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Türkei-Krise : „The Dude“ ist der geheimnisvolle Investor

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Was ist da los an der Börse Istanbul? Bild: Christian Geinitz

Gerade als der gesamte Aktienmarkt mit Sorge auf die türkische Wirtschaft und die Landeswährung Lira schaut, greift ein Broker ausgerechnet bei türkischen Aktien kräftig zu.

          Weiß da einer mehr als der gesamte Markt und versucht ein Riesengeschäft zu machen? Laut Bloomberg hat die Brokerfirma Yatirim Finansman in dieser Woche Aktien für 565 Millionen Lira oder umgerechnet 83,2 Millionen Euro gekauft. Es sei allerdings nicht bekannt, ob sich hinter Yatirim Finansman einer oder mehrere Investoren verstecken.

          Laut Bloomberg-Daten wurde damit auf jeden Fall die größte Wette auf einen Erfolg oder Misserfolg türkischer Aktien überhaupt abgeschlossen. Darüber hinaus habe Yatirim Finansman drei Mal so viel Geld in türkische Aktien gesteckt wie die Nummer zwei unter den Türkei-Optimisten.

          Das Geschäft half dem türkischen Aktienmarkt ohne Zweifel auf die Sprünge, während die Lira gleichzeitig auf ein Rekordtief rutschte und die Zinsen für türkische Staatsanleihen auf ein Rekordniveau kletterten.

          Seit der Streit zwischen der türkischen Regierung und den Vereinigten Staaten rund um die Inhaftierung des amerikanischen Pfarrers Andrew Brunson eskaliert ist, befürchten Marktteilnehmer, dass neue amerikanische Sanktionen die türkische Wirtschaft weiter schwächen könnten.

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          Dies scheint Yatirim Finansman, in Istanbuler Trader-Kreisen auch als „The Dude“ bekannt, jedoch weniger zu stören. In den vergangenen Jahren ist diese Firma bereits hohe Wetten eingegangen – vor allem vor wichtigen politischen Entscheidungen. Allerdings, so berichtet Bloomberg weiter, sei nicht bekannt, ob die Gelder nun von den gleichen Investoren wie in der Vergangenheit stammen. Die Firma selbst hält sich zur Identität ihrer Klienten bedeckt.

          Istanbuler Börse begrüßt die Aktivitäten

          In dieser Woche deckte sich Yatirim Finansman vor allem mit Aktien der größten Bank der Türkei, Turkiye Garantie Banaksi AS, ein. Unter den weiteren Käufen befanden sich Ölunternehmen, Stahlproduzenten und ein Hersteller von Militärtechnik. Die größten Verkäufe wurden im Fall der Halkbank getätigt. Dem Institut würden besonders schwere Sanktionen seitens Amerika drohen, heißt es.

          Yatirim Finansman gehörte in dieser Woche zu den Ausnahmen am Aktienmarkt. Von den von Bloomberg beobachteten 48 türkischen Brokern haben 31 türkische Aktien netto verkauft. Die Istanbuler Börse begrüßt wiederum die Aktivitäten des mysteriösen Investors. Vor rund einem Jahr sagte Börsenchef Himmet Karadag gegenüber Bloomberg: „Dieser ‚Dude‘ kauft auf unserem Marktplatz ein, warum sollten wir besorgt sein?“

          In dieser Woche haben unter anderem die Aktivitäten des „Dude“ dem Borsa Istanbul 100 Index zu einem Plus von etwa 3 Prozent verholfen, allerdings liegt der Kursverlust auf Jahressicht bei rund 40 Prozent. Türkische Aktien notieren in Dollar gerechnet in der Nähe ihres Neunjahrestiefs. Auch im Vergleich zu anderen Schwellenländern schneidet der türkische Aktienmarkt deutlich schlechter ab.

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