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„Tulpenfieber“ : Erste Spekulationsblase der Welt im Film

Auf dem Börsenparkett des Tulpenmarktes geht es heiß her. Eine der härtesten Bieterinnen ist Annetje (Cara Delevingne). Bild: Prokino

Der Tulpenwahn in Holland führte 1637 zum ersten großen Börsencrash der Welt. Jeder wollte mit den damals exotischen Blumen schnell zu Geld kommen. Jetzt zeigt ein Kinofilm, wie verrückt es damals zuging.

          Finanzblasen haben, zugespitzt ausgedrückt, seit Jahren Konjunktur im Kino. Nach dem Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarktes vor knapp einem Jahrzehnt und der daraus resultierenden globalen Finanzkrise haben sich eine ganze Reihe von Regisseuren des Themas angenommen und es filmisch verarbeitet. 2011 kam der Thriller „Der große Crash – Margin Call“ von J.C. Chandor in die Kinos, in dem eine Gruppe Investmentbanker im Spätsommer 2008 auf die Schnelle versucht, faule Wertpapiere loszuwerden und die Pleite der eigenen Bank zu verhindern.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es folgte unter anderem Adam McKays Streifen „The Big Short“, der auf Michael Lewis’ gleichnamigem Buch basiert und auf packende Weise nachvollzieht, wie einige Wall-Street-Außenseiter unabhängig voneinander den heraufziehenden Immobiliencrash erkennen. Dazu kommen noch eine Menge weniger großer Kassenschlager, beispielsweise Dokumentarfilme wie „Master of the Universe“ des deutschen Regisseurs Marc Bauder. Die Filme treffen den Puls der Zeit, bleiben doch die Krise und ihre schwerwiegenden Folgen gegenwärtig.

          Vom Prestige- zum Spekulationsobjekt

          In der kommenden Woche kommt nun ein Film in die Kinos, dessen Handlung sich auch vor dem Hintergrund eines Börsencrashs abspielt, und zwar einem, der zunächst weit weg erscheint. „Tulpenfieber“ heißt das amerikanisch-britische Historiendrama. Es handelt von Liebe, Lügen und Hoffnung im Amsterdam der Jahre 1636/37, also in einer Zeit, in der die erste gut dokumentierte Finanzkrise geschah, die heute gerne als „Mutter aller Blasen“ bezeichnet wird.

          Der Historienfilm dreht sich vorrangig um den Amsterdamer Kaufmann Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) und seine viel jüngere Frau Sophia, die sich in eine verhängnisvolle Affäre mit dem gleichaltrigen Maler Jan van Loos verstrickt. Damit das junge Liebespaar der Heimlichkeit ihrer Liaison und der Enge von Amsterdam entfliehen kann, versucht der Maler, wie viele andere kühne Holländer jener Zeit, auf die Schnelle sehr viel Geld zu machen: durch die Spekulation mit Tulpen. Jener Blume, die im Jahrhundert zuvor aus dem Osmanischen Reich nach Holland eingeführt worden war und anschließend vom Prestige- zum Spekulationsobjekt wurde.

          Zeitgenössische Filme, die sich des Crashs am amerikanischen Häusermarkt und der folgenden globalen Finanzkrise angenommen haben, konnten das Wissen und Erleben ihres Publikums weitgehend voraussetzen. Allenfalls in filmischen Fußnoten wurde in „The Big Short“ beispielsweise daran erinnert, dass es sich bei dem oft erwähnten Kürzel CDS um Kreditausfallderivate handelt, mit denen sich Anleger gegen einen Zahlungsausfall versichern.

          Eine Blume raubt die Vernunft

          Weil der sogenannte holländische Tulpenwahn allerdings nur für die wenigsten zur Allgemeinbildung gehört, beginnt Regisseur Justin Chadwick seinen Film „Tulpenfieber“ mit einer historischen Einführung, von der zunächst nicht unmittelbar klarwird, dass sie sich nicht nur an den Zuschauer von heute richtet, sondern an ein Kind der damaligen Zeit. Ein einfacher erzählerischer Trick.

          Eine weibliche Stimme, die erst kurz darauf einer Person zugeordnet werden kann, gibt einen kurzen Abriss darüber, wie sehr Amsterdam in den Bann der Tulpe geriet: „Sie war so selten und schön, dass viele den Kopf verloren, um ihrer habhaft zu werden. Arm und Reich verschuldeten sich beim Handel mit den Zwiebeln, deren Preis immerzu stieg.“ Damit sind schon zu Beginn die wichtigsten Deutungsmuster gesetzt.

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