http://www.faz.net/-gv6-9gcii

Hohe Verschuldung : Warnung vor den Schattenbanken

Die frühere amerikanische Notenbankchefin Janet Yellen kritisiert, dass Notenbanken zu wenig Werkzeuge hätten, um die aktuelle Lage in den Griff zu bekommen. Bild: Reuters

Auf dem Bloomberg New Economy Forum in Singapur diskutierten Finanzexperten aus aller Welt über die Situation der Weltwirtschaft. Es ging auch um die Stärke einer Währung als Risiko einer neuen Finanzkrise.

          Eine starke Warnung vor einer heraufziehenden Finanzkrise kam zur Wochenmitte aus Singapur: Der Chef der Notenbank des südostasiatischen Finanzplatzes, Ravi Menon, erklärte: „Es wird eine weitere Finanzkrise geben. Wir haben Finanzkrisen nicht verbannt. Allerdings wird die nächste ganz anders aussehen als die letzte.“ Zwar seien die Gefahren, die zur Finanzkrise 2008 geführt hätten, weitgehend im Griff. Doch hätten sich besonders drei Sollbruchstellen aufgetan, sagte Menon auf dem Bloomberg New Economy Forum in Singapur: Die hohe Verschuldung in den Schwellenländern, die Verlagerung der Kredite von Banken zu Schattenbanken und die Vielzahl der Unternehmensanleihen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die frühere amerikanische Notenbankchefin Janet Yellen kritisierte, dass die Aufseher zu wenig Werkzeuge hätten, um die Lage in den Griff zu bekommen – dies gelte auch für Amerika. Sie sei „besorgt“, weil es zu früh sei, die Regulierung zu lockern. Menon mahnte ein internationales Sicherheitsnetz an. Er sprach sich auch für das Schaffen eines Mechanismus aus, der bei einer drohenden Dollarknappheit genutzt werden könnte, wie die Swap-Linien, die die Amerikaner während der Finanzkrise 2008 zur Verfügung gestellt hatten. „Damals wurden sie nicht gebraucht. Aber allein dass sie geschaffen wurden, hat die Märkte beruhigt.“

          „Schauen Sie, wohin die Schulden gewandert sind“

          Yellen indes warnte, diese Rolle könne die Fed nicht spielen, denn sie müsse sich vor dem Kongress in Washington erklären. „Während der Finanzkrise 2008 war klar, dass diese Rettungsanker im Interesse Amerikas waren.“ Regulär aber wäre der Internationale Währungsfonds (IWF) hier gefragt. Als Faustregel, künftige Krisenherde auszumachen, sagte der Geschäftsführer der Monetary Authority of Singapore: „Folgen Sie der Verschuldung. Schauen Sie, wohin die Schulden gewandert sind.“ Die lockere Geldpolitik in den Industrieländern hätte zu einer hohen Verschuldung in den Schwellenländern geführt. Da die Verschuldung in Dollar gestiegen sei, litten sie unter dessen steigendem Außenwert und höheren Zinsen.

          Insbesondere warnte Menon vor der Rolle der Schattenbanken. Während in Amerika vor der Finanzkrise nur 9 Prozent aller Finanzierungen von Nichtbanken ausgegeben worden seien, läge ihr Anteil heute schon bei mehr als 50 Prozent. „Aufgrund der Regulierungen arbeiten die Banken verantwortungsbewusster bei ihren Ausleihungen. Aber ein guter Teil der Kreditvergabe ist zu Nichtbanken gewandert. Da müssen wir sehr genau hinsehen“, sagte Menon auch mit Blick auf China.

          Yellen ergänzte: „Wir sind sensibler geworden für das Auftauchen von Risiken außerhalb des Bankensektors, aber es ist unklar, ob wir, zumindest in Amerika, die richtigen Werkzeuge besitzen, mit ihnen umzugehen.“ Zuvor hatten zahlreiche Redner die amerikanische Wirtschaftspolitik unter Donald Trump in Frage gestellt: Larry Fink, der Chef des Vermögensverwalters Blackrock, den in Deutschland Friedrich Merz beaufsichtigt, fragte mit Blick auf China, ob es klug sei, sich mit einem Finanzier anzulegen, der 40 Prozent des Haushaltsdefizits finanziert.

          Weitere Themen

          Gutes tun und Geld verdienen

          Impact Investing : Gutes tun und Geld verdienen

          Immer mehr Anleger wollen mit „Impact Investing“ soziale und ökologische Wirkung erzielen und dabei auch noch etwas verdienen. Ist das Konzept mehr als nur ein Feigenblatt?

          Topmeldungen

          Satellitenbilder : Versteckt Nordkorea neue Raketen?

          Amerikanischen Medien zufolge baut Nordkorea heimlich seine Raketenbasen aus. Doch Donald Trump will keine Berichte hören, die seine Qualitäten als „Dealmaker“ in Frage stellen.

          TV-Kritik „Maischberger“ : Weit weg von der Lebensrealität

          Werden Frauen in Deutschland noch immer benachteiligt? In der Talkshow von Sandra Maischberger entwickelt sich eine eindeutige Konstellation – doch die Diskussion hat wenig mit dem wirklichen Leben zu tun.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.