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Prognosen von Spitzenbänkern : Was weiß Goldman Sachs von der Zukunft?

Goldman Sachs wurde 1869 gegründet und ist heute ein der mächtigsten Banken der Welt. Bild: Reuters

Die Banker von Goldman Sachs gelten als die cleversten der Wall Street. Aber mit ihren Prognosen und Investments liegen sie häufig daneben.

          Der an der Wall Street vielgelesene Finanzblog Zerohedge, immer offen für bissige Kommentare und Verschwörungstheorien, stichelt gerne gegen Goldman Sachs. Die anonymen Schreiber des Blogs empfehlen in der Regel, genau das Gegenteil von dem zu tun, was Analysten von Goldman empfehlen. Denn ihre Kollegen, die Wertpapierhändler von Goldman, würden genauso agieren. Die naiven Kunden, darunter „Trottel sowie deutsche Witwen und Waisen“, würden dagegen in der Regel über den Tisch gezogen.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Diese Theorien gehen auf Vorwürfe des früheren Goldman-Mitarbeiters Greg Smith zurück, der vor einigen Jahren in einem aufsehenerregenden öffentlichen Kündigungsschreiben in der „New York Times“ behauptet hatte, Goldman steuere Kunden bewusst in Produkte, von denen sich die Bank selbst trennen wolle. Goldman weist diese Vorwürfe zurück, aber Zerohedge zieht diese Theorie immer heran, wenn sich eine der häufig schlagzeilenträchtigen Prognosen oder Anlagen von Goldman als Fehler herausstellt. Das ist in diesem Jahr mit den umstrittenen Anleihen des Pleitelandes Venezuela passiert. Die Vermögensverwaltungssparte von Goldman Sachs sitzt nach Schätzungen auf mehrstelligen Millionenverlusten.

          Macht Goldman trotz der Venezuela-Pleite Gewinn?

          Goldman-Fondsmanager Ricardo Penfold hatte im Mai nach übereinstimmenden Medienberichten einen großen Teil einer Anleihe der staatlichen venozolanischen Ölgesellschaft PDVSA erworben. Goldman zahlte für die Papiere im Nennwert von 2,8 Milliarden Dollar nur 865 Millionen Dollar, was das hohe Ausfallrisiko widerspiegelte. Goldman Sachs Asset Management hat seitdem einen Teil der Position wieder verkauft, war am Ende des dritten Quartals aber immer noch als größter Einzelgläubiger von PDVSA gelistet.

          Die fragliche Anleihe mit einer Laufzeit bis 2022 hatte damals einen Nennwert von 1,3 Milliarden Dollar. Venezuela hatte im November angekündigt, die ausländischen Schulden restrukturieren zu wollen, woraufhin der Kurs der Anleihe weiter fiel. Nachdem die Regierung in dieser Woche eine Zahlungsfrist verstreichen ließ, belief sich der Verlust von Goldman auf dem Papier auf mehr als 100 Millionen Dollar, falls die Gesellschaft in der Zwischenzeit keine weiteren Anleihen veräußert hat. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass Goldman am Ende dennoch einen Gewinn macht.

          Die Anlage war nicht nur verlustträchtig, sondern auch politisch umstritten. Der venezolanische Oppositionsführer Julio Borges schrieb einen Brief an Lloyd Blankfein, den Vorstandsvorsitzenden von Goldman Sachs, und warf ihm vor, „einen schnellen Dollar mit dem Leid des venezolanischen Volkes“ zu machen, weil Goldman damit das Regime von Präsident Nicolas Maduro unterstütze. Maduro hatte den Import von Medizin und Lebensmitteln beschnitten, um Devisen zu sparen und Staatsschulden zu bedienen. Bei Unruhen hatten mehr als 50 Menschen ihr Leben verloren. Der ehemalige venezolanische Planungsminister Ricardo Hausmann, der jetzt in Harvard lehrt, bezeichnete die Papiere angesichts der humanitären und wirtschaftlichen Krise in Venezuela als „Hunger-Anleihen“.

          Die Euroschwäche trat nicht ein

          Venezolanische Anleihen waren in diesem Jahr nicht die einzigen verlustträchtigen Investments von Goldman Sachs. Anfang des Jahres hatte Goldman noch eine starke Aufwertung des Dollars gegenüber Euro und britischem Pfund prognostiziert. Der damalige Chefdevisenstratege Robin Brooks avisierte für 2017 eine Parität des Euros zum Dollar, also für den Gleichstand der Währungen. Es war eine der Top-Investmentideen für 2017. Es passierte das Gegenteil, und schon im April änderte Goldman die Meinung. Die europäische Gemeinschaftswährung wertete nämlich aufgrund der wirtschaftlichen Erholung der Eurozone auf.

          Gleichzeitig zeichnete sich ab, dass der frisch gewählte amerikanische Präsident Trump Schwierigkeiten hatte, seine im Wahlkampf gemachten wirtschaftspolitischen Versprechen, darunter staatliche Investitionen in Infrastruktur und Steuersenkungen, einzulösen. Brooks verließ Goldman Anfang März, und sein Nachfolger Zach Pandl verabschiedete sich von der Prognose zunehmender Euroschwäche.

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