst als einen von Frauen umschwärmten Playboy inszenierte - in einem Schloss residierte.

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