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Kryptoanlagen : Wie die Finanzwirtschaft über Bitcoin & Co. lästert

Kryptoanlagen wie Bitcoin oder Etherum sind bei vielen Anlegern gefragt. Bild: Reuters

Die Kritik an Kryptoanlagen wird immer massiver. Warren Buffett ist kein Einzelfall. Doch die Finanzindustrie schießt mit ihrer Art von Kritik deutlich über das Ziel hinaus.

          Warren Buffett ist kein Freund von Krypto-Anlagen. Das hat der 87 Jahre alte Investor in vielen Interviews immer wieder beteuert. Am Rande der Hauptversammlung seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway legte er nochmals nach: Buffett bezeichnete die älteste und wichtigste Digitalwährung Bitcoin als „Rattengift hoch zwei“. „Die Leute kaufen Bitcoin allein in der Hoffnung, dass sie jemand anderen finden, der ihnen mehr dafür zahlt.“ Er verglich den Hype um Krypto-Anlagen mit der niederländischen Tulpenmanie von 1637, die als erste Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte gilt.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch sonst zieht die Finanzindustrie langsam die Samthandschuhe aus: Die britische Bank Barclays etwa verglich Bitcoin mit einer Grippe: Dazu wurden alle möglichen Bitcoin-Investoren in drei Gruppen eingeteilt: anfällig, infiziert und immun. Während der Preis steige, verbreite sich das „Virus“ von Mund zu Mund. Je mehr Bitcoin-Besitzer es gebe, umso weniger Menschen könnten potentiell „infiziert“ werden. Gleichzeitig steige der Anteil möglicher Verkäufer, was Barclays mit der Genesung vergleicht.

          Auf diese Weise entstehe früher oder später ein Preis-Plateau, von dem aus es eigentlich nur noch abwärtsgehen könne. Diese Phase sei längst erreicht, das Angebot steige, und die Nachfrage sinke. Ähnliches sei auch bei Epidemien zu beobachten: Irgendwann sei die sogenannte Immunitätsschwelle erreicht; eine weitere Ausbreitung sei kaum mehr möglich. So sehen es die Barclays-Analysten auch für Bitcoin: Weitere „Ansteckungen“ seien nicht zu erwarten, ein Preisniveau von knapp 20.000 Dollar Ende 2017 werde nie wieder erreicht werden.

          BITCOIN

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          Andere erklärten Bitcoin-Investoren pauschal für verrückt oder dumm, wie Jamie Dimon, der Chef von JP Morgan Chase. Mit Bitcoin „wird es nicht gut ausgehen“, war noch einer der höflichsten Sätze, die er sagte. „Bitcoin ist ein einziger Betrug“, und es sei „schlimmer als die Tulpenblase“. Der Vorstandsvorsitzende der amerikanischen Großbank spielte damit auf den Tulpenfieberwahn in Holland an, in dessen Zuge die Preise für die Blumen in astronomische Höhen gestiegen waren, bis die Blase letztlich platzte.

          Kritik geht über das Ziel hinaus

          Auch für seine Angestellten hat er deutliche Worte parat. Sollte ein JP-Morgan-Händler mit Bitcoin handeln, würde er ihn „in einer Sekunde feuern“. Dafür nennt er zwei Gründe: „Zum einen ist es gegen unsere Regeln – und es ist dumm.“ Das sei zu gefährlich, betonte Dimon. Später sagte er zwar, er bereue die Aussagen, nahm sie aber nicht zurück – er habe sich mit Bitcoin nur am Rand beschäftigt.

          Die Finanzindustrie schießt mit dieser Art von Kritik deutlich über das Ziel hinaus. Undifferenzierte Warnungen helfen niemandem, schon gar nicht Anlegern. Was richtig ist: Bitcoin funktioniert als Digitalwährung nicht. Die Transaktionsgebühren sind zwar mittlerweile gesunken, aber mit mehr als 1,50 Dollar sind sie immer noch zu hoch. Mehr als 10 Minuten dauert es, bis eine Transaktion abgewickelt ist. Der Stromverbrauch ist enorm, aktuell beträgt er knapp 65,5 Terawattstunden – so viel, wie die Tschechische Republik an Strom verbraucht.

          Dazu ist die meiste Rechenleistung in China zentriert, der Traum einer dezentralen Währung ist ausgeträumt. Richtig ist aber auch: Digitalwährungen sind mehr als nur Bitcoin, andere haben das Problem nicht – und eine differenzierte Betrachtung ist notwendig, damit Anleger nicht nur auf die Meinung von Gurus hören, sondern sich durch Fakten eine eigene Meinung bilden können.

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