http://www.faz.net/-gv6-92bb8

Preis-Rangliste : Sorge um Immobilien-Blasen wächst

Während in London die Immobilien-Preise, aufgrund des Brexits weiterhin sinken, stehen viele Städte in Deutschland vor einer „Blasen-Gefahr“. Bild: dpa

Es wird immer schwieriger, in Großstädten an Immobilien heranzukommen. In einigen Städten drohen Immobilien-Blasen. In einem weltweiten Ranking sind auch zwei deutsche Metropolen weit vorne.

          Das Preisniveau der Immobilien in vielen Großstädten steigt weiter. Nach Einschätzung der Schweizer Großbank UBS hat das in einigen Städten zu Überbewertungen geführt, in einigen bestehe „Blasengefahr“. Das geht aus dem „Global Real Estate Bubble Index“ hervor, den die Bank einmal im Jahr für wichtige Großstädte aus aller Welt veröffentlicht. In diesem Jahr führt die kanadische Stadt Toronto als Neuzugang den Index an, hier sieht die Bank die größte Gefahr einer Immobilienblase.

          Gleichfalls aus Kanada kommt der Platz vier, Vancouver. Von den deutschen Städten steht München in dem Ranking besonders weit oben, die UBS bescheinigt der Stadt ein „Blasenrisiko“. Auch Frankfurt ist in dem Ranking nach oben geklettert, die Bank stuft den Immobilienmarkt dort zumindest als „überbewertet“ ein.

          In Europa erhitze sich der Markt weiter, schreibt die Bank. „Das Risiko einer Blase nahm dabei in Stockholm, München und Amsterdam zu; aber auch Paris und Frankfurt sind stärker überbewertet als noch 2016.“ Für London bestehe weiterhin das Risiko einer Immobilienblase – wenn auch, wegen der Entscheidung für einen Austritt aus der Europäischen Union, wohl in geringerem Maße als im Vorjahr.

          Die britische Bausparkasse Nationwide hatte am Freitag mitgeteilt, erstmals seit acht Jahren seien die Häuserpreise in London gesunken. Im September lagen sie durchschnittlich 0,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Damit ist die britische Hauptstadt, die Investoren aus der ganzen Welt anlockt, erstmals seit 2005 die Region mit der schlechtesten Entwicklung auf der Insel. Landesweit zogen die Immobilienpreise um 2 Prozent an.

          Dagegen seien Zürich und Genf nach wie vor moderat überbewertet, meinte die UBS. In den vergangenen vier Quartalen habe der Blasenindex der Bank immerhin für alle in dieser Studie abgedeckten europäischen Großstädte einen Anstieg des Blasenrisikos verzeichnet.

          Die Eigenheimpreise in München und Amsterdam stiegen im Jahresvergleich um zweistellige Prozentsätze – dicht gefolgt von Frankfurt. Auch die Hauspreise in Stockholm hätten neue Rekordstände erreicht. Und der Markt in Paris habe das seit 2012 verlorene Terrain fast wieder wettgemacht. Claudio Saputelli, Immobilien-Fachmann der UBS, meinte: „Das verbesserte Konjunkturklima, teilweise unterstützt durch einen robusten Einkommensanstieg in den großen Städten, löste in Verbindung mit den extrem niedrigen Kreditzinsen einen kräftigen Nachfrageschub nach urbanem Wohneigentum aus.“

          Da das Angebotswachstum in Städten naturgemäß begrenzt sei, schnellten die Preise entsprechend hoch: „Die Kombination aus günstigen Finanzierungsmöglichkeiten und positiven Konjunkturaussichten ließ die Bewertungen explodieren und förderte das Entstehen lokaler Immobilienblasen.“ Solange das Wohnungsangebot nicht stark zunehme, erwarteten viele Käufer in den attraktiven Städten eine Abkoppelung der Preise von Mieten, Einkommen und nationalen Preisniveaus.

          Der Immobilienmarkt erhitzt sich Bilderstrecke
          Der Immobilienmarkt erhitzt sich :

          Diese Erwartungshaltung habe aufgrund der sprunghaft gestiegenen Nachfrage ausländischer Investoren an Dynamik gewonnen – besonders von Seiten chinesischer Investoren gebe es eine starke Nachfrage, die zum Teil lokale Kaufinteressenten aus dem Markt verdrängten. Der durchschnittliche Preisanstieg in den beobachteten Städten von 20 Prozent in den vergangenen drei Jahren habe selbst die Erwartungen der größten Optimisten unter den Investoren übertroffen. „Diese Entwicklung heizte die Bewertungen an und erhöhte das Risiko von Preisblasen in den meisten urbanen Zentren der industrialisierten Welt“, meinte UBS-Immobilien-Fachmann Matthias Holzhey: „Weniger Risiko einzugehen, wenn die Märkte überhitzt sind, machte sich in der Vergangenheit bezahlt – die Renditen über eine volle Auf- und Abschwungphase waren in überhitzten Märkten tiefer als in Märkten, die im Gleichklang waren.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Chef Martin Schulz im Bundestag

          Umfrage : Große Koalition gewinnt an Zustimmung

          Eine große Koalition aus Union und SPD findet Umfragen zufolge deutlich mehr Zustimmung bei den Deutschen als noch vor einer Woche. Am Freitag entscheidet die SPD-Führung, ob sie Sondierungen aufnehmen möchte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.