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Branche im Umschwung : Wachstumsperspektiven stimmen Vermögensverwalter optimistisch

Skepsis: PWC sieht in der Digitalisierung noch so manche Herausforderung für die Branche. Bild: Reuters

Die Wachstumsperspektiven lassen die Vermögensverwalter weltweit optimistisch in die Zukunft blicken. Doch es herrscht auch Skepsis: PwC sieht noch immer Herausforderungen, nicht nur durch die Digitalisierung.

          Die Branche der Vermögensverwalter zeigt sich auf der ganzen Welt trotz vieler anerkannter Herausforderungen überraschend optimistisch. Das ist das Ergebnis der alljährlichen Umfrage der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PWC) unter den Vorstandsvorsitzenden der Gesellschaften, die am Dienstag veröffentlicht wird. 87 Prozent der befragten Topmanager rechnen in diesem Jahr mit einem steigenden Umsatz, deutlich mehr als die Hälfte will die Belegschaft vergrößern. Dagegen planen nur 39 Prozent Kostensenkungen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch Markus Hammer, Leiter der Abteilung Asset & Wealth Management, findet das angesichts großer Herausforderungen zumindest auf den ersten Blick überraschend. Immerhin gelte angesichts der Konkurrenz durch Fintechs und passive Investmentprodukte wie ETF als ausgemacht, dass die Gebühren unter Druck bleiben. Darüber hinaus stehe der Branche durch die Digitalisierung, etwa mit der automatisierten Anlageberatung (Robo Advising), ein tiefgreifender Wandel bevor.

          Das sehen auch die befragten Manager nicht grundsätzlich anders. 70 Prozent glauben, dass sich technische Veränderungen in den kommenden fünf Jahren „disruptiv“ oder sogar „sehr disruptiv“ auf das eigene Geschäftsmodell auswirken werden. Ähnlich viele meinen, dass ein sich veränderndes Kundenverhalten die Branche umgestalten werde. Im Tagesgeschäft befürchten dagegen gut vier von fünf Topmanagern vor allem Hemmnisse durch eine stärkere Regulierung und neue Steuergesetze.

          Topmanager gehen von steigenden Wachstumsraten aus

          Dass sie dennoch optimistisch in die Zukunft blicken, liegt an den Perspektiven für Konjunktur und Wachstum, die sie positiv bewerten. Jeder zweite Topmanager geht von steigenden Wachstumsraten aus, nur jeder zehnte von rückläufigen. Und sie erwarten ein starkes Wachstum der Branche. PWC rechnet damit, dass sich das gesamte auf der Welt verwaltete Vermögen bis 2025 gegenüber 2016 auf rund 145 Billionen Dollar fast verdoppeln wird. Dabei gilt den Befragten Deutschland mit 25 Prozent der Nennungen als wichtigster Auslandsmarkt hinter den Vereinigten Staaten (48 Prozent) und China (40 Prozent). Erst danach kommen Großbritannien (22 Prozent) und Japan (12 Prozent).

          Hammer bewertet den Optimismus der Branche mit etwas Vorsicht: „Der Markt wächst so stark, dass die Branche trotz großer Herausforderungen mehr Chancen als Risiken sieht.“ Profitieren würden aber nur Vermögensverwalter, die sich von der Masse der Anbieter klar abzugrenzen vermögen. Ebenso wichtig sei es, zu den technologischen Vorreitern zu zählen, um von der erwarteten Disruption nicht hinweggespült zu werden, sondern sie sich zunutze zu machen.

          Auch bezüglich der Markterwartungen sind die Vermögensverwalter sehr zuversichtlich. Das geht aus einer Umfrage der Fondsgesellschaft Fidelity International unter ihren 143 hauseigenen Analysten hervor. Diese nahmen nach Angaben des amerikanischen Vermögensverwalters an rund 16.000 Treffen mit Unternehmensvertretern teil. Auf dieser Grundlage sind die Fidelity-Analysten der Ansicht, dass die Zuversicht unter den größten Unternehmen ein Fünf-Jahres-Hoch erreicht hat. Dies lasse auf verbesserte Fundamentaldaten der Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten hoffen. Zwar hätten die Schwankungen an den Märkten zuletzt zugenommen, jedoch lasse die Umfrage kein Ende der nahezu perfekten Bedingungen erwarten. Warnsignale sind nach Ansicht von Fidelity so gut wie nicht zu erkennen.

          Verwunderung über Zuversicht der Unernehmen

          Der Fidelity-Leiter für die Anleihenanalyse, Martin Dropkin, ist etwas verwundert über die große Zuversicht in den Unternehmen. Denn sowohl die öffentlichen als auch die privaten Schulden hätten Rekordstände erreicht. „Das macht die großen Volkswirtschaften für steigende Zinsen anfällig wie nie.“ Als erstaunlich wertet Fidelity die gleichmäßige Verteilung des Optimismus über alle Branchen und Regionen. Einzige Ausnahme sei die Technologiebranche, in der das Vertrauen schon im Vorjahr hohe Werte erreicht habe.

          Der Leiter der Aktienanalyse, Michael Sayers, beobachtet eine deutliche Kehrtwende der Unternehmen: Zwar seinen Kostensenkungen weiterhin wichtig, doch die Bereitschaft sei gestiegen, wieder in Technologie zu investieren sowie zaghaft Löhne und Gehälter anzuheben. „All das zielt darauf ab, die eigene Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.“

          Ein neuer Trend vollzieht sich der Fidelity-Umfrage zufolge auf den Vorstandsetagen auch in Wahrnehmung von Umweltschutz, sozialen Standards und guter Unternehmensführung (Environment Social Governance; ESG). Der Anteil der Analysten, deren Unternehmen diese ESG-Kriterien inzwischen berücksichtigen, fällt um 40 Prozent höher aus als im Vorjahr. Die deutlichste Veränderung haben die Fidelity-Analysten in Japan beobachtet. In fast allen Regionen nahm der Anteil der Analysten, die in ihrem Wirtschaftszweig einen stärkeren Fokus auf die Nachhaltigkeit feststellen, zu. Die einzige Ausnahme ist China.

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