http://www.faz.net/-gv6-99xtv

Streit um Tesla : Warum Elon Musk die falsche Schlacht schlägt

Teslas Model 3 bei der Vorstellung im März 2016 in Kalifornien Bild: Reuters

Dass Elon Musk sich verbal mit Leerverkäufern anlegt, ist nicht neu. Jetzt hat er auch Taten sprechen lassen. Doch der Tesla-Chef täte besser daran, den Markt zu überzeugen.

          Als „langweilig, trocken und dämlich“ bezeichnete Tesla-Chef Elon Musk Fragen von Analysten während einer Telefonkonferenz anlässlich der Quartalsergebnisse am vergangenen Donnerstag und verweigerte das weitere Gespräch. Dies wurde von den Investoren ungnädig aufgenommen: Der Aktienkurs fiel.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Musk warf den betreffenden Analysten vor, die Seite der Leerverkäufer zu vertreten. Diese Anleger profitieren von fallenden Aktienkursen, indem sie zum aktuellen Zeitpunkt Aktien, die sie nicht besitzen, in der Hoffnung verkaufen, sie bald billiger kaufen zu können. Nach der Telefonkonferenz war die Zahl der leer verkauften Aktien auf einen Höchststand von mehr als 40 Millionen Stück gestiegen.

          Am Montag untermauerte der Tesla-Chef seine Rhetorik mit Taten. Er erwarb persönlich rund 33.000 Aktien des Unternehmens im Wert von knapp 10 Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen. Dafür wählte Musk einen Tageszeitpunkt mit vergleichsweise geringem Handelsvolumen mit dem Ziel, den Kurs maximal nach oben zu treiben.

          Letztlich beabsichtigt Musk damit, die Leerverkäufer dazu zu zwingen, ihre Positionen aufzulösen, um den Kursdruck von der Aktie zu nehmen und die auch „Short-Seller“ genannten Anleger zu entmutigen – gemäß seinem markigen Spruch auf Twitter, dass sich die Short-Seller verbrennen würden und die „Flammenwerfer genau rechtzeitig eintreffen sollten“. Da die Frist, in der die Leerverkäufer zurückkaufen müssen in der Regel nur wenige Tage (zuletzt weniger als drei im Durchschnitt) beträgt, kann eine solcher Impuls kurzfristig durchaus zielführend sein.

          Der Erfolg blieb am Montag auf den ersten Blick auch nicht aus: Der Aktienkurs stieg bis zum Tagesende um knapp drei Prozent auf 302,77 Dollar und nachbörslich um knapp einen weiteren Dollar.

          Tesla

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Allerdings war der Tesla-Kurs am Donnerstag und Freitag schon um 6,7 Prozent gestiegen – also bevor Musk kaufte. Vielmehr erlahmte am Montag die Aufwärtsbewegung der Notierung, kurz bevor sie die Verluste des Donnerstags vollständig wettgemacht hatte, dann fiel der Kurs deutlich. Musks Kauf wurde zum Zeitpunkt des Tagestiefs bekannt, wodurch die Bilanz am Ende des Tages etwas besser ausfiel.

          Letztlich also hat Musks Eingriff zwar eine deutliche Wirkung entfaltet, doch eine nachhaltige Bewegung ist nicht zu sehen. Im Gegenteil lässt sich eher die Ansicht vertreten, dass dem Firmenchef, der den Kursanstieg am Ende der vergangenen Woche auf Twitter erfreut kommentiert hatte, mulmig geworden ist, als er die Kursentwicklung am Montag verfolgte. Dass der Tesla-Kurs am Dienstag zu Handelsbeginn freundlich tendiert, ist wohl als Nachwirkung des Eingriffs vom Montag zu sehen.

          Kämpfe nicht gegen den Markt!

          Wie sich ein mögliches Duell zwischen Short-Sellern und einem vermögenden Investor entwickelt und wo es endet, lässt sich zwar nie genau prognostizieren. Jedoch gehört es zu den eisernen Regeln der Börsen, dass es nichts bringt, sich gegen den Markt zu stellen. Das kann nur gelingen, wenn das öffentliche Interesse gering ist. Die Hunts, die 1980 am Silbermarkt scheiterten, zogen erst den Kürzeren, als Investoren den Versuch bemerkten. Die Versuche des Autozulieferers Schaeffler, eine Mehrheit an Continental zu erwerben, und Porsches, auf Schleichwegen eine Mehrheit an VW zu kaufen, scheiterten in den 2000er Jahren aus eben dem gleichen Grund.

          Denn das Problem ist: Elon Musk mag Milliarden zur Verfügung haben. Doch der Markt sitzt im Zweifel am längeren Hebel, wenn sich Anleger von Leerverkäufen Erfolg versprechen. Einige steigen aus, andere steigen ein. Vor allem aber muss Musk, selbst wenn er erfolgreich ist, zu immer höheren Kursen kaufen. Es wird immer teurer.

          Auf der anderen Seite gibt es auch Argumente für den Erfolg. So ist der Anteil der leer verkauften Aktien an Tesla mit rund 30 Prozent schon jetzt ziemlich hoch. Da die Short-Seller aber Aktien leihen müssen, können diese knapp und damit immer teurer werden. Läuft gleichzeitig der Kurs in die falsche Richtung, werden sie herausgedrängt.

          Wenn Musk zudem Aktien kauft und damit der Streubesitz geringer wird, könnte das die Situation verschärfen. Allerdings hat der Tesla-Chef am Dienstag nur 0,02 Prozent der Aktien gekauft. Das zeigt auch, welch enorme Finanzkraft notwendig ist, um dem Druck der Leerverkäufer Herr zu werden.

          Kämpfe um die Meinung!

          Letztlich also kommt es darauf an, welche Marktmeinung sich durchsetzt. Musk und andere Tesla-Anhänger argumentieren etwa, dass die aktuellen Probleme bei der Auslieferung des Hoffnungsträgers Model 3 genau die gleichen seien, die es bei früheren Modellen schon gegeben habe. Und die seien seinerzeit erfolgreich gelöst worden.

          Andere Beobachter argumentieren, dass etwa der vermeldete Anstieg der Margen gar nicht so hoch gewesen sei, unter anderem weil Tesla den Ausweis des Leasings geändert habe. Diese Einkünfte werden nicht mehr über die Zeit, sondern sofort verbucht und ein Retourenrecht anerkannt. Auch seien die Einkünfte aus dem Verkauf von Verschmutzungsrechten an andere Autobauer höher als direkt ausgewiesen.

          Gleichzeitig wundern sich die Investoren über die unnötige Feindseligkeit Musks, wenn der Tesla-Chef sich etwa weigert, den hohen Aktienkurs für eine Kapitalerhöhung zu nutzen. Hier kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, Musk wolle um jeden Preis beweisen, dass er das Kapital nicht braucht und Tesla im zweiten Halbjahr wie versprochen in die schwarzen Zahlen bringen kann. Letztlich also wird es Musk nicht genügen, gegen Short-Seller zu polemisieren. Diese bringen auch nur eine Meinung zum Ausdruck, die eben nicht die des Firmenchefs ist.

          Leerverkäufe für eine schlechte Entwicklung verantwortlich zu machen, mag nicht immer falsch sein, gehört aber oft genug auch in die Mottenkiste der Ausreden. Am Ende des Tages muss Musk liefern. Solange muss er überzeugen – und zwar nicht nur die, die ohnehin an seine Lippen hängen und in ihm einen Gott des Fortschritts und den Boten einer besseren Welt sehen. Denn die sind nicht die, die am Ende das haben, worauf es an der Börse und in der Wirtschaft ankommt: Geld.

          Weitere Themen

          Londoner Finanzmarkt zittert

          Brexit-Szenarien : Londoner Finanzmarkt zittert

          Die Ungewissheit über den EU-Austritt Großbritanniens treibt die Anleger um. Finanzexperten warnen vor Spekulationen auf die unterschiedlichen Szenarien – vom weiteren Wertverlust des Pfunds ist die Rede.

          Topmeldungen

          Merkel im Bundestag : Ein Satz wie Blei

          Wenn es um Migration geht, bemüht die Kanzlerin stets die Unantastbarkeit der Menschenwürde. Dabei treibt sie nicht nur Multilateralismus, sondern Wiedergutmachung. Das ist Wasser auf die Mühlen ihrer Kritiker. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.