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Währungskrise in der Türkei : Die Lira fällt um 20 Prozent

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Das Einkaufen in türkischen Basars wird für Urlauber wegen des Lira-Verfalls in diesen Tagen vermeintlich billiger. Bild: AP

Die türkische Lira stürzt ab. Der Vormittag brachte etwas Entlastung, doch nach einer Rede von Donald Trump geht der Rutsch in die Tiefe weiter.

          Nachdem Donald Trump die Zölle gegen die Türkei verdoppeln will, ist der Kurs der Türkischen Lira noch weiter abgestürzt als zuvor. Insgesamt belief sich der Wertverfall gegenüber dem Dollar zeitweise auf fast 20 Prozent. Für einen Dollar wurden teils mehr als 6,60 türkische Lira verlangt.

          Das türkische Finanzministerium hatte am Donnerstag noch versucht, Anleger und Investoren mit der Erklärung zu beruhigen, Banken und anderen Unternehmen drohten keine Liquiditätsengpässe. Die Wirtschaft werde 2019 um drei bis vier Prozent wachsen, 2017 war es allerdings noch knapp doppelt so viel.

          Die Erklärungen konnten gleichwohl ein weiteres Absacken der Lira nicht verhindern. Ein Dollar kostete schon am Morgen zeitweise mehr als 5,50 Lira und damit so viel wie nie zuvor. Zeitweise verlor die Währung der Türkei mehr als 12 Prozent, dann erholte sich die Lira wieder, doch danach ging es weiter nach unten. Am mittleren Nachmittag stand die Lira schon wieder fast zehn Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn hat die türkische Währung rund ein Drittel an Wert eingebüßt.

          Parallel dazu trieben am Donnerstag verstärkte Spekulationen auf Zahlungsausfälle in der Türkei die Kosten für Kreditausfall-Versicherungen auf den höchsten Stand seit Jahren. Der wachsende Einfluss Erdogans auf die Zentralbank beunruhigt internationale Investoren schon seit Monaten. Viele Anleger ziehen daher Geld ab und verkaufen türkische Anleihen und Aktien. Sie fürchten auch, dass der Währungsverfall die Banken des Landes in Bedrängnis bringen könnte. Am Nachmittag stellt Finanzminister Berat Albayrak – Erdogans Schwiegersohn – neue Pläne für die Wirtschaft vor.

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          Im Juli hatte die Notenbank den Leitzins trotz der hohen Inflation von 15 Prozent nicht angehoben und damit Erdogans Forderung entsprochen. Der Präsident hat sich selbst als „Feind von Zinsen“ bezeichnet. Er war erst im Juli erneut als Präsident vereidigt worden und verfügt nun über eine Machtfülle wie niemand vor ihm im Land. So wird der Notenbank-Chef künftig vom Präsidenten und nicht mehr vom Kabinett ernannt.

          Der Analyst Paul Gamble von der Ratingagentur Fitch sagte Reuters, die Türkei müsse den Lira-Verfall schnell stoppen. „Wir schauen uns die Entwicklung genau an“, sagte der Experte. Seit der Fitch-Entscheidung von Mitte Juli, das Rating der Türkei auf „BB“ zu senken, habe sich die Lage weiter verschlechtert. Mit „BB“ ist die Türkei bei Fitch im Mittelfeld der von „AAA“ bis „D“ reichenden Skala als spekulative Anlage geführt. Um den Druck von der Lira zu nehmen, müsse etwa die Notenbank tätig werden und Ankaras Beziehung zu Washington müsste sich bessern, sagte Gamble. Eine weitere Herabstufung ist nicht ausgeschlossen, der Fitch-Ausblick ist „negativ“. Ein schlechteres Rating zieht üblicherweise steigende Kosten für den Schuldendienst nach sich.

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