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Dialog Semiconductor : Minus 18 Prozent - was wird aus Stammkunde Apple?

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Die Aktie von Dialog Semiconductor verlor am Montag zeitweise ein Fünftel ihres Wertes. Bild: Reuters

Der Aktienkurs des deutschen Chipherstellers Dialog Semiconductor fällt rasant. Es geht um nicht weniger als die Zukunft des wichtigsten Käufers seiner Produkte.

          Die Aktie des Halbleiterherstellers Dialog Semiconductor galt immer als eine andere Art, auf den Erfolg von Apple zu setzen. Schließlich ist der amerikanische Elektronikhersteller der wichtigste Kunde des Unternehmens, dessen Verwaltungszentrale in Kirchheim unter Teck steht. Zeitweilig sollen die Apple-Umsätze einen Anteil von 78 Prozent gehabt haben.

          Doch jetzt könnten diese womöglich weg trocknen. Just diese Sorge ist es, die die Aktie von Dialog ganz oben auf die Verkaufslisten gebracht hat. Um knapp 18 Prozent fällt der Kurs an diesem Montag, nachdem dieser schon am vergangenen Donnerstag ebenso stark gefallen war. Damit summieren sich die Kursverluste auf stolze 30 Prozent.

          Eigentlich hatte Dialog für Beruhigung sorgen wollen, als das Unternehmen mitteilte, man werde weiter Apple beliefern. Doch was die Anleger wohl aufschreckte, das war die Aussage, dass Dialog erkannt habe, dass Apple über „die Ressourcen und Kapazitäten verfüge“, die sogenannten PMIC-Chips nicht nur selbst zu entwerfen, sondern das auch in den nächsten Jahren „potentiell“ tun werde. Das Ganze spitzte dann noch die Aussage zu, man habe keinen Grund davon auszugehen, dass die Erwartungen an das Geschäft mit Apple im kommenden Jahr davon betroffen sein könnte.

          DIALOG SEMIC.

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          Im Umkehrschluss könnte man davon ausgehen, dass dies aber im Jahr 2019 sehr wohl der Fall sein könnte. Da sorgte auch kaum für Beruhigung, dass Vorstandschef Jala Begherli in einer eigens anberaumten Telefonkonferenz für 2019 keine Prognose wagen wollte. Erst im Laufe des ersten Quartals 2018 könne er sagen, wie sich das Geschäft mit Apple über das kommende Jahr hinaus entwickeln werde.

          Auch wenn der Aktienkurs vor dem Kurssturz vom Donnerstag schon weit entfernt von seinem Allzeithoch war - nicht zuletzt, weil die Abhängigkeit von Apple und entsprechende Gerüchte schon länger diskutiert wurden - so betrug der Aktienkurs noch mehr als das Sechzigfache des Standes von 2009. Für viele Anleger könnte es daher auch jetzt noch, sinnvoll sein, Gewinne mitzunehmen und Risiken zu begrenzen.

          Sollte das Geschäft mit Apple so bleiben wie es ist, wäre die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2018 von rund 11 zwar sehr billig, aber die Perspektive ist darüber hinaus eben so nicht mehr gegeben.

          Analysten sind derweil uneins, ob Apple wirklich die Beziehungen zu Dialog Semiconductor kappen wird. Es sei zwar nicht auszuschließen, dass Apple in der Zukunft andere Pläne verfolge, schrieb etwa Achal Sultania von der Schweizer Bank Credit Suisse. Dialog habe aber eine starke Beziehung mit den Amerikanern aufgebaut, die auch dazu geführt habe, dass das iPhone die Oberklasse-Konkurrenz der Android-Smartphones bei Stromverbrauch und Akku-Laufzeit abhängen könne.

          Thomas Becker von der Commerzbank fragt sich, wie es Apple gelingen soll, die Erfahrung von Dialog mit Chips für das Energie-Management zu ersetzen. Den rund 700 Entwicklern bei Dialog stünden lediglich rund 60 auf Seiten von Apple gegenüber - von denen allerdings rund die Hälfte früher bei Dialog tätig gewesen sei.

          Karsten Iltgen vom Bankhaus Lampe geht unterdessen davon aus, dass Apple 2019 schon 30 Prozent der entsprechenden Komponenten selbst fertigen kann. Das könne den Gewinn von Dialog um 10 Prozent pro Jahr schrumpfen lassen.

          Quelle: FAZ.NET/dpa

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