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Münze in Perth : Goldpräger wollen Bitcoin-Technik nutzen

Münze Perth: Arbeiterhandschuhe neben Goldscheiben Bild: Bloomberg

Die weltweit führende Münzprägeanstalt in Perth spürt den Hang zu spekulativen Anlagen. Doch hier glaubt keiner, das Internetwährungen „das neue Gold“ sind.

          Der Weg führt durch die Tiefgarage, durch ein Rolltor und eine halbmeterdicke Stahltür – dann ist man umgeben von Gold. Einer der sieben Tresore der Münze im westaustralischen Perth, die auf rund 3,5 Milliarden Dollar Gold und Silber in Barren und Münzen sitzt, sieht eher schnöde aus: orange-blaue Stahlregale mit Paletten, auf denen sich die Barren stapeln, eine große Kamera, ein Gabelstapler und eine stabile Leiter. Schnöde wirkt das Herz desjenigen australischen Unternehmens, das den höchsten Export nach Deutschland verzeichnet. In der Perth Mint werden 90 Prozent des frisch gehobenen Goldes Australiens geschmolzen; 334 Tonnen Gold und 540 Tonnen Silber im vergangenen Geschäftsjahr (30. Juni). Die Münze exportiert jährlich Gold und Silber im Wert von rund 18 Milliarden Dollar in 130 Länder der Erde.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Richard Hayes kommt nicht allzu oft hier hinunter. „Je weniger Menschen Zutritt haben, umso geringer sind die Risiken“, sagt der Vorstandschef der Perth Mint nüchtern. Gerade erst wurde ein Wachmann verurteilt, weil er einen aus der Münze geschmuggelten Barren versuchte, zu Geld zu machen. Seitdem dürfen die Mitarbeiter keine Unterwäsche mit Metallteilen mehr tragen. Sicherheit ist das erste Gebot: Denn hier werden die Anlagen von mehr als 35.000 Investoren gehütet – vom Staatsfonds bis zum Kleinanleger. Zwei Etagen weiter oben in dem historischen Gebäude aber arbeiten Hayes und seine Leute daran, dass die historische Münze von 1899 die neuen Zeiten nicht verpasst. „Wir arbeiten mit Partnern an einem Angebot, das auf Blockchain-Basis fußt, aber mit echtem Gold hinterlegt sein wird. Das können Sie dann, wenn Sie mögen, bei uns anfassen“, sagt der Chef der Münze, die in Händen der Regierung Westaustraliens liegt. Das neue Produkt werde noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

          Deutschland als zweitwichtigster Abnehmer

          Der Bitcoin-Boom ist an der traditionellen Münzanstalt nicht spurlos vorübergezogen. Immer mehr Menschen sprangen auf den Zug auf und spekulierten in den vergangenen Monaten mit Internetwährungen, statt noch auf Edelmetalle zu setzen. Hinzu kam die Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten, die die Preise für spekulative Anlageformen in die Höhe trieb: „Wir hatten praktisch einen perfekten Sturm für Gold“, sagt Hayes im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir hängen mit unserem Münzgeschäft sehr stark vom amerikanischen Markt ab.“

          Deutschland ist der zweitwichtigste Abnehmer der Münzen aus Australiens Westen, vor China. Deutsche Anleger kauften in den vergangenen zwölf Monaten 4,1 Millionen Gold- und Silbermünzen im Gesamtgewicht von 158 Tonnen aus Perth im Wert von 447,5 Millionen australischen Dollar (291 Millionen Euro). Unter anderem arbeitet die Münze „down-under“ mit der Deutschen Bank, der LBBW, Helaba und Commerzbank zusammen.

          Gold verschwindet nicht

          Der „perfekte Sturm“ aber hinterließ Spuren. Der Vorsteuergewinn des größten Goldhändlers des Bodenschatzlandes halbierte sich schon im vergangenen Geschäftsjahr (30. Juni) nahezu auf 24,5 Millionen australische Dollar, allerdings vom Rekordwert von 41 Millionen Dollar im Jahr zuvor.

          Viel hängt dabei vom Design und der Qualität der Prägung der Münzen ab. Die Perth Mint betrachtet Hayes als die zweitbeste weltweit nach der Münzanstalt Japans. „Aber unsere Qualität liegt über derjenigen Kanadas.“ Hinzu werden Käufer von exotischen Motiven gelockt: auf der World Money Fair Anfang Februar in Berlin werden die Australier ihre neue ein Unze schwere Känguru-Münze vorstellen, von der sich Hayes viel verspricht. „Sind die Motive exotisch genug, ziehen sie die Leute an. Von da an geht uns auch darum, sie als Sammler zu halten.“ Wer so denkt, ist kein Freund von Bitcoin & Co. Hayes prüft deren Kurse zwar auf seinem Handy, das Spekulieren aber überlässt er seinem Sohn. „Was wird, wenn die Welt zusammenbricht und man plötzlich nur noch mit einem USB-Stick dasteht? Da besitzen Gold und Silber eine ganz andere Qualität“, sagt er. „Gold kann man anfassen, es verschwindet nicht – ich glaube nie und nimmer, dass Internetwährungen das neue Gold sind.“ Zudem würden die Krypto-Anlagen von den Regierungen schon bald reguliert werden, glaubt der Chef der Münze im Gold-Land Westaustralien.

          Edelmetalle stehen vor Herausforderungen

          Gleichwohl ist der Gold-Mann von der neuen Technik fasziniert, die hinter Bitcoin liegt. „Es ist schon spannend, zu beobachten, welche sozialen Folgen Internetwährungen nach sich ziehen.“ Und die Blockchain-Technik als ihre Basis sei reif, auch für „Krypto-Gold“ übernommen zu werden. „Damit werden wir ein neues Segment erreichen, die jungen Anleger“, sagt Hayes. Zudem würde die Herkunft des Goldes nachvollziehbar – was für sauber gefördertes Gold Australiens spricht. Eine Debatte, wie sie um „Blutdiamanten“ geführt wurde, wäre damit überflüssig. Und schließlich machte die Nachvollziehbarkeit des Handels dank der historischen Daten in der Blockchain es Kriminellen und Terroristen schwer, aktiv zu werden.

          Auch scheinen sich die Zeiten zu wenden – wer Bitcoin hatte, versucht auszusteigen, und nicht wenige sichern ihren elektronischen Gewinn in Edelmetallen. Gleichwohl sieht der Gold-Fachmann Hayes noch keinen blauen Himmel: „Edelmetalle werden noch in den nächsten Jahren vor Herausforderungen stehen“, sagt er. Was auch nur für moderate Preise für Gold und Silber spricht, die im Umkehrschluss das Leben der Münzen nicht einfacher machen. Hayes räumt freimütig ein, ohne dies zynisch zu meinen: „Uns tut eine weltweite Krise gut.“ Und schließt dann an: „Die aber kann ich für die nächsten zwei Jahre nicht erkennen. Persönlich glaube ich nicht, dass Gold so schnell auf extreme Höhen stürmen wird.“

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