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Nach starken Kursverlusten : Börsenprofis warnen vor Schwarzmalerei

Händler an der Wall Street: Sind das schon Einstiegskurse? Bild: AFP

Nach den kräftigen Verlusten am Vortag kommen die Börsen am Donnerstag zwar wieder etwas mehr zur Ruhe, dennoch gibt es weitere Kursabschläge. Sind das jetzt schon Einstiegskurse?

          Die Börsen haben sich nach deutlichen Kursverlusten vom Mittwoch auch am Donnerstag schwach gezeigt – die Kurse sind aber nicht ins Bodenlose gefallen. Die amerikanischen Börsen verloren im frühen Handel, der Dow-Jones-Index der Industriewerte gab 1,3 Prozent nach, der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,8 Prozent.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Deutschland hatte der Leitindex Dax, der am Vortag auf den tiefsten Stand seit Februar 2017 gefallen war, bereits in den Morgenstunden weiter nachgegeben. Im Tagesverlauf schwankte der Index stark. Daten aus Amerika zur Preisentwicklung und zum Arbeitsmarkt verringerten zwar zwischenzeitlich die Sorgen vor den Folgen steigender Zinsen, das hielt aber nicht an.

          Am Ende büßte der Dax weitere 1,48 Prozent auf 11.539,35 Punkte ein. Der Index der mittelgroßen Werte M-Dax rutschte um 1,43 Prozent auf 23. 787,23 Punkte ab und auch in ganz Europa zeigten sich die Börsen im tiefroten Terrain.

          Dow Jones

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          „Blutbad“ ohne echten Auslöser

          Was genau den Kursrutsch ausgelöst hatte, blieb weiter im Dunkeln. Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda sprach von einem „Blutbad“ ohne echten Auslöser. Plausibel aber scheint, dass etwas schwächere Aussichten für die Weltwirtschaft in Verbindung mit steigenden Zinsen die Aktienmärkte derzeit anfällig für Kursschwankungen machen. Vor allem die zuletzt hoch bewerteten Technologieaktien hatten am Mittwoch zunächst in Amerika, dann aber auch in Deutschland verloren.

          DAX ®

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          Dabei war es aber nicht geblieben, auch Autoaktien etwa hatten erheblich eingebüßt. Seit Anfang des Jahres ist der Dax damit fast 10 Prozent im Minus. Und es gibt zumindest technische Analysten, die jetzt auch schon mal die Marke von 10000 Punkten im Blick haben.

          Was können Anleger tun?

          Die rückläufige Entwicklung an den Aktienmärkte ist auch deshalb für Anleger besonders unerfreulich, weil andere Anlageklassen sich nicht gerade zum Wechsel anbieten. Auf festverzinslichen Konten gibt es so gut wie keine Zinsen mehr. Für Anlagen auf dem Tagesgeldkonto zahlen die Banken im Schnitt 0,12 Prozent, für Festgeld auf zwölf Monate 0,2 Prozent, wie die FMH-Finanzberatung berichtet.

          Bei einer Inflation von zuletzt 2,3 Prozent in Deutschland (vorläufige Zahlen für September) verlieren Anleger damit. Und Anleihen von vergleichsweise sicheren Emittenten bergen in Zeiten steigender Zinsen das Risiko erheblicher Kursverluste. Alternativen zu Aktien sind also weiter rar.

          Verschiedene Prognosen hatten zuletzt die Befürchtung genährt, die Aussichten für die Wirtschaft in Amerika und die Weltwirtschaft könnten sich verschlechtern. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte seine Wachstumsprognose gesenkt und auf unterschiedliche Risiken hingewiesen: Etwa aus dem Handelsstreit zwischen Amerika und China, aber auch aus den Währungsturbulenzen in der Türkei und den politischen Turbulenzen in Italien. Für Amerika hatte der IWF steigende Zinsen als ein Risiko beschrieben, wenn Donald Trumps Konjunkturprogramm die ohnehin gut laufende Wirtschaft weiter stimuliere. Auch der höhere Ölpreis könnte Schwierigkeiten bereiten.

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