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Finanzskandale (2): European Kings Club : Königin der Anlagebetrüger

Auch als sich Damara Bertges im Oktober 1996 vor dem Landgericht Frankfurt verantworten musste, winkte sie ihren Anhängern noch freundlich zu Bild: picture-alliance / dpa

Damara Bertges war das Gesicht des European Kings Club. Zwei Milliarden D-Mark steckten gutgläubige Anleger in ihren Verein ohne Geschäftsmodell. Ihre Anhänger blieben der charismatischen Frau auch im Untergang treu.

          Am Ende half auch Magic Merlin nicht mehr. Das Maskottchen des magischen Zauberers hatte die Präsidentin des European Kings Club zur Verhandlung mitgebracht, damit er sie gegen die bösen Strafverfolgungsbehörden beschütze. Die Banken, das Kapital und die Staatsbehörden waren nämlich die Feinde, gegen die Damara Bertges auszog.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie war jahrelang durchs Land getingelt und hatte Anteile an ihrem Club verkauft, um die Vorherrschaft des bösen Kapitals zu brechen. Sie traf den Nerv der Zeit: Sie wurde reich auf ihrem Feldzug gegen das Großkapital, denn die Kleinanleger legten ihr das Geld millionenfach zu Füßen.

          Es klingt unglaublich, wenn man es in dieser Kürze hört. Aber es wäre fatal, würde man die Herrin des European Kings Club einfach nur als Spinnerin abtun und ihre Gefolgsleute als gedankenlose Narren.

          Konkurs im Jahr 1996

          Die Geschichte trug sich auch nicht kurz nach dem Ende des Mittelalters zu, sondern ist gerade einmal fünfzehn Jahre her. Und es war auch nicht irgendein Fall von Anlegerbetrug, sondern der bis dahin größte Fall in der Geschichte der Bundesrepublik. Das Konkursverfahren, das 1996 eröffnet wurde, sprengte alles bisher Dagewesene, denn obwohl das ganze Geschäft nur drei Jahre lief, von 1991 bis 1994, nahm es gigantische Ausmaße an: Die Chefs des European Kings Club (EKC) sammelten über zwei Milliarden Mark von rund 100.000 Anlegern in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein. Völlig ohne Geschäftsmodell.

          Der Club war, so hieß es später vor Gericht, von Anfang an als betrügerisches Schneeballsystem oder Pyramidensystem ausgelegt, bei dem die Gelder neuer Anleger dazu benutzt wurden, die Auszahlungen an Altmitglieder zu finanzieren. Das Einzige, was der Club seinen Anhängern dafür gegeben hatte, war das Versprechen, dass er jedem Clubmitglied sein eingezahltes Kapital innerhalb eines Jahres mit 70 Prozent verzinsen würde.

          Ein Renditeversprechen, bei dem heute noch jedem Anlegerschützer schwummerig wird und bei dem sofort alle Alarmlampen mitsamt Sicherung hätten durchbrennen müssen. Aber das System des European Kings Club war ebenso simpel wie perfide und letztlich genial. So genial, dass selbst die Geprellten noch im Gerichtssaal den Richter bedrohten: Das System hätte funktionieren können - wenn nur die Strafverfolgungsbehörden es nicht bösartig vereitelt hätten, vermutlich weil sie selbst neidisch waren.

          Bankenschelte schaffte Vertrauen

          Der Club wetterte gegen das System der Banken und deren Geldschinderei. Die nähmen die Leute aus, um mit dem wenigen Geld des kleinen Mannes horrende Zinsen zu erwirtschaften. Und wenn er, der Club, mit dem Geld seiner Mitglieder mühelos einen Zins von 70 Prozent erwirtschaften könne, dann zeige das, dass die Banken mindestens 100 Prozent Gewinn machen müssten. Die Bankenschelte war zu jener Zeit genauso populär, wie sie es auch heute wieder ist. Deswegen traf sie bei vielen Anlegern den Nerv.

          Dazu kam das große psychologische Geschick von Damara Bertges, der Königin des Kings Club. Sie wickelte das Publikum ebenso charismatisch wie wortgewaltig um den Finger. Sie war, wenn man so will, eine Königin der Herzen: Eine bodenständige Fränkin aus Schweinfurt, die sich zwar mit einem Hang zu starken Farben und groben Mustern kleidete, aber nie übertrieben aufgetakelt erschien - dafür aber umso herzlicher. Diese Volksnähe kam an: Selbst vor Gericht strahlte und winkte sie ihren Anhängern zu und die feierten sie wie eine Sektenchefin. Sie steckten ihr sogar Blumensträuße und rote Rosen im Gerichtssaal zu.

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