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Finanzprodukte Geldanlage in der Krise

23.02.2009 ·  Die Nachfrage der Deutschen nach Tresoren ist seit Oktober sprunghaft gestiegen. Es mag zwar nur ein Randaspekt der Krise sein, er macht aber klar, wie angegriffen das auf Vertrauen basierende Finanzsystem ist. Doch die Krise der Anleger ist auch ein gutes Stück hausgemacht.

Von Daniel Mohr
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Die Nachfrage der Deutschen nach Tresoren ist seit Oktober sprunghaft gestiegen. Was für die Branche der Tresorhersteller eine erfreuliche Tatsache sein mag, spiegelt auf der anderen Seite den enormen Vertrauensverlust gegenüber Banken wider. Tresorhändler zitieren aus Kundengesprächen, Misstrauen in die Wertaufbewahrung in Banken sei der Hauptgrund für den Kauf eines eigenen Geldschranks.

Es mag zwar nur ein Randaspekt der Krise sein, er macht aber doch klar, wie ernst die Lage und wie angegriffen das auf Vertrauen basierende Finanzsystem ist. Allein das Geldvermögen der Deutschen (also ohne Immobilien, Autos und Hausrat) beläuft sich auf etwa 4,5 Billionen Euro, das sind rund 56.000 Euro je Einwohner. Es gibt also viel zu verlieren.

Unwissenheit der Anleger

Doch zumindest die Krise des Vertrauens in die Geldanlage ist ein gutes Stück hausgemacht. In ihrer Unlust, sich mit ihrer privaten Vermögensallokation zu befassen, haben die Anleger oftmals auf Beratung und Produkte vertraut, die dieses Vertrauen nicht verdient haben. Erst als mit Lehman Brothers ein Zertifikateemittent zusammenbrach, stellte so mancher Anleger verblüfft fest, dass Zertifikate Schuldverschreibungen sind, die im Insolvenzfall keinen Schutz genießen. Das war kein Geheimnis, und es hätte keines großen Aufwandes bedurft, dies herauszufinden. Nun erst wird vielen Zertifikatekäufern klar, dass sie eigentlich überhaupt nicht wissen, welche Produkte sie sich von ihrer Bank verkaufen lassen. Das Geld, das jetzt aus dieser Anlageklasse abgezogen wird, gehörte da also erst gar nicht hin.

Den Fonds, die als Sondervermögen im Insolvenzfall wenigstens geschützt sind, erging es nicht besser. Anleger beklagen nun hohe Wertverluste. Ihnen war offenbar nicht klar, dass Mischfonds eben auch Aktien enthalten, die einem hohen Kursrisiko unterliegen, und dass Schwellenländerfonds, auch wenn sie in bunten Werbeprospekten auf tolle Renditen in den vergangenen Jahren verweisen, eine hochriskante Anlage sind. Wer nicht bereit ist, dieses Risiko zu tragen, hätte nie einen Fonds kaufen sollen.

Manche Grundsätze gelten immer

Selbst mit Tagesgeld fielen einige Anleger auf die Nase, als die isländische Kaupthing-Bank in staatliche Obhut genommen werden musste und die Anlegergelder eingefroren wurden. Das Wehgeschrei macht das grundsätzliche Missverständnis vieler Anleger besonders sichtbar und erklärt auch den Vertrauensverlust. Wer nur Augen für die mögliche Rendite hat und auf diese vertraut, fällt aus allen Wolken, wenn die Risiken der Geldanlage plötzlich zum Vorschein kommen und den Anlageerfolg schmälern. Der Grundsatz "Je höher die Renditeaussichten einer Geldanlage sind, desto höher ist auch das Risiko" gilt noch immer - und er wird in funktionierenden Märkten auch immer gelten.

Ein Tagesgeldkonto einer isländischen Bank bot nicht aus Barmherzigkeit deutschen Anlegern einen weit höheren Zins, sondern deshalb, weil die Bank des Geldes besonders dringend bedurfte. Wenn komplizierte Zertifikatestrukturen als sichere Anlage mit einer zweistelligen Jahresrendite angepriesen werden und der Anleger erst im Ernstfall die Fußnoten mit den Risiken durchliest und sich dann beklagt, das habe er alles nicht gewusst, ist das naiv.

Es gibt genug einfache Finanzprodukte

Wenn diese Finanzkrise etwas Gutes hat, dann liegt es vielleicht darin, dass sich die Deutschen nun mehr und kritischer mit ihrer Geldanlage befassen. Würde für den Kauf eines Finanzprodukts zumindest dieselbe Zeit wie für den Erwerb einer Waschmaschine oder eines DVD-Players aufgewendet, wäre schon viel gewonnen. Dann dürften grundlegende Funktionsweisen und Risiken von Finanzprodukten verstanden worden sein, so dass der Anleger nüchtern abwägen kann, ob er das Produkt haben will oder nicht. Versteht der Anleger ein Geldanlageprodukt trotz Bemühens nicht, sollte er es auch nicht kaufen.

Schließlich gibt es genug einfache Finanzprodukte. Ein mit drei Prozent verzinstes Tagesgeldkonto einer Bank mit deutscher Einlagensicherung ist zum Beispiel keine schlechte Geldanlage, auch Festgeldkonten bieten vernünftige Renditen ohne abenteuerliche Risiken. Mit Indexfonds kann der Anleger zu geringen Kosten an der Entwicklung eines Index - wie zum Beispiel des Dax - teilhaben. Und wer derzeit das System insgesamt in Zweifel zieht, der kann auch mit Gold als Geldanlage glücklich werden.

Gleichwohl muss der Anleger sich bewusst sein, dass seine Bank ihm lieber andere Produkte verkaufen möchte. Die Beratung lebt von Provisionen, und diese lassen sich nun eben besser in kompliziert strukturierten Zertifikaten, in Fonds und lang laufenden Versicherungen unterbringen als in Aktien, Indexfonds oder Sparkonten. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries sagte in dieser Woche bei der Vorstellung eines Gesetzentwurfes zum besseren Anlegerschutz, dass sich "manche Berater mehr an Provisionen als am Kundeninteresse orientiert haben". Das ist nicht unplausibel, und der Anleger sollte sich dessen immer bewusst sein. Ein Mindestmaß an Information über die Anlageprodukte schützt sein Geld besser als die derzeit so gefragten Tresore.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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