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Finanzmarktbericht Die Märkte richten sich auf stabile Dollar-Leitzinsen ein

15.02.2004 ·  Die G7-Beschlüsse zu Devisenmarktinterventionen und Äußerungen des amerikanischen Notenbankchefs Greenspan dämpften Spekulationen auf eine baldige Straffung der Geldpolitik. Der Bericht vom internationalen Finanzmarkt

Von Benedikt Fehr
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Nach den beiden wirtschaftspolitischen Großereignissen "Kommuniqué der Siebenergruppe" und " Greenspan-Anhörung vor dem Kongreß" richten sich die Finanzmärkte auf weiterhin niedrige Zinsen ein. Dies erstens, weil Alan Greenspan, der Chef der amerikanischen Notenbank Fed, deutlich gemacht hat, daß es bis auf weiteres beim derzeitigen Leitzins und damit bei niedrigen kurzfristigen Zinsen bleibt; der Fed-Chef zerstreute damit Spekulationen auf eine Leitzinserhöhung noch im ersten Halbjahr. Zweitens, weil die Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben wichtigsten Industrieländer am vergangenen Wochenende grünes Licht für eine durch Interventionen moderierte Abwertung des Dollar gegeben haben. Da die Zentralbanken die angekauften Dollar größtenteils in amerikanischen Staatspapieren anlegen, dürften damit auch die mittel- und langfristigen Zinsen auf absehbare Zeit niedrig bleiben.

Die Finanzmärkte reagierten prompt: An den Aktienmärkten hat die von Greenspan genährte Aussicht auf kräftiges Wirtschaftswachstum und weiter niedrige Notenbankzinsen die Investoren zugreifen lassen. Als Folge stiegen zur Wochenmitte die Kurse sowohl an den Aktien- als auch an den Zinsmärkten, der Dow-Jones-Index erreichte sogar ein zyklisches Hoch. Dazu trug auch bei, daß in Wall Street die Fusions- und Übernahmephantasie viel neue Nahrung erhalten hat, vor allem durch die "feindliche" Übernahme-Offerte für Disney, ferner aber auch durch die finanziell überaus freundliche Übernahme von Netscreen durch Juniper sowie die "Selbstversteigerung" von AT&T Wireless.

Schlechte Konjunkturdaten

Gleich mehrere Faktoren dürften das M&A-Geschäft weiter auf Hochtouren laufen lassen: Das Kaufinteresse nimmt zu, weil viele Unternehmen nach harter Sanierung nun wieder attraktiv für Käufer sind - oder selbst durch Zukäufe wachsen wollen. Obendrein ermöglichen niedrige Zinsen und erholte Aktienkurse den Möchtegern-Käufern die Finanzierung ihrer Träume.

Die positive Stimmung an den Aktienmärkten trübte allerdings, daß die Konjunkturdaten, die in der zweiten Wochenhälfte veröffentlicht wurden, mit Greenspans zuversichtlichem Bild kontrastierten: Die Daten vom Arbeitsmarkt, über das Konsumentenvertrauen sowie den Außenhandel überraschten alle negativ. Das hat die Aktienkurse am Freitag unter Druck gebracht; dennoch schlossen die großen Länder-Indizes die Woche noch mit einem Plus ab.

Wenig Bedarf für Leitzinserhöhung?

Auch an den Anleihemärkten sind die Kurse gestiegen. In seiner Anhörung hatte Greenspan die Anhebung des Leitzinses, der sich derzeit auf einem Langzeittief befindet, erst einmal auf die lange Bank geschoben. Das hat den impliziten Zins des Terminkontrakts auf Dollar-Dreimonatsgeld mit Laufzeit Juni 2004 unter 1,25 Prozent fallen lassen - was signalisiert, daß bis dahin keine Anhebung des Leitzinses von derzeit 1,0 Prozent erwartet wird. Noch Anfang Dezember hatte dieser Kontrakt angezeigt, daß die Märkte auf einen Leitzins von 1,75 Prozent im Juni 2004 spekulierten.

Die Analysten von Goldman Sachs heben Greenspans Aussage hervor, die "Nairu" könne eventuell bei dem niedrigen Wert von 4 Prozent liegen. Nairu steht für Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment, also für die "inflationsneutrale Arbeitslosenquote". Hinter dem Begriff wiederum steht ein theoretisches Modell, dem zufolge sich die Inflation erst dann beschleunigt, wenn die gemessene Arbeitslosenquote unter den Wert der "Nairu" fällt. Sollte die "Nairu" in Amerika tatsächlich bei nur 4 Prozent liegen, würde dies angesichts der aktuellen Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent auf geringe Inflationsgefahren schließen lassen - und mithin auf wenig Bedarf für eine Erhöhung des Leitzinses.

Spekulationen um Interventionen der EZB

Was im G-7-Kommuniqué implizit angedeutet wurde, hat Greenspan offen gesagt: Daß der amerikanischen Politik an einer Abwertung des Dollar gelegen sei, weil dies in der Tendenz zum Abbau des Leistungsbilanzdefizits beitrage. Das hat den Dollar gegenüber vielen Währungen unter Druck gebracht. Prompt kamen Spekulationen auf, daß nach der japanischen Notenbank nun auch bald die Europäische Zentralbank (EZB) Dollar ankaufen könnte. Denn auch diese Möglichkeit hatte das Kommuniqué mit der Warnung vor "exzessiven Wechselkursbewegungen" als Möglichkeit in den Raum gestellt.

Die Interventionsspekulationen heizte an, daß ein hochgestellter japanischer Beamter gemeinsame Interventionen als möglich bezeichnete. Aus japanischer Sicht wäre es sicherlich hoch willkommen, wenn die EZB ebenfalls Dollar ankaufen und damit die Bank of Japan bei der Finanzierung des amerikanischen Kapitalbedarfs entlasten würde. Durch koordinierte Interventionen, so diese Vorstellung, könnten Euro und Yen im Gleichschritt gegenüber dem Dollar abwerten, die Zentralbanken zudem das Tempo der Abwertung steuern.

Vor diesem Hintergrund kochten am Freitag Spekulationen über verdeckte EZB-Interventionen hoch. Auslöser war, daß der Euro am späten Nachmittag wie ein Stein auf 1,2730 Dollar absackte, nachdem er zuvor in Reaktion auf die Nachricht vom Rekord-Handelsdefizit Amerikas steil bis auf 1,2896 Dollar gestiegen war und damit fast ein neues Rekordhoch markiert hatte. Andere Stimmen erklärten den Euro-Kursrutsch hingegen mit Gewinnmitnahmen vor dem feiertagsbedingt langen Wochenende in Amerika.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.2004, Nr. 39 / Seite 26
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